Falter: Spuren im Mordfall Umar Israilov führen laut Polizeiakt nach Moskau

Russischer Agent gestand bereits im Juni, "im Auftrag der russischen Regierung" Israilov zu suchen. Er wurde tags darauf mit Steuergeld nach Moskau "ausgeflogen"

Wien (OTS) - Die Spuren im Mordfall Umar Israilov führen nach Moskau. Das behauptet ein russischer Agent namens Artur K., Spitzname Arbi, in einem bislang geheim gehaltenen Einvernahmeprotokoll vor der Fremdenpolizei der Bezirkshauptmannschaft Baden. Das Protokoll liegt dem Falter exklusiv vor.

Am 19. Juni 2008 war Arbi von der Fremdenpolizei in Traiskirchen verhaftet worden. Er sagte laut Protokoll: "Kurz gesagt ist meine Geschichte so, dass ich einen Auftrag hatte und zwar von der russischen Regierung einen Mann zu suchen. Ich wollte diesen Auftrag aber nicht erfüllen, weil ich nicht gegen die österreichischen Gesetze verstoßen will."

Schon neun Tage zuvor, so berichtet der Falter, hatte sich Arbi dem Landesamt für Verfassungsschutz in Wien anvertraut. Dort berichtete er, im Auftrag des tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow unterwegs zu sein. Er, Arbi, solle Israilov "verschwinden" lassen. Israilov stünde auf einer Todesliste. Arbi bekam Gewissensbisse, "da ich kein Mörder bin". Er bat um Hilfe, hatte Angst um sein eigenes Leben. Wie Arbi es prophezeit hatte, wurde Umar Israilov von zwei Killern erschossen.

Anstatt Umar Israilov, der gemeinsam mit Anwälten und NGO´s mehrmals vergeblich um Personenschutz bat, zu helfen, schob das Innenministerium Arbi nur einen Tag nach dem Verhör in Baden ab - und das auf Kosten der Republik. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf einen U-Haftantrag. Schon am 20. Juni 2008, so vermerkt das Bundesamt für Verfassungsschutz, sei Arbi "auf eigenen Wunsch nach Moskau ausgeflogen worden". Bezahlt wurde der Flug von der BH Baden.

Während das Innenministerium Arbi abschob, ermittelte die Justiz allerdings noch gegen ihn. Die Polizei zeigte Arbi schließlich am 11. Juli in einem "Abschlussbericht" wegen gefährlicher Drohung an. Arbi, so die Anzeige, habe Israilov erzählt, dass "in der Slowakei schon zwei Leute warten, die ganz hungrig darauf sind, Israilov zu töten". Israilov, so das Protokoll, sei im Sommer so verängstigt gewesen, dass er sogar seinen Wohnsitz verlegt hatte und mit seiner Familie aufs Land geflüchtet war, "da ihm bekannt ist, dass die Leute von Kadyrow bis zur Vollstreckung eines beauftragten Mordes zu allem fähig sind." Arbi saß in Deutschland übrigens schon wegen Erpessung in Haft.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Florian Klenk
Stellvertretender Chefredakteur
Falter. Marc Aurelstraße 9, A-1011 Wien
Tel: +43-1-53660-924
Email: klenk@falter.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FAT0002