Ludwig/Prokop: Der Wollner-Hof feiert Dachgleiche

Umfassende Sanierung des Wohnhauses mit Dachgeschossausbau

Wien (OTS) - Der Wollner-Hof - er wurde in der Zeit des ausklingenden 19. Jahrhunderts erbaut - ist eines der ältesten Häuser am Brunnenmarkt. In den 1980er Jahren wurde das Wohnhaus zum Spekulationsobjekt, das trotz engagierter Rettungsbemühungen seitens der Stadt und des Bezirks nach und nach verwahrloste. Ende 2005 gelang es der GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H., das Gebäude zu erwerben und einer umfassenden Revitalisierung zuzuführen, die von der Stadt Wien mit beträchtlichen Fördermitteln unterstützt wird. Seit mittlerweile einem Jahr läuft die Sanierung, in deren Rahmen auch ein Dachgeschossausbau mit insgesamt 12 Wohnungen erfolgt. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Franz Prokop und GEWOG-Geschäftsführer Karl Wurm präsentierten heute, Montag, den "neuen" Wollner-Hof im Rahmen einer Dachgleichen-Feier.****

Sanierung und Umbau des geschichtsträchtigen Ottakringer Wohnhauses gehen zügig voran. Die revitalisierte Fassade und die Rohbauten für die Aufstockung und den Dachgeschossausbau des Gebäudes bieten bereits einen Eindruck, wie der künftige Wollner-Hof aussehen wird. Ziel des Sanierungskonzepts ist es, Alt und Neu perfekt zu verknüpfen und ein modernes, zeitgemäßen Standards entsprechendes Wohnhaus zu gestalten, das dennoch seinen liebenswerten Vorstadt-Charakter beibehält.

Wohnbaustadtrat Michael Ludwig: "Die Stadterneuerung in Wien gilt weltweit als Vorbild. Zurecht - wie auch das Beispiel des Ottakringer Wollner-Hofs zeigt. Es gelang unter schwierigsten Umständen, das historische Gebäude, das sich an einem markanten Punkt des Brunnenmarkts befindet, einer durchgreifenden Sanierung und Neugestaltung zuzuführen. Künftig wird der Wollner-Hof nicht nur seinen Bewohnerinnen und Bewohnern viel Wohnkomfort bieten, sondern auch das Grätzel aufwerten. Einen wichtigen Beitrag dafür leisten die Fördermittel der Stadt Wien. Die Gesamtkosten für Revitalisierung und Umbau des Wollner-Hofs betragen rund 4,2 Millionen Euro, rund 3,2 Millionen davon schießt die Stadt Wien zu."

"Ich komme fast täglich beim Wollner-Hof vorbei und beobachte mit großer Freude die Fortschritte bei seiner Revitalisierung und Neugestaltung. Im Wollner-Hof wurde Ottakringer Geschichte geschrieben - dass er nun bald in neuem Glanz erstrahlen wird, bedeutet uns im Bezirk sehr viel. Mit ihm bleibt nicht nur ein Stück der Historie Ottakrings erhalten, sondern es wird auch ein weiterer, wichtiger Baustein für die Zukunft geschaffen - für die Attraktivierung und noch lebenswertere Gestaltung des Brunnenmarkt-Viertels", betonte Bezirksvorsteher Franz Prokop.

Der "neue" Wollner-Hof

Die Sanierung umfasst u.a. die Instandsetzung und Wärmedämmung der Fassaden, die Unterfangung der Fundamente, die Erneuerung der Steig- und Verteilungsleitungen für Gas, Strom und Wasser, den Einbau von Wärmeschutzfenstern und die Verbesserung der Wohnungen. Durch eine neue innere Erschließung des Gebäudes werden die besonders kleinen Bestandswohnungen gekoppelt und sowohl hof- als auch straßenseitig belichtet. Die neu geschaffenen, zum Hof durchgesteckten Wohnungen in den Aufstockungs- und Dachgeschoßflächen erhalten hofseitige Terrassen, die straßenseitigen Eckwohnungen im Dachgeschoß sind mit Terrassen in Form von Eckgaupen ausgestattet.

