- 11.01.2009, 18:48:40
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie die Regierung die Zukunft der Forschung verspielt" (Von Norbert Swoboda)
Ausgabe vom 12.01.2009
Graz (OTS) - In eine ruhige, streitfreie Legislaturperiode wollte
uns die Regierung führen. Das ist gelungen - zumindest im Bereich von
Forschung und Wissenschaft ist Ruhe angesagt.
Tödliche Ruhe allerdings. Denn bei den Budgetüberlegungen und
Konjunkturmaßnahmen wurde auf die Forschung vergessen. Statt
aufzustocken wurde abgehalftert.
Zwei Milliarden Euro für die nächsten Jahre sind hier schlicht
entschwunden. Das ist enorm viel Geld, und langfristig gesehen noch
viel mehr. Denn jeder Forschungs-Euro - darüber ist man sich weltweit
einig - kommt später in vielfacher Weise retour.
Die heimischen Uhren gehen genau anders: Die Forschungsfonds wissen
nicht, wie es weitergehen soll - die neuen Ausschreibungen sind
gefährdet. Der Nationalbankfonds hat seine Zahlungen weitgehend
eingestellt - hartnäckig halten sich Gerüchte, man habe sich dort
kräftig verspekuliert.
Auch die Universitäten stöhnen: Statt mehr Geld gibt es mehr
Aufgaben, die ihnen aufgehalst werden - Stichwort Überprüfung bei den
Studiengebühren. Die Hochschulen in den Bundesländern beobachten mit
Argwohn, dass sich Investitionen auf Wien (Neubau der WU Wien) und
Niederösterreich (Elite-Uni, möglicher Vollausbau der Donau-Uni)
konzentrieren. In der Steiermark wandten sich sogar die Rektoren mit
einem Hilfeschrei an ihre Landeschefs.
Die zuständigen Ministerien Wissenschaft und Infrastruktur lassen
wenig Hoffnung aufkeimen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat
zwar seinen Sessel in die neue Periode gerettet. Von ihm ist aber
nicht zu erwarten, dass er auf den Tisch haut. Mit seiner winzigen
Wien-Partei im Hintergrund hat er kaum Gewicht in der VP. Das
Infrastrukturministerium, zuständig für die industrienahe Forschung,
ist seit Jahren ein Durchhaus. Nach jedem Ministerwechsel werden
eifrig Konzepte gewälzt, und das war es dann auch. Dabei müsste jetzt
antizyklisch dieses Ministerium durchstarten, denn die
krisengebeutelte Industrie wird ihre Aufwendungen zurückfahren. Man
wird sehen, was Doris Bures handfest bei den Jännergesprächen mit dem
Forschungsrat anbieten kann und was sie beim Budgetpoker tatsächlich
herausholt.
Tiefe Besorgnis kommt bereits aus der Industrie, auch die Wirtschaft
muss den Rückschritt bei der angewandten Forschung befürchten. Selbst
dem nicht direkt betroffenen Österreicher sollte klar sein: Wer jetzt
an der Forschung und der wissenschaftlichen Ausbildung spart,
verspielt die Zukunft des Landes.****
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