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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Zogaj, Politiker und Medien"
Ausgabe vom 15. Jänner 2009
Wien (OTS) - Wie das Murmeltier grüßt die Affäre Zogaj immer
wieder. Und doch ist diesmal vieles anders. So haben sowohl SPÖ wie
auch Oberösterreichs ÖVP erkannt, dass ihre einstige Sympathie für
die Kosovo-Familie von vielen ihrer Wähler nicht geteilt wird.
In der Volkspartei gibt nun die lustvoll-undiplomatische Maria
Fekter anstelle des angstvollen Günther Platter den Ton an. Und
Werner Faymann weiß heute, dass die Demontage der roten Gutmenschen
seiner Partei nicht geschadet hat: Das Wahl-Waterloo von Grünen, LIF
und KPÖ zeigt, dass der SPÖ aus jenem Eck der (immer nur auf Kosten
Dritter) "Guten" keine Gefahr droht. Auch jener Pfarrer, dem als
letztes Argument für eine Aufnahme der Familie einfällt, dass sie im
Kosovo nicht einmal Strom hat, ist nicht mehr als ernst, sondern nur
noch als lieb einzustufen. Oder will er allen Hunderten Millionen
Menschen dieser Welt, die stromlos leben, Asyl geben? Selbst die
SPÖ-nahe Volkshilfe zeigt schon etwas Bauchweh bei ihren Aktionen in
der Nähe der strafrechtlichen Schlepperei.
Umso deutlicher fällt daher die unveränderte
Kampfberichterstattung des ORF auf. Dort agiert die knallgrüne
Redaktionsmehrheit nach wie vor als begeisterter Helfershelfer der
Familie Zogaj, während der zuständige Direktor (den uns Peter
Westenthaler eingebrockt hat) seit Jahr und Tag fast nur noch bei
Terminen mit hohem Freizeitwert aktiv zu sein scheint.
Bemitleidenswert steht da Alexander Wrabetz daneben, der mit diesen
Sehervertreibern den von Geld-, Chef-, FS1-, Ö3- und
Konsumentenverlust bedrohten ORF retten will.
Die übrigen Medien stottern zum Thema Zogaj herum. Die
desorientierte "Krone" ignoriert es. Das Faschingsblatt "Österreich"
amüsiert mit der wirklich exklusiven Schlagzeile "Arigona darf jetzt
bleiben". Manche Blätter geben wiederum zu, dass kein Asylanspruch
besteht, meinen aber, Österreich brauchen die Zogajs als
Arbeitskräfte - trotz der gewaltigen Arbeitslosigkeit schlecht
ausgebildeter Migranten. Andere wiederum verlangen wegen der vielen
langen Verfahren eine Zogaj-Aufnahme, sind aber völlig unglaubwürdig,
weil sie zugleich die Forderung unterstützen, es müsse neben den
(mehrfach beantragbaren!) Asylverfahren auch noch Anspruch auf
formelle Bleiberechtsbescheide geben. Was allen künftigen Zogajs
zumindest fünf bis zehn Jahre Aufenthalt garantieren würde...
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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