- 21.01.2009, 10:39:21
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Doppel- und Fehlmedikationen müssen ernst genommen werden
Vertreter der NÖ Ärztekammer sehen den Hausarzt als sinnvollsten Koordinator von Verschreibungen
Wien (OTS) - Der freie Zugang der Patienten zu allen
Gesundheitseinrichtungen hat seinen Preis. "Tagtäglich können
speziell unsere Hausärzte beobachten, wie ein und derselbe Wirkstoff
mehrfach verschrieben wird. Ambulanzärzte haben oftmals nicht die
Möglichkeit, die aktuelle Medikamentenliste der Patienten genau zu
erforschen und ihre Schlüsse zu ziehen. Immer wieder werden in
Ambulanzen daher auch Arzneimittel verordnet, die der Patient schon
als Dauermedikation hat", so Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ
Ärztekammer.
Daher muss man bei Fehlmedikationen genau unterscheiden und darf
nicht pauschal die Verschreiber dafür verantwortlich machen. "In
vielen Fällen gibt es für die Verschreiber nämlich keinen Zugang zur
Information, welche Medikamente der Patient schon bekommen hat. Nach
Angaben der Gebietskrankenkasse kommt es auch gar nicht so selten
vor, dass Patienten fast gleichzeitig zu mehreren Ärzten gehen und
sich überall ein Medikament verschreiben lassen. Ohne dass der eine
vom anderen weiß", so der Ärztekammerpräsident.
Sinnvolle Lösung kann nur beim Verschreiber beginnen
Selbstverständlich muss man die Probleme ernst nehmen und deren
sinnvolle Lösung kann aus Sicht von Präsident Dr. Reisner nur beim
Verschreiber beginnen. "So könnte die von Verantwortungsträgern schon
oftmals versprochene Aufwertung des Hausarztes hier Abhilfe schaffen.
Der Patient müsste nach jedem Ambulanz- und Facharztbesuch seinen
Hausarzt aufsuchen, um Doppel- und Mehrfachverordnungen beseitigen zu
lassen."
Hausärzte sind wie alle Ärzte für ihre Medikation verantwortlich
und verfügen daher bereits flächendeckend im Rahmen ihrer
Ordinationssoftware über einen "Sicherheitsgurt". "Es ist daher
nahezu grotesk, diesen "Sicherheitsgurt" erst in der öffentlichen
Apotheke installieren zu wollen. An einer Stelle, wo weder die
Entscheidung über rezeptpflichtige Medikamente getroffen noch die
Verantwortung dafür getragen werden kann. Viel sinnvoller wäre es,
den Informationsfluss zur Arztpraxis herzustellen, wo die
Verschreibungs-Fachleute sitzen und die geeigneten Softwareprogramme
ohnehin schon vorhanden sind", so Dr. Wolfgang Geppert,
Referatsleiter für Medikamentenwesen der NÖ Ärztekammer. Der in
Salzburg getestete "Medikamentensicherheitsgurt" hat
selbstverständlich auch seinen Sinn, und zwar wenn es um die
Wechselwirkungen von rezeptpflichtigen Präparaten mit rezeptfreien
Präparaten geht. "In der Testphase wurden auch zum überwiegenden Teil
Wechselwirkungen festgestellt, an denen Medikamente beteiligt waren,
die in öffentlichen Apotheken ohne Rezept eines Arztes erhältlich
sind."
Zwingende Koordinierung von Medikationen durch Ärzte
Diese Koordinationstätigkeit des Allgemeinmediziners würde jedoch
zwangsläufig zu höheren Belastungen der Arztpraxen führen, die
natürlich betriebswirtschaftlich fundiert abgegolten werden müssten.
Die derzeitige Entwicklung läuft leider ins Gegenteil. "Mit
Honorarsteigerungen wie derzeit üblich weit unter der Inflationsrate
und explodierenden Betriebskosten werden die Kassenpraxen
ausgehungert. Zusätzliche Aufgaben, wie die zwingende Koordinierung
der Medikation, können von den Hausärzten auch nur dann übernommen
werden, wenn die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit von Ärzten
großzügig ausgebaut werden", so Dr. Geppert.
Wenn es um eine Reduktion der Medikamentenkosten geht, dann muss
der Landarzt mit Hausapotheke als Paradebeispiel genannt werden. Er
ist Koordinator und Kostensenker in einem. "Zusätzlich darf nicht
außer Acht gelassen werden, dass vom Hausapotheker abgegebene
Arzneien weniger Kosten bei den Krankenkassen verursachen, als die
gleichen Präparate aus einer öffentlichen Apotheke", so Präsident Dr.
Reisner abschließend.
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich
Michael Dihlmann, Pressesprecher,
Tel. 0664/144 98 94
mailto:[email protected]
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