"Kleine Zeitung" Kommentar: "Wie die Regierung die Zukunft der Forschung verspielt" (Von Norbert Swoboda)

Ausgabe vom 12.01.2009

Graz (OTS) - In eine ruhige, streitfreie Legislaturperiode wollte uns die Regierung führen. Das ist gelungen - zumindest im Bereich von Forschung und Wissenschaft ist Ruhe angesagt.

Tödliche Ruhe allerdings. Denn bei den Budgetüberlegungen und Konjunkturmaßnahmen wurde auf die Forschung vergessen. Statt aufzustocken wurde abgehalftert.

Zwei Milliarden Euro für die nächsten Jahre sind hier schlicht entschwunden. Das ist enorm viel Geld, und langfristig gesehen noch viel mehr. Denn jeder Forschungs-Euro - darüber ist man sich weltweit einig - kommt später in vielfacher Weise retour.

Die heimischen Uhren gehen genau anders: Die Forschungsfonds wissen nicht, wie es weitergehen soll - die neuen Ausschreibungen sind gefährdet. Der Nationalbankfonds hat seine Zahlungen weitgehend eingestellt - hartnäckig halten sich Gerüchte, man habe sich dort kräftig verspekuliert.

Auch die Universitäten stöhnen: Statt mehr Geld gibt es mehr Aufgaben, die ihnen aufgehalst werden - Stichwort Überprüfung bei den Studiengebühren. Die Hochschulen in den Bundesländern beobachten mit Argwohn, dass sich Investitionen auf Wien (Neubau der WU Wien) und Niederösterreich (Elite-Uni, möglicher Vollausbau der Donau-Uni) konzentrieren. In der Steiermark wandten sich sogar die Rektoren mit einem Hilfeschrei an ihre Landeschefs.

Die zuständigen Ministerien Wissenschaft und Infrastruktur lassen wenig Hoffnung aufkeimen. Wissenschaftsminister Johannes Hahn hat zwar seinen Sessel in die neue Periode gerettet. Von ihm ist aber nicht zu erwarten, dass er auf den Tisch haut. Mit seiner winzigen Wien-Partei im Hintergrund hat er kaum Gewicht in der VP. Das Infrastrukturministerium, zuständig für die industrienahe Forschung, ist seit Jahren ein Durchhaus. Nach jedem Ministerwechsel werden eifrig Konzepte gewälzt, und das war es dann auch. Dabei müsste jetzt antizyklisch dieses Ministerium durchstarten, denn die krisengebeutelte Industrie wird ihre Aufwendungen zurückfahren. Man wird sehen, was Doris Bures handfest bei den Jännergesprächen mit dem Forschungsrat anbieten kann und was sie beim Budgetpoker tatsächlich herausholt.

Tiefe Besorgnis kommt bereits aus der Industrie, auch die Wirtschaft muss den Rückschritt bei der angewandten Forschung befürchten. Selbst dem nicht direkt betroffenen Österreicher sollte klar sein: Wer jetzt an der Forschung und der wissenschaftlichen Ausbildung spart, verspielt die Zukunft des Landes.****

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