- 27.01.2009, 10:43:18
- /
- OTS0092 OTW0092
Falter: Spuren im Mordfall Umar Israilov führen laut Polizeiakt nach Moskau
Russischer Agent gestand bereits im Juni, "im Auftrag der russischen Regierung" Israilov zu suchen. Er wurde tags darauf mit Steuergeld nach Moskau "ausgeflogen"
Wien (OTS) - Die Spuren im Mordfall Umar Israilov führen nach
Moskau. Das behauptet ein russischer Agent namens Artur K., Spitzname
Arbi, in einem bislang geheim gehaltenen Einvernahmeprotokoll vor der
Fremdenpolizei der Bezirkshauptmannschaft Baden. Das Protokoll liegt
dem Falter exklusiv vor.
Am 19. Juni 2008 war Arbi von der Fremdenpolizei in Traiskirchen
verhaftet worden. Er sagte laut Protokoll: "Kurz gesagt ist meine
Geschichte so, dass ich einen Auftrag hatte und zwar von der
russischen Regierung einen Mann zu suchen. Ich wollte diesen Auftrag
aber nicht erfüllen, weil ich nicht gegen die österreichischen
Gesetze verstoßen will."
Schon neun Tage zuvor, so berichtet der Falter, hatte sich Arbi
dem Landesamt für Verfassungsschutz in Wien anvertraut. Dort
berichtete er, im Auftrag des tschetschenischen Präsidenten Ramsan
Kadyrow unterwegs zu sein. Er, Arbi, solle Israilov "verschwinden"
lassen. Israilov stünde auf einer Todesliste. Arbi bekam
Gewissensbisse, "da ich kein Mörder bin". Er bat um Hilfe, hatte
Angst um sein eigenes Leben. Wie Arbi es prophezeit hatte, wurde Umar
Israilov von zwei Killern erschossen.
Anstatt Umar Israilov, der gemeinsam mit Anwälten und NGO´s
mehrmals vergeblich um Personenschutz bat, zu helfen, schob das
Innenministerium Arbi nur einen Tag nach dem Verhör in Baden ab - und
das auf Kosten der Republik. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf
einen U-Haftantrag. Schon am 20. Juni 2008, so vermerkt das Bundesamt
für Verfassungsschutz, sei Arbi "auf eigenen Wunsch nach Moskau
ausgeflogen worden". Bezahlt wurde der Flug von der BH Baden.
Während das Innenministerium Arbi abschob, ermittelte die Justiz
allerdings noch gegen ihn. Die Polizei zeigte Arbi schließlich am 11.
Juli in einem "Abschlussbericht" wegen gefährlicher Drohung an. Arbi,
so die Anzeige, habe Israilov erzählt, dass "in der Slowakei schon
zwei Leute warten, die ganz hungrig darauf sind, Israilov zu töten".
Israilov, so das Protokoll, sei im Sommer so verängstigt gewesen,
dass er sogar seinen Wohnsitz verlegt hatte und mit seiner Familie
aufs Land geflüchtet war, "da ihm bekannt ist, dass die Leute von
Kadyrow bis zur Vollstreckung eines beauftragten Mordes zu allem
fähig sind." Arbi saß in Deutschland übrigens schon wegen Erpessung
in Haft.
Rückfragehinweis:
Dr. Florian Klenk
Stellvertretender Chefredakteur
Falter. Marc Aurelstraße 9, A-1011 Wien
Tel: +43-1-53660-924
Email: klenk@falter.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | FAT






