Greenpeace zu Autogipfel: Keine bedingungslose Hilfe für Autoindustrie!

Unterstützung nur für Entwicklung und Ankauf effizienter Fahrzeuge

Wien (OTS) - Die Umweltorganisation Greenpeace fordert anlässlich des heute im Bundeskanzleramt in Wien stattfindenden Autogipfels, dass eine etwaige Unterstützung für die Autoindustrie an die Bedingungen Energie-Effizienz und klimaschonende Mobilität geknüpft wird. "Wir unterstützen Maßnahmen für den Erhalt von Arbeitsplätzen. Aber Autohersteller, die es bisher versäumt haben sparsame Autos zu entwickeln, dürfen dafür nicht auch noch mit unserem Steuergeld belohnt werden", so Energieexperte Jurrien Westerhof von Greenpeace. Die Umweltschützer unterstreichen ihre Forderungen im Rahmen einer Protestaktion am Ballhausplatz heute Nachmittag. Dort werden als Vertreter der Autoindustrie verkleidete Greenpeace-Aktivisten symbolisch Geld verbrennen.

Besonders kritisch sieht Greenpeace den Vorschlag der Autoindustrie, Autobesitzer durch eine Verschrottungsprämie von 1.000 Euro dazu zu bringen, ihr altes Auto gegen ein neues einzutauschen. Die Industrie argumentiert zwar, dass alte, Sprit fressende Fahrzeuge so schneller verschwinden und durch sparsamere ersetzt werden. Als Klimamaßnahme ist die Förderung der Verschrottung aber sehr teuer und die Wirksamkeit ist gering. "Die Autohersteller wollen gerne mehr neue Autos verkaufen und versuchen jetzt, mit dem Klimaargument eine staatliche Förderung hierfür zu bekommen", so Westerhof, "Mit Klimaschutz hat das aber wenig zu tun, denn es gibt kaum teurere Maßnahmen zur Reduktion von CO2-Emissionen als diese Verschrottungsprämie."

Sollte eine Steuerbefreiung für Neuwagen kommen, so wie in Deutschland, dann sollten laut Greenpeace nur jene Fahrzeuge von der Steuer befreit werden, die weniger als 100 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. "In Deutschland sparen sich die Käufer eines Kleinwagens 135 Euro Steuergeld. Kauft man aber ein Luxus-Geländewagen, dann spart man sich 1.850 Euro. Das ist weder sozial gerecht noch aus Umweltsicht akzeptabel. Außerdem belohnt es eine verfehlte Modellpolitik, denn es fördert Spritfresser. Dieser Fehler darf in Österreich nicht kopiert werden", so Westerhof.

Greenpeace unterstützt Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Der Schwerpunkt hierbei sollte auf Forschung und Entwicklung gelegt werden. "Es geht hier um viele und hochqualifizierte Jobs. Diese sollen erhalten werden, denn hier gibt es ein gewaltiges Potential für Innovationen in der Fahrzeugbranche", weiß Westerhof, "Wir müssen uns aber schon die Frage stellen, welche Arbeitsplätze eine Zukunft haben, und welche nicht. Denn PKW von zweieinhalb Tonnen oder mehr, die nur in der Stadt unterwegs sind, braucht in Wirklichkeit keiner. Aber wer sagt, dass ein Fahrzeug vier Räder und einen Verbrennungsmotor haben muss, und über Tausend Kilogramm Gewicht? Elektromobilität oder Zweiräder zum Beispiel bieten viel Potenzial, um den Energieverbrauch im Verkehr zu verringern."

Daher verlangt Greenpeace, dass sich ein Hilfspaket für die Fahrzeugindustrie an ökologischen Kriterien orientiert. Das bedeutet, dass Hersteller, die sparsame Fahrzeuge entwickeln und bauen, sowie Menschen die sparsamen Fahrzeuge kaufen wollen, unterstützt werden. Dafür müssen die Produktion und der Ankauf von schweren und ineffizienten Autos weniger attraktiