• 15.01.2009, 12:58:58
  • /
  • OTS0183 OTW0183

BM Schmied: "Top-Qualität an allen Schulen!"

Bildungsstandards werden eingeführt. Einführung der standardisierten, kompetenzorientierten Reifeprüfung an den AHS wird konsequent vorbereitet

Wien (OTS) - "Das österreichische Schulsystem hat ein
Qualitätsthema. Die Schülerleistungen unterscheiden sich von Schule
zu Schule massiv. Wir haben Schulen mit sehr guten und mit
schlechteren Ergebnissen, aber keine einheitliche Qualität.
Internationale Studien belegen dieses Problem. In der soeben
präsentierten TIMSS-Studie liegen zwischen der besten und der
schlechtesten österreichischen Schule 180 Punkte. Das ist ein
deutlich größerer Abstand, als der Abstand vom österreichischen
Durchschnitt mit 505 Punkten zum Spitzenreiter Hongkong mit 607
Punkten, der nur 102 Punkte beträgt", so Bildungsministerin Claudia
Schmied anlässlich einer Pressekonferenz zur standardisierten
Reifeprüfung mit den Direktoren des Bundesinstituts für
Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung des österreichischen
Schulwesen (BIFIE) Günter Haider und Josef Lucyshyn.

"Eine zentrale bildungspolitische Aufgabe muss daher die
Qualitätssicherung an unseren Schulstandorten sein. Wir müssen es
schaffen, vom Neusiedlersee bis zum Bodensee einheitlich guten
Unterricht anzubieten. Die Eltern müssen die Sicherheit haben, dass
eine öffentliche Schule für beste Qualität steht. Bisher hatten wir
allerdings nicht die Möglichkeit dazu, den Output des Unterrichts für
die Lehrer und die Bildungsforschung objektiviert zu messen. Ein
Zweier in der einen Schule ist beispielsweise etwas anderes wert, als
ein Zweier in einer anderen Schule. Deshalb müssen wir klare
Standards schaffen und einen Qualitätsprozess in den Schulen in Gang
setzen. Mit der Verordnung der Bildungsstandards habe ich diese Woche
einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung gesetzt", ergänzt
Schmied.

"Aber nicht nur während der Schulzeit, auch am Ende der Schullaufbahn
müssen wir beste Qualität garantieren. Deshalb ist eine
standardisierte, kompetenzorientierte Reifeprüfung mit vergleichbarer
Qualität ein erklärtes Ziel dieser Bundesregierung. Die neue
einheitliche Reifeprüfung soll garantieren, dass Jugendliche, die
ihre Reifeprüfung ablegen, auch tatsächlich jene Kompetenzen
beherrschen, die für ein Studium oder auf dem Weg in die Wirtschaft
notwendig sind. Die Reifeprüfung muss überall gleich viel wert sein
und Vergleiche ermöglichen. Das Reifeprüfungszeugnis muss eine
Aussagekraft haben. Das ist zum Beispiel für die Universitäten
besonders wichtig", so Schmied.

"Die neue Reifeprüfung soll in der AHS starten und dann auf alle
weiteren Schularten ausgeweitet werden. Der intensive Dialog mit
allen Betroffenen und Beteiligten ist mir bei der Erarbeitung
wichtig. Ich möchte auch die Lehrer von diesem zentralen Projekt
überzeugen und mich dafür einsetzen, dass wir den Weg der Innovation
und Qualitätssicherung gemeinsam beschreiten. Die kommenden Wochen
sollen daher auch weiterhin für den intensiven Dialog genutzt
werden", betont Schmied.

Wie geht es mit der Einführung der neuen Reifeprüfung weiter?

