Unterreiner: Kulturpolitische Forderungen der FPÖ an die Bundesregierung!

Die Bewahrung unserer Identität ist das Gewissensthema unserer Epoche!

Wien, 15-01-2009 (fpd) - Die FPÖ fordert eine kulturpolitische Wende in Österreich deren Maxime die Bewahrung unserer Identität als das Gewissensthema unserer Epoche sein muß. Schon in der UNESCO-Konvention zur kulturellen Vielfalt aus dem Jahr 2005, die man auch als "Magna Charta der Kultur" bezeichnen könnte, ist das Menschenrecht auf kulturelle Vielfalt im Völkerrecht verankert. Kunst und Kultur sind somit als Träger von Identität festgelegt, so heute die Kultursprecherin der FPÖ, NAbg. Mag. Heidemarie Unterreiner im Zuge einer Pressekonferenz.

Im Programm der Bundesregierung vermisst die FPÖ das deutliche Bekenntnis zu Kunst und Kultur als Träger der österreichischen Identität. Bezeichnend ist für die österreichische Bundesregierung die Tatsache, daß sich das 267 Seiten starke Regierungsprogramm nur ganze 7 Seiten dem Thema Kultur widmet. Diese inhaltslose Ansammlung von Worthülsen und Stehsätzen, die der österreichischen Bevölkerung für die nächsten 5 Jahre als Regierungsauftrag verkauft wird, zeigt jedoch, daß das Kabinett Faymann 1 auch im Kulturbereich ohne Vision, ohne Ziel und Phantasie agiert. Lediglich Begriffe wie "Evaluieren" "Innovation", "Entwicklungskonzepte", Methoden des "Audience Development" oder "gender budgeting" werden aneinander gereiht. Während man sich im Kulturkapitel besonders der Migrantinnen annimmt, findet sich kein einziger Satz zur Bewahrung der Volkskunst. Die Universitäten und Kunsthochschulen, Theater, Museen, der Denkmalschutz, die Opernhäuser und die Bibliotheken, sind unerläßlicher Bestandteil der kulturellen Identität unseres Landes und müssen deshalb vom Staat besonders gefördert werden. Bei seiner Regierungserklärung ist Faymann auf das Kulturkapitel überhaupt nicht eingegangen. Das alleine zeigt schon den Stellenwert, den Kulturpolitik heute in Österreich genießt, so Unterreiner.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß der künftige Schwerpunkt der Nachwuchsförderung mit zeitgenössischem Kunstschaffen zusammengezogen und die musische Ausbildung der Jugend auf eine "Machbarkeitsstudie für ein Ausbildungsangebot im Bereich der Popmusik" reduziert wird. "Viel Geld für das Produzieren von Musik auszugeben und dafür immer weniger für die jungen Menschen, die das erlernen sollen, was später produziert werden soll, ist nicht nur sinnlos, sondern einfach dumm!" Dieser Meinung von Staatsoperndirektor Ioan Holender kann man sich leider nur vollinhaltlich anschließen.
Hierbei ist auch die derzeitige Form unseres Bildungssystems zu kritisieren, da durch das permanente Zurückschrauben der humanistischen Fächer, also jene Unterrichtsfächer, die Grundfragen unserer Gesellschaft aufgreifen der Herausbildung der gesamten Persönlichkeitsentwicklung nicht dienlich sein kann.

Musik ist eine der großen identitätsstiftenden kulturellen Säulen Österreichs. Von den Musikschulen hängt zu einem Gutteil die Zukunft des Musiklandes Österreich ab. Kulturhistorisch ist anzumerken, daß das Musikschaffen in Europa eine Sonderstellung einnimmt und weltweit als einmalig gilt. Was die Musik z.B. möglich macht, wie sie Kindern aus sozialen Randlagen Perspektiven, Selbstbewußtsein und Lebensfreude geben kann, zeigt seit über dreißig Jahren der Venezolaner José Antonio Abreu und der junge Dirigent Gustavo Dudamel. Heute verfügt Venezuela über 90 Montalban-Musikschulen, deren Dienste 250.000 Kinder in Anspruch nehmen.

