• 19.01.2009, 20:09:11
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch mit Obama als Präsident wird die Welt keine andere sein" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 20.1.2009

Graz (OTS) - Ab heute gehen die Uhren in Amerika anders. Der
Amtsantritt von Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten
Staaten ist in jedem Fall eine Zäsur - ob er den groß angekündigten
Wandel nun schaffen wird oder nicht. Denn allein die Tatsache, dass
er nun der erste Farbige auf dem Posten des mächtigsten Politikers
der Welt ist, macht ihn einzigartig.

Michael Anton, der für Obamas Vorgänger George W. Bush Reden schrieb,
warnte allerdings davor, zu viele Erwartungen zu wecken. Obama müsse
die Hoffnungen seiner Anhänger dämpfen, die glaubten, dass "am 20.
Jänner die Sonne aufgeht und die Welt total anders sein wird".

Dennoch: Die Erwartungen an Obama sind groß. Die US-Wirtschaft
stolperte in die ärgste Krise seit Jahrzehnten, Millionen Amerikaner
sind ohne Arbeit, US-Soldaten führen einen Krieg im Irak und in
Afghanistan, den sie militärisch nicht gewinnen können.

"Barack Obamas Antrittsrede wird eine Momentaufnahme sein und den
Geist beschreiben, der nötig ist, um stärker und geschlossener als je
zuvor aus der Krise herauszukommen", deutete dessen Sprecher Nick
Shapiro die Richtung der Ansprache heute kurz nach der Vereidigung
des neuen Präsidenten an.

"Wir haben schon härtere Zeiten überstand und werden auch die
gegenwärtige Krise bewältigen", sagte Obama kürzlich. Anregen ließ er
sich vor allem von seinem großen Vorbild Abraham Lincoln. Der
Sklavenbefreier führte das Land durch den Bürgerkrieg und damit durch
die schwerste Krise seiner Geschichte. Auf seinem Weg ins Weiße Haus
hat sich Obama wiederholt auf Lincoln berufen, und er will seinen Eid
auf dieselbe Bibel ablegen, die auch Lincoln verwendet hat.

Neben Lincoln berief sich Obama vor allem auf John F. Kennedy. Der
war als bisher erster und einziger Katholik - ähnlich wie jetzt Obama
als Farbiger - auch eine Novität im Weißen Haus. Und wie einst der
Hoffnungsträger Kennedy 1961 sagt heute auch Obama: "Die Fackel wird
an eine neue Generation von Amerikanern übergeben."

Ob er die hochgeschraubten Erwartungen dieser "neuen Generation" an
"hope and change", an Hoffnung und Wandel, tatsächlich erfüllen wird
können, ist ungewiss.

Denn Obama wird es wohl ähnlich gehen, wie allen Politikern: Seine
Wahlversprechen werden brutal gegen die Frustration der Wirklichkeit
prallen, eine Balance zwischen mutigen Reformen und unvermeidlichen
Kompromissen finden zu müssen.****

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Kleine Zeitung
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Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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