- 21.01.2009, 15:23:24
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Papst Benedikt XVI. ist jetzt ein "Mariazeller"
Delegation unter Leitung von Bischof Kapellari übergab die Ehrenbürgerurkunde des steirischen Marienwallfahrtsortes – "Papst: Mariazell bedeutet lebendige Gegenwart einer jahrhundertelangen Pilgerschaft des Glaubens und des Betens" - "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Andreas Gutenbrunner
Vatikanstadt, 21.1.09 (KAP) Papst Benedikt XVI. ist jetzt offiziell
Ehrenbürger des Marienwallfahrtsorts Mariazell. Eine Delegation unter
Leitung von Diözesanbischof Egon Kapellari sowie des Mariazeller
Superiors P. Karl Schauer und des Mariazeller Bürgermeisters Helmut
Pertl überreichte dem Papst am Mittwoch im Anschluss an die
Generalaudienz im Vatikan die Ehrenbürgerurkunde der steirischen
Gemeinde. Er freue sich, nun so nahe bei der Muttergottes "wohnen" zu
dürfen, sagte der Papst in einer kurzen Rede bei der Begegnung mit
den rund 30 österreichischen Rom-Pilgern. Er werde, so Benedikt XVI.
zwar aller Voraussicht nach physisch nicht mehr nach Mariazell fahren
können, der Wallfahrtsort bleibe aber in seinem Herzen verankert. "In
der Erinnerung mache ich immer wieder Halt in Mariazell, weil ich
spüre, wie uns die Gottesmutter dort begegnet und zueinander führt".
Mariazell sei mehr als ein Ort, betonte der Papst: "Mariazell ist
Gegenwart lebendiger Geschichte einer jahrhundertelangen Pilgerschaft
des Glaubens und des Betens, die man förmlich wahrnimmt".
Benedikt XVI. erinnerte an seinen ersten Besuch in Mariazell aus
Anlass der Wallfahrt der europäischen Notare im Jahr 2004. Damals
habe man gespürt, was Europa bauen kann und worin seine Identität
liege. Den schlechten Wetterverhältnissen zum Trotz hat der Papst
auch seinen offiziellen Besuch im September 2007 in bester
Erinnerung. Gerade der Regen haben die Pilger noch stärker zueinander
geführt. "Man hat gesehen, dass Katholiken wetterfest sind, und so
ist gerade im Regen Freude entstanden", sagte Benedikt XVI.
"Heiliger Vater, ab heute sind Sie ein 'Mariazeller'!", verkündete
Bürgermeister Pertl bei der Audienz, an der auch der Bruder des
Papstes, Prälat Georg Ratzinger, teilnahm. Pertl wies auf die
nachhaltige Bedeutung des Besuchs von Benedikt XVI. in Mariazell hin.
"Ihr Pilgerbesuch hat uns als Kirche, geprägt von verschiedenen
Kulturen und Sprachen, für eine gemeinsame Zukunft in einem größeren
Europa bestärkt". Dass der Papst die Ehrenbürgerwürde annehme, sei
eine besondere Auszeichnung für die Stadt Mariazell, aber auch für
alle Menschen, die zur "Magna Mater Austriae" pilgern, so Pertl.
Mit der Ehrenbürgerurkunde überreichte die Mariazeller Delegation dem
Papst regional typische Geschenke wie Lebkuchen und Kräuterlikör.
Georg Ratzinger wurde aus Anlass seines 85. Geburtstags ebenso eine
Kopie der Mariazeller Gnadenstatue überreicht wie dem Sekretär des
Papstes, Prälat Georg Gänswein.
Mariazell steht für den Glauben in Europa
"Mariazell wurde durch den Papstbesuch in seiner Bedeutung als
europaweit ausstrahlendes Zentrum nachhaltig gestärkt", sagte der
Grazer Diözesanbischof, der die österreichische Delegation bei der
Audienz anführte. Der Gruppe gehörten u.a. auch der Botschafter
Österreichs beim Heiligen Stuhl, Martin Bolldorf, "Anima"-Rektor
Franz-Xaver Brandmayr und der Brucker Bezirkshauptmann Bernhard
Preiner sowie der frühere Bundesratspräsident em. Prof. Herbert
Schambeck und der emeritierte Präsident der österreichischen
Notariatskammer, Prof. Georg Weißmann, an.
Der Mariazeller Superior P. Schauer betonte im Gespräch mit
"Kathpress", dass die Annahme der Ehrenbürgerwürde durch den Papst
eine Auszeichnung für die Stadt und die Basilika Mariazell sei.
"Mariazell heißt immer auch über die Grenzen dieses kleinen Ortes
hinauszudenken", erinnerte P. Schauer an die zahlreichen Pilger aus
Mitteleuropa und dem ganzen europäischen Raum, die in das
Marienheiligtum kommen. Diese Weite stehe auch für die Person und das
Denken Benedikts XVI.: "Er hat sichtbar gezeigt, dass ihm dieser Ort
ans Herz gewachsen ist".
P. Schauer übergab dem Papst am Mittwoch auch einen Brief des
niederösterreichischen Landeshauptmanns Erwin Pröll. Der
Landeshauptmann bedankt sich darin u.a. für den freundlichen Empfang
der großen niederösterreichischen Pilgergruppe, die Anfang Dezember
im Vatikan mit Pröll und dem St. Pöltner Bischof Klaus Küng an der
Spitze den vom Land Niederösterreich gestifteten Christbaum für den
Petersplatz übergeben hatte. Die Annahme der Ehrenbürgerschaft durch
den Papst bedeute für Mariazell eine "immense Aufwertung", so Pröll
in dem Schreiben.
Mit Benedikt XVI. ist die Reihe der Ehrenbürger von Mariazell um
einen hohen kirchlichen Würdenträger reicher. 2006 wurden auch
Kardinal Christoph Schönborn und Diözesanbischof Egon Kapellari zu
Ehrenbürgern ernannt. Auch Johannes Paul II. war Ehrenbürger von
Mariazell. Für Benedikt XVI. ist es nicht die erste Auszeichnung
dieser Art: Der Papst ist u.a. auch Ehrenbürger der Städte
Regensburg, Altötting und Brixen.
Erstexemplar "Gottes Projekt" überreicht
Bei der Begegnung mit Benedikt XVI. am Mittwoch übergab Bischof
Kapellari Papst Benedikt XVI. und dessen Bruder Georg Ratzinger auch
Erstexemplare des Buches "Gottes Projekt. Nachdenken über Gott und
die Schöpfung". Das soeben im "Pustet"-Verlag erschienene Werk
basiert auf Mitschnitten von Vorträgen, die Kardinal Joseph Ratzinger
1985 bei den "St. Georgener Gesprächen" im Kärntner Bildungshaus St.
Georgen am Längsee gehalten hatte. Herausgeber des
Dokumentationsbands sind der langjährige Koordinator der „St.
Georgener Gespräche", der nunmehrige Kärntner diözesane
Kulturreferent Karl-Heinz Kronawetter, und der Regensburger Theologe
Prof. Michael Langer. Sie gehörten am Mittwoch ebenso der Delegation
an wie der deutsche Theologe Prof. Georg Schmuttermayr, der am Buch
mitgearbeitet hat. Der Band ist Georg Ratzinger zu dessen 85.
Geburtstag gewidmet. Der Bruder des Papstes hatte den damaligen
Kurienkardinal stets nach St. Georgen und auch zu zahlreichen
Kärnten-Urlauben begleitet.
Bischof Kapellari, der während seiner Zeit als Bischof der Diözese
Gurk die "St. Georgener Gespräche" initiiert hat, erinnerte bei der
Überreichung des Buches an die Anfänge der Veranstaltungsreihe, die
1984 mit Vorträgen von Hans Urs von Balthasar gestartet wurde. Aus
Verbundenheit mit Hans Urs von Balthasar und "weil es ihm wichtig
war, das ins theologische Abseits geratene Thema 'Schöpfung' vor
einem großen und geistig sehr wachen Publikum wieder ins Licht zu
setzen" (Bischof Kapellari), habe Kardinal Ratzinger die Reihe in St.
Georgen im Jahr darauf fortgesetzt.
In den Vorträgen, die nun für den Dokumentationsband zu sechs Texten
zusammengefasst worden sind, veranschaulichte der damalige
Kurienkardinal, dass der Mensch nicht ein Zufallsprodukt der Erde,
sondern ein Projekt Gottes sei. "In sehr klarer Sprache ist
nachzuvollziehen, wie sich aus dem biblischen Schöpfungsverständnis
ein Welt- und Menschenbild entwickelt, auf dem letztlich die
Begründung der Menschenwürde fußt", erklärte Herausgeber Karl-Heinz
Kronawetter im Gespräch mit "Kathpress".
In seinem Vorwort zu dem Band betont Bischof Kapellari, dass die mehr
als 20 Jahre zurückliegenden Vorlesungen bis heute "nichts an
Aktualität" verloren haben. Die "Rede von Gott als dem Schöpfer,
gerade in einer Gesellschaft, die zunehmend die Kategorie der
Geschöpflichkeit und damit den Menschen als Menschen aushöhlt", sei
bis heute kennzeichnend für die Werke des Papstes.
Empfang in der Botschaft
Bereits am Mittwochmorgen hatte die österreichische Pilgergruppe in
der österreichisch-deutschen Nationalkirche Santa Maria dell'Anima
unweit der Piazza Navona an einem Gottesdienst mit Bischof Egon
Kapellari und "Anima"-Rektor Franz Xaver Brandmayr teilgenommen.
Den Abschluss der Pilgerfahrt bildete nach der Papstaudienz ein
Empfang durch den österreichischen Botschafter beim Heiligen Stuhl,
Martin Bolldorf. Gemeinsam mit der Gruppe aus Österreich waren dort
u.a. Prälat Georg Ratzinger, der frühere Apostolische Nuntius in
Österreich, Erzbischof Georg Zur, der Sekretär des Päpstlichen Rates
für die Laien, Bischof Josef Clemens, sowie der Leiter der
deutschsprachigen Abteilung im Päpstlichen Staatssekretariat,
Winfried König, zu Gast.
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