• 09.01.2009, 08:09:20
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"Kirche muss Nahversorgerin für die Seele bleiben"

Österreichische Pastoraltagung im Salzburger Bildungszentrum St. Virgil eröffnet - Im Mittelpunkt der Tagung steht die Situation der "Ämter und Dienste" in der Kirche angesichts des Priestermangels

Salzburg, 8.1.09 (KAP) Die Kirche muss "Nahversorgerin für die Seele
bleiben": Dies betonte der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz -
der in der Österreichischen Bischofskonferenz für Fragen der Pastoral
zuständig ist - bei der Österreichischen Pastoraltagung im Salzburger
Bildungszentrum St. Virgil in einem "Kathpress"-Gespräch. Im Blick
auf pastorale Engpässe in manchen Diözesen mahnte Schwarz zur
"Zurückhaltung" bei der Aufgabe gewachsener Pfarrstrukturen.
Skeptisch zeigte sich der Bischof im Hinblick auf Strukturreformen,
die Seelsorgeräume und Pfarrverbände "über die Köpfe der Menschen
hinweg" schaffen wollen. Verordnete Reformen könnten allzu leicht das
Engagement und die eigenständig von Pfarrgemeinden entwickelten
Formen der Zusammenarbeit zerstören und damit Frustrationen
hervorrufen.

Bischof Schwarz betonte, dass der Blick auf die Lehre des Zweiten
Vatikanischen Konzils am Beginn der Pastoraltagung neue Perspektiven
gebracht habe. Dazu zähle auch die Einsicht, dass der Amtsbegriff
"nicht zu eng" gedacht werden dürfe.

Auf den Spuren des Konzils

Der Tübinger Pastoraltheologe Prof. Ottmar Fuchs meinte im
"Kathpress"-Gespräch, die "pastorale Krise" lasse sich zwar nicht
allein auf die Frage Neupriesterzahlen reduzieren. Doch zeige der
zögerliche Umgang der Kirche mit dieser Frage eine "mangelnde
Solidarisierung des kirchlichen Leitungsamtes mit den tatsächlichen
Gemeindeproblemen".

Berufungen gäbe es unter Frauen wie Männern "genügend", meinte Fuchs
weiter; die Kirche schaffe es jedoch nicht, diese Berufungen "offen
anzunehmen". Es sei falsch, diese Frage immer auf Rom abzuschieben.
Offenbar sei hier der Leidensdruck noch nicht groß genug, so der
Pastoraltheologe. Als einen möglichen ersten Schritt, auf den
Priestermangel zu reagieren, nannte Fuchs die Weihe von "viri
probati" (bewährten verheirateten Männern). Es gebe "absolut keine
theologischen Hindernisse", hier erste Schritte zu wagen. Es sei ihm
daher "ein Rätsel, warum es keine deutlicheren Bemühungen gibt, diese
Möglichkeit in Rom vorzutragen und offen zu diskutieren".

Fuchs hatte den ersten Hauptvortrag der Pastoraltagung über
"Pastoraltheologische Grundlagen der Ämter und Dienste im Volk
Gottes" gehalten. Dabei hatte Fuchs einen betont weiten Begriff von
"Pastoral" entfaltet, der pastorale Arbeit nicht auf Tätigkeiten im
unmittelbar kirchlichen Umfeld beschränkt, sondern "alle Orte, an
denen Menschen leben" als "Orte der Kirche und damit als Orte der
Pastoral" bezeichnet. Das Zweite Vatikanische Konzil habe diese weite
Dimension des Pastoralbegriffs etwa in der Konstitution über die
Kirche in der Welt von heute "Gaudium et spes" dargelegt.

Rolle der Laien stärken

Die kirchenrechtlichen Möglichkeiten einer angesichts des
Priestermangels notwendigen weiteren Einbindung der Laien in
kirchliche Leitungsaufgaben lotete der Innsbrucker Kirchenrechtler
Prof. Wilhelm Rees aus. Eine Kirche, der es um das Heil des Menschen
gehe, könne "ihre Augen nicht vor dem Priestermangel verschließen"
und müsse daher "die Teilhabe der Laien an der Verkündigung, an den
Heiligungsdiensten sowie an der Leitung der Kirche verstärken".

Die kirchenrechtliche Basis hierzu bilde das heute geltende
kirchliche Gesetzbuch, der "Corpus Iuris Canonici" (CIC) von 1983,
der wiederum in seiner Bestimmung des Amtsbegriffs wesentlich auf der
Theologie des Zweiten Vatikanischen Konzils basiere. Das Konzil habe
durch seine Entfaltung des "dreifachen Amtsbegriffs" (priesterlich,
königlich, prophetisch) die frühere Gegenüberstellung von Klerikern
und Laien aufgesprengt.

Dennoch sei die Theologie des Konzils im CIC nicht vollständig
rezipiert worden, so Rees, da es gerade bei der Gemeindeleitung
weiterhin Vorbehalte gegenüber der Rolle der Laien gebe (so etwa in
Kanon 129, wo es heißt, dass nur diejenigen zur Übernahme von
Leitungsämtern in der Kirche befähigt seien, "die die Heilige Weihe
empfangen haben"). Auf der anderen Seite gebe es mit Kanon 517 eine
Bestimmung, die den Bischöfen die rechtliche Möglichkeit eröffne, in
pastoralen Notsituationen Leitungsfunktionen auch an Laien zu
delegieren. Dieser Kanon werde jedoch heute zunehmend kritisch
gesehen, so Rees, da offensichtlich befürchtet werde, dass er "die
Einheit von Weihe und Leitungsvollmacht unterlaufe" und Laien
zunehmend zu "Hirten der Gemeinden" werden.

Kritik übte Rees darüber hinaus an der von einigen Diözesen derzeit
betriebenen Bildung von Seelsorgeräumen und Pfarrverbänden. Diese
basierten zumeist auf einem "alten Amtsverständnis, in dem der
Priester im Mittelpunkt des Pfarrlebens" steht. Zugleich verschärfe
dies den Mangel an Priesteramtskandidaten weiter, so Rees, da sich
zunehmend ein Bild eines Priesters als "Manager und
Blaulicht-Priester in pastoralen Notsituationen ohne Zeit für den
Kontakt mit den Menschen" herausbilde. Dieses Bild könne junge
Menschen abschrecken, die sich für den Priesterberuf interessieren.
(forts)
K200900218
nnnn

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