Als Wiener Abgeordnete zum Nationalrat muß ich mit Sorge feststellen, daß gerade die "Weltmusikmetropole" Wien im Bereich der Musikerziehung in Musikschulen weit abgeschlagen als Schlußlicht bei allen Vergleichsdaten rangiert. Während Niederösterreich für 1,5 Millionen Einwohner 152 Musikschulen, die mehr als 53.000 Schüler unterrichten, anbieten kann, gibt es in Wien nicht einmal eine Musikschule pro Bezirk, sondern lediglich 17 Musikschulen für das gesamte Bundesland. Für Wiens Jugendliche stehen nur 6.231 Plätze an Wiener Musikschulen zur Verfügung, wobei bereits die Singschulen mit eingerechnet sind. Auch Oberösterreich mit 1,4 Millionen Einwohnern unterrichtet in 67 Musikschulen 55.000 Kinder und wendet dafür jährlich 55 Millionen Euro auf. Die Bundeshauptstadt bescheidet sich mit 19 Millionen Euro. Das ist ein Armutszeugnis sondergleichen, so Unterreiner

Die FPÖ fordert daher von der Bundesregierung:

0) Die Schaffung einer "Koordinierungsgruppe Musikerziehung", der Vertreter aus allen Bundesländern sowie Vertreter maßgebender Musikinstitutionen (Staatsoper, Musikverein, Symphoniker, etc.) sowie der Konservatorien und Universitäten angehören. In Anbetracht der Tatsache, daß es zwischen den Bundesländern eklatante Unterschiede gibt, ist eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen allen verantwortlichen Ebenen und Ausbildungsstätten notwendig, um eine erfolgreiche Musikerziehung gewährleisten zu können.
0) Einen Musikschulplatz für jedes Kind, das die Aufnahmeprüfung schafft.
0) Die Bereitstellung von Musikinstrumenten für Kinder aus sozial schwachen Familien.
0) Die Sicherstellung von Begabtenförderungen.
0) Die verpflichtende musikalische Ausbildung für Kindergärtnerinnen sowie Volksschullehrer, die es ihnen ermöglicht, Kindern didaktisch den Zugang zur Musik zu ebnen. Dabei sollen praktizierende Künstler in den Unterricht mit eingebunden werden.
0) Eine durchgehende musische und bildnerische Erziehung in allen Schultypen.
0) Die Wiederaufnahme des Projekts "Kinder musizieren für Kinder", das 1995 von der damaligen Ministerin Gehrer eingestellt wurde

Die Situation des österreichischen Films

Die Situation des österreichischen Films ist trist und trotz des Oskargewinns für den Film "Die Fälscher" alarmierend. Für den Filmliebhaber ist der österreichische Film ein unbekanntes Wesen, der sich seit Jahrzehnten in einer Dauerkrise befindet. Seit 2004 gibt der Filmwirtschaftsbericht Auskunft über die Entwicklungen am heimischen Filmmarkt. Seine Aufgabe besteht darin, förderungs- und kulturpolitischen Entscheidungen zu dienen.
Der jüngste Filmwirtschaftsbericht von 2007 beweist die anhaltende Krise auf drastische Art. Der Marktanteil des österreichischen Films beträgt 1,9 Prozent, die Besucherzahlen sind stark gesunken, so Unterreiner.

Der Marktanteil außereuropäischer (überwiegend US-amerikanischer Filme) lag 2007 bei 78,7 Prozent, der Anteil europäischer Filme bei 21,3 Prozent. Die heimische Zusehergunst ist rückläufig. Im europäischen Vergleich lagen nur Polen, Luxemburg und Bulgarien hinter Österreich. Laut dem Österreichischen Filmwirtschaftsbericht wurden im Jahr 2007 Euro 40 Mio. an Förderungen ausgeschüttet, wobei der Bund mit dem Filminstitut, die Stadt Wien mit dem Filmfonds mit Euro 12 Mio. und Euro 8 Mio. den Löwenanteil stellen und somit mehr als 50 Prozent der Förderung bestreiten.
Von den 37 im Jahr 2007 aufgeführten österreichischen Filmen, fanden es 295.600 Besucher wert, sich diese Filme im Kino anzusehen. Damit ist klar, daß jeder Kinogast von den Steuerzahlern mit 133.- Euro subventioniert werden mußte.