Im Erdgeschoß wird der derzeit offene Innenhof weitgehend überdacht. Frei bleibt hier ein Atrium mit einem Baum und ein offener, teilweise mit Glas überdeckter Durchgang, der im Erdgeschoß die beiden seitlichen Stiegenhäuser miteinander verbindet und die Allgemeinräume erschließt. Die neu geschaffenen Erdgeschoßräumlichkeiten beinhalten neben dem Müllraum auch einen Kinderwagen- und Fahrradabstellraum sowie neue Lager- und Geschäftsflächen für die straßenseitigen Lokale.
Der Wollner-Hof verfügt nach der Sanierung über 30 Wohnungen (vorher:
31) mit einer durchschnittlichen Größe von 84m2. Drei Wohnungen sind zurzeit noch frei. Geplanter Bezugstermin ist der Herbst 2009.

Historie des Wollner-Hofs

Der Wollner-Hof ist stummer Zeuge einer bewegten, oftmals tragischen Geschichte. 1920 von der jüdischen Kaufmannsfamilie Wollner erworben, wurde er in der Zeit des Nationalsozialismus im Zuge der Arisierung enteignet. Seine Eigentümer - Siegfried Wollner und dessen Frau Irma wurden in das Ghetto von Modliborzyce (Polen) deportiert. Irma Wollner wurde von den Nazis ermordet, über das weitere Schicksal ihres Mannes ist nichts bekannt. Nach dem Krieg ging das Gebäude im Rahmen eines Restitutionsverfahrens an den Sohn von Siegfried Wollner - den nach England emigrierten Dr. Gerhard Wollner, der die Liegenschaft Anfang der 70er-Jahre verkaufte. Die "Spekulationsära" des Wollner-Hofs begann in den 80er Jahren. Nach einem Eigentümerwechsel verfiel und verwahrloste das Gebäude, das ursprünglich aus drei Gebäudeteilen bestand, zunehmend. Einsätze des Gesundheitsamtes wegen sanitärem Übelstand waren an der Tagesordnung. Zudem war die Liegenschaft stark überschuldet und Gegenstand diverser Erbschaftsstreitereien, sodass Versuche zu einer Lösung der massiven Probleme mehrmals scheiterten.

Die "at home Immobilien GmbH - Wohnprojekte + Ideen", ein Tochterunternehmen der gemeinnützigen Wohnbaugruppe GEWOG und NEUE HEIMAT, startete im Jahr 2004 neuerlich Verhandlungen zum Erwerb der Liegenschaft. Ende 2005 gelang es ihr nach langwierigen Ankaufsgesprächen das Gebäude für die GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H. zu erwerben, wobei die "at home" weiter die Projektentwicklung übernahm. Unter enger Einbindung der Bezirksvorstehung und der befassten Magistratsdienststellen wurde ein Revitalisierungskonzept für den Wollner-Hof ausgearbeitet. Die meisten Wohnungen standen aufgrund ihres katastrophalen Zustands frei. Die dringend notwendigen massiven Eingriffe in das Gebäude machten eine Absiedlung der letzten BewohnerInnen notwendig, die zu deren voller Zufriedenheit ablief. Sie erhielten entweder Ersatzwohnungen oder eine entsprechende Ablöse.

Nähere Informationen über die Wohnungen im Wollner-Hof:

o Susanne Reppé, GEWOG Gemeinnützige Wohnungsbau Ges.m.b.H. Tel: 401 09-52, E-Mail: susanne.reppe@nh-gewog.at, Internet: www.gewog-wohnen.at o Wohnservice Wien, Tel.: 245 03-100, Internet: www.wohnservice-wien.at

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Christiane Daxböck
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