"Kleine Zeitung" Kommentar: "Auch mit Obama als Präsident wird die Welt keine andere sein" (von Ernst Heinrich)

Ausgabe vom 20.1.2009

Graz (OTS) - Ab heute gehen die Uhren in Amerika anders. Der Amtsantritt von Barack Obama als 44. Präsident der Vereinigten Staaten ist in jedem Fall eine Zäsur - ob er den groß angekündigten Wandel nun schaffen wird oder nicht. Denn allein die Tatsache, dass er nun der erste Farbige auf dem Posten des mächtigsten Politikers der Welt ist, macht ihn einzigartig.

Michael Anton, der für Obamas Vorgänger George W. Bush Reden schrieb, warnte allerdings davor, zu viele Erwartungen zu wecken. Obama müsse die Hoffnungen seiner Anhänger dämpfen, die glaubten, dass "am 20. Jänner die Sonne aufgeht und die Welt total anders sein wird".

Dennoch: Die Erwartungen an Obama sind groß. Die US-Wirtschaft stolperte in die ärgste Krise seit Jahrzehnten, Millionen Amerikaner sind ohne Arbeit, US-Soldaten führen einen Krieg im Irak und in Afghanistan, den sie militärisch nicht gewinnen können.

"Barack Obamas Antrittsrede wird eine Momentaufnahme sein und den Geist beschreiben, der nötig ist, um stärker und geschlossener als je zuvor aus der Krise herauszukommen", deutete dessen Sprecher Nick Shapiro die Richtung der Ansprache heute kurz nach der Vereidigung des neuen Präsidenten an.

"Wir haben schon härtere Zeiten überstand und werden auch die gegenwärtige Krise bewältigen", sagte Obama kürzlich. Anregen ließ er sich vor allem von seinem großen Vorbild Abraham Lincoln. Der Sklavenbefreier führte das Land durch den Bürgerkrieg und damit durch die schwerste Krise seiner Geschichte. Auf seinem Weg ins Weiße Haus hat sich Obama wiederholt auf Lincoln berufen, und er will seinen Eid auf dieselbe Bibel ablegen, die auch Lincoln verwendet hat.

Neben Lincoln berief sich Obama vor allem auf John F. Kennedy. Der war als bisher erster und einziger Katholik - ähnlich wie jetzt Obama als Farbiger - auch eine Novität im Weißen Haus. Und wie einst der Hoffnungsträger Kennedy 1961 sagt heute auch Obama: "Die Fackel wird an eine neue Generation von Amerikanern übergeben."

Ob er die hochgeschraubten Erwartungen dieser "neuen Generation" an "hope and change", an Hoffnung und Wandel, tatsächlich erfüllen wird können, ist ungewiss.

Denn Obama wird es wohl ähnlich gehen, wie allen Politikern: Seine Wahlversprechen werden brutal gegen die Frustration der Wirklichkeit prallen, eine Balance zwischen mutigen Reformen und unvermeidlichen Kompromissen finden zu müssen.****

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