Der deutsche Film liegt in Deutschland zurzeit bei einem sensationellen Marktanteil von fast 20 Prozent und möchte man sich in den nächsten Jahren auf 30 Prozent steigern. Der oskarprämierte Film "Das Leben der Anderen", dessen Produktion lediglich 1,8 Mio. kostete und somit soviel wie rund ein Film in Österreich (2 Mio.), konnte allein in der BRD 2 Millionen Kinobesucher verzeichnen und spielte weltweit insgesamt US $ 70 Mio. ein.

Vergleichen wir die Lage der Filmförderung mit der Bundesrepublik, so werden dort jährlich insgesamt 200 Millionen Euro an Förderungen ausgeschüttet. Zusätzlich wurde 2007 das deutsche Produktionskostenerstattungsmodell - auch Filmzulage genannt -eingerichtet, wofür jährlich 60 Mio. Euro aufgewendet werden. So ein Modell wäre auch für Österreich sehr wünschenswert. Das deutsche Modell, die sogenannte Filmzulage, will insbesondere kleine und mittlere Nachwuchsproduzenten fördern. Jedem Produzenten in Deutschland, der einen Kinofilm herstellt, werden zwischen 16 und 20 % der in Deutschland ausgegebenen Produktionskosten erstattet. Dieses Produktionskostenersatzmodell ist unbürokratisch, transparent und berechenbar. Jeder Film, für den eine Zulage beantragt wird, muß zuvor einen so genannten kulturellen Eigenschaftstest bestehen und eine bestimmte Punktzahl erreichen.

Auf Österreich umgelegt, ginge es in erster Linie um die heimischen Produzenten. Nur sie sollen einen Antrag stellen dürfen. Das heißt, daß sich jeder ausländische Produzent einen Koproduktionspartner in Österreich suchen muß, wenn er von der Produktionskostenerstattung profitieren will. Dieses Anreizmodell für die Filmproduktion, stellt sowohl für den Arbeitsmarkt als auch die Volkswirtschaft einen Hebel dar.

Wirtschaftlicher Erfolg darf sich nicht negativ auf die künstlerische Qualität auswirken und muß es im Übrigen auch nicht. Natürlich ist der Film nicht nur Wirtschaftsgut, sondern auch und vor allem ein Kulturgut. Das bedeutet aber im Umkehrschluß jedoch nicht, daß nur kleine Filme eine künstlerische Qualität haben können. Ganz im Gegenteil muß es das Ziel sein, den Produzenten und Filmschaffenden möglichst hohe Budgets zu verschaffen, damit sie noch mehr Spielräume haben, die künstlerische Qualität eines Films zu verbessern. Wenn wir uns dieses Ziel zu eigen machen, dann wird sich auch der österreichische und europäische Film gegenüber den Main-Stream-Produktionen aus Hollywood behaupten können. Nicht zuletzt auch deshalb, weil wir in Österreich und Europa mit wunderbaren, individuellen und Identität stiftenden Filmstoffen arbeiten können.

Die FPÖ fordert daher von der Bundesregierung:

0) Eine grundlegende Reform der Filmförderung.
0) Eine Effizienzsteigerung der Förderungsgelder, die ja von 12,5 auf 20 Mio. erhöht wurden.
0) Schaffung eines zusätzlichen Finanzierungsinstruments für den österreichischen Film in Anlehnung an das deutsche Modell der Filmzulage.
0) Das Prinzip des künstlerischen und kommerziellen Erfolges muß im Vordergrund stehen.
0) Novellierung des FilmförderungsG dahingehend, daß eine Entpolitisierung (derzeit sind Kanzler und Vizekanzler darin vertreten) erreicht wird. (Schluß)

Rückfragen & Kontakt:

FPÖ

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NFW0003