"KURIER"-Kommentar von Andreas Schwarz: Fragen zum Nazi-Dreck

Die Affäre um Martin Graf wird wieder einmal auf gut Österreichisch erledigt.

Wien (OTS) - Die Lösung ist eine typisch österreichische: Der dritte Nationalratspräsident Martin Graf, Mitglied der deutsch-nationalen Burschenschaft Olympia, hat Mitarbeiter, die
beim "Aufruhr"-Versand eingekauft haben, der Neonazi-Materialien vertreibt; er schweigt dazu zehn Tage lang, während seine FPÖ den Aufdecker dieses Faktums, die Grünen, anschüttet; in einem Gespräch mit den Parlamentschefs der beiden Regierungsparteien, die ihn mit gewählt haben, nennt Graf die Materialien des Versandes dann "Nazi-Dreck", steht aber zu seinen Mitarbeitern, die nur Harmloses bestellt hätten und damals ja jung gewesen seien; und jetzt ist irgendwie alles in Ordnung, weil mehr als "appellieren" ((C)Barbara Prammer) kann man eh nicht.

Dazu könnte man ein paar Fragen stellen: Wieso braucht Graf so lange für eine Antwort? Wieso entschuldigen sich die Mitarbeiter nicht für ihr Tun? Wieso findet er kein Wort der Kritik für seine Mitarbeiter - oder für sich? Warum trennt er sich nicht von ihnen -oder das Amt von sich? Warum distanzieren sich SPÖ und ÖVP nicht einmütig vom nicht abwählbaren Graf?

Man könnte auch - ganz unösterreichisch - fragen: Wieso haben sie Graf überhaupt gewählt und dem Land wieder Fragen zum Umgang mit Nazi-Dreck beschert?

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