Die Einführung der neuen Reifeprüfung für die AHS schreitet wie
geplant voran. Auf Basis der gesetzlichen Regelung, die im
Regierungsprogramm festgeschrieben ist und noch im Frühling vom
Ministerrat beschlossen werden soll, soll noch im Laufe dieses
Schuljahres die neue Verordnung zur Reifeprüfung an AHS ausgearbeitet
und mit den Schulpartnern diskutiert werden. Die neue Reifeprüfung
kann - um bestmögliche Vorbereitung zu garantieren - auf Basis der
Verordnung im Schuljahr 2013/14 eingeführt werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird die neue Reifeprüfung in Zusammenarbeit
mit Praktikern an zahlreichen Pilotschulen für alle relevanten
Klausurgegenstände (Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen, Darstellende
Geometrie, Physik, Biologie,) erprobt, um präzise und valide Aussagen
über das Anspruchsniveau für zentrale Aufgabenstellungen zu erhalten.
Bereits jetzt haben rund 60 Pilotschulen an ersten Versuchen
teilgenommen.
Diese Vorarbeiten werden in Zusammenarbeit mit dem BIFIE von
verschiedenen Fachdidaktik-Instituten an den Universitäten unter
Einbeziehung von Praktikern geleistet. Parallel dazu wird an einem
Fortbildungskonzept und - damit verbunden - an einem massiven
Fortbildungsangebot für die Lehrerinnen und Lehrer gearbeitet. Auch
den Fach-Arbeitsgemeinschaften wird in diesem Umstellungsprozess eine
wichtige Rolle zukommen.

Wie soll in Zukunft beispielsweise eine neue Reifeprüfung an einem
neusprachlichen Gymnasium ablaufen?

Eine Reifeprüfung würde nach momentanem Planungsstand für jeden
Schüler in drei voneinander unabhängigen Schritten ablaufen:

1.) Jeder Schüler muss in Zukunft bereits am Ende der siebten Klasse
in Absprache mit seinem Lehrer das Thema einer vorwissenschaftlichen
Arbeit für seine Reifeprüfung wählen. In einem Fach seiner Wahl muss
der Schüler diese Arbeit während der achten Klasse vor dem
Reifeprüfungstermin erarbeiten und somit seine Fähigkeit zum
eigenständigen wissenschaftlichen Arbeiten und seine Studienfähigkeit
unter Beweis stellen. Die fertige Arbeit wird dann im Rahmen der
Reifeprüfung - ähnlich wie bei Prüfungen auf der Universität - vom
Schüler mündlich präsentiert. Vom Umfang her wird die
Vorwissenschaftliche Arbeit zwischen 4500 und 6000 Worten umfassen.

2.) Zu einem bundesweit einheitlichen Termin treten alle Schüler zu
österreichweit einheitlichen schriftlichen Klausuren an. Jeder
Schüler muss entweder 3 oder 4 schriftliche Prüfungen ablegen, je
nachdem ob er 2 oder 3 mündliche Prüfungen absolvieren möchte. Bei 3
Prüfungen tritt der Schüler nur in Deutsch, Mathematik und einer
lebenden Fremdsprache an. Bei 4 Klausuren kann zu den drei
verpflichtenden Fächern zusätzlich in einer weiteren Fremdsprache,
Chemie, Biologie und Umweltkunde oder Physik angetreten werden. Die
Arbeiten werden am Schulstandort vom Lehrer nach einem einheitlichen
Korrekturschlüssel benotet. Die Ergebnisse sind somit österreichweit
vergleichbar.

3.) Jeder Schüler tritt zusätzlich zu den schriftlichen Klausuren in
2 oder 3 mündlichen Prüfungen an. Die Aufgabenstellungen und die
Beurteilungen der mündlichen Prüfungen werden nicht zentral
vorgegeben, sondern bleiben in der Kompetenz des prüfenden Lehrers.

Was sind die Grundüberlegungen hinter der neuen Reifeprüfung?

Die Einführung einer standardisierten kompetenzorientierten
Reifeprüfung mit zentralen und schulspezifischen Elementen unter
Berücksichtigung schulautonomer pädagogischer Schwerpunkte ist gemäß
dem Regierungsprogramm - beginnend mit der AHS - für alle Schularten
zu entwickeln.

Höchstmögliche Transparenz, Objektivität und Vergleichbarkeit sind
für die Aussagekraft von österreichischen Abschluss-, Reife-, Reife-
und Diplom- sowie Diplomprüfungszeugnissen von besonderer Bedeutung.
Bereits die Verankerung von Bildungsstandards verfolgt das Ziel eines
kompetenz- und ergebnisorientierten Unterrichts. Um die Aussagekraft
von abschließenden Prüfungen als Dokumentation des Ergebnisses
mehrjährigen Unterrichts zu erhöhen, sollen gemäß dem genannten
Regierungsprogramm neben standortbezogenen Elementen auch zentrale
Elemente in die Reifeprüfung Eingang finden.

Die Neukonzeption der Reifeprüfungsbestimmungen für allgemein
bildende höhere Schulen trägt mit den drei voneinander unabhängigen
Säulen (verpflichtende vorwissenschaftliche Arbeit mit Präsentation,
standardisierte schriftliche Klausurprüfung, standortbezogene
mündliche Prüfung) auch den Anforderungen nach Erhöhung der
Studierfähigkeit, Standardisierung und Kompetenzorientierung sowie
der Wahrung von standortbezogenen Spezifizierungen und schulautonomen
Profilbildungen Rechnung.
Die Reifeprüfung soll sich aus drei voneinander unabhängigen
Prüfungsteilen zusammensetzen ("3-Säulen-Modell"):

- Vorwissenschaftliche Arbeit (mit Präsentation),
- Klausurprüfung
- Mündliche Prüfung.

Diese drei "Säulen" der neuen Reifeprüfung sollen sämtliche
inhaltliche Vorgaben berücksichtigen:

Die vorwissenschaftliche Arbeit vereint die positiven Erfahrungen aus
den Bereichen der Fachbereichsarbeit sowie der Spezialfrage und trägt
den individuellen Interessen der Schülerinnen und Schüler sowie
schulspezifischen Elementen und schulautonomen pädagogischen
Schwerpunkten Rechnung. Sie soll eine eigenständige, außerhalb der
Unterrichtszeit erstellte Arbeit sein, welche die Studierfähigkeit
der Absolventinnen und Absolventen unter Beweis stellt. Die bei der
Präsentation nachgewiesene Präsentationskompetenz sowie die
Ausdrucks- und Diskursfähigkeit sind Teil der vorwissenschaftlichen
Arbeit ("1. Säule") und in deren Beurteilung einzubeziehen.

Die schriftliche Klausurprüfung soll in ihrer standardisierten -
also für alle AHS gleichen - Form das zentrale Element der
Reifeprüfung darstellen. Die Aufgabenstellungen sollen im Wege über
das Bundesinstitut für Bildungsforschung, Innovation und Entwicklung
des österreichischen Schulwesens (BIFIE) auf der Grundlage von
Standards ausgearbeitet und an den österreichweit einheitlichen
Prüfungsterminen vorgelegt werden.

Die mündliche Prüfung soll die schulspezifischen Elemente
einschließlich schulautonomer pädagogischer Schwerpunkte wahren. Die
Prüfungsgebiete sind nach Maßgabe schulautonomer Lehrplanbestimmungen
geringfügig variabel, die Themenbereiche und Aufgabenstellungen
werden an der Schule erarbeitet, im Rahmen der Prüfung besteht somit
die Möglichkeit, auch schulische Schwerpunkte zu behandeln.

Wie bei den Bildungsstandards sollen die zentralen Aufgabenstellungen
bei den abschließenden Prüfungen zu einer stärkeren und
nachhaltigeren Ergebnisorientierung in der Planung und Durchführung
von Unterricht führen.

Die Ergebnisse der Schülerleistungen im Rahmen der teilzentralen
Reifeprüfungen werden ebenso wie die Aufgabenstellungen zum Zwecke
eines kontinuierlichen nationalen Bildungsmonitorings vom BIFIE
zusammengefasst, analysiert und den Verantwortlichen für das
Schulsystem berichtet. Daraus gewonnene Erkenntnisse sollen die Basis
für Steuerungsentscheidungen im Bildungswesen bilden.

Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Nikolaus Pelinka
Tel.: (++43-1) 53 120-5030

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MUK

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel