WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Fundament der Wirtschaft gerät in Gefahr - von Robert Gillinger

Der Protektionismus erhält Aufwind - die Rechnung wird folgen

Wien (OTS) - Die Gefahr steigt, für uns alle. Denn der staatliche Interventionismus greift munter um sich - und wird zwar vielleicht die akuten Folgen der tief greifenden Wirtschaftskrise lindern, doch das Danach macht uns von Tag zu Tag mehr Sorgen.

Natürlich hat der Vorschlag gewissen Charme, wieder eine "Pleitenholding" GBI ins Leben zu rufen. Sitzen in der Holding echte Manager, kann der Staat mit seinem Engagement einen Gewinn erzielen. Doch wird in vielen Fällen nicht nur das Leiden verlängert? Es gibt leider genug Beispiele, dass Regionalpolitik mit entsprechender Subventionierung das Leiden maroder Unternehmen einfach nur verlängert. Dank deren Subventionierung können sie bis dahin mit gesunden Firmen in Wettbewerb treten - und damit auf deren Füße. Womit diese dann schlechter dastehen und natürlich weniger Jobs anbieten als ohne die subventionierten Konkurrenten. Ob das Ganze dann aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ein Gewinn war? Wichtig ist jedenfalls, dass nur jene Unternehmen in den Genuss einer Pleitenholding-Mitgliedschaft kommen dürften, die unverschuldet in die Krise gerieten, etwa durch den zögerlicheren Kreditfluss der Banken. Wer hingegen bereits vorher kein Geld bekam, verdient es jetzt auch nicht.

Was uns aber vor allem Sorgen machen muss, ist das Ende der internationalen Arbeitsteilung, der zunehmende Protektionismus. Dazu gehört eine Pleitenholding auf regionaler Sicht genauso wie der schwer zu verurteilende Mittelfluss deutscher Bundesländer an Schaeffler, die sich mit der Conti-Übernahme übernommen hat. Damit werden alle Schleusen geöffnet. Oder Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der Staatshilfe für die Automobilindustrie nur dann geben will, wenn diese trotz Überkapazitäten keine französischen Fabriken schließt und auch in der Heimat einkauft, selbst wenn’s etwa in Österreich billiger wäre. Da müssen sich ganz einfach Strukturen entwickeln, die dann am Weltmarkt keine Chance haben und die Arbeitsplätze nicht heute, aber morgen, vernichten - mitsamt den bis dahin geflossenen Staatsgeldern.

Auch der Hort der freien Marktwirtschaft - die USA - sorgen sich mittlerweile nicht mehr um den freien Markt, nur den eigenen. Wie sonst könnte der designierte Finanzminister von China eine Währungsaufwertung fordern? Von jenem Land, dessen Exporte in die USA gerade einbrechen, dessen soziale Stabilität durch die Krise gefährdet ist und dessen wirtschaftliche Entwicklung derzeit sicher nicht für eine Aufwertung spricht. In der Krise ist das eigene Hemd halt am nächsten - selbst ein mottenverseuchtes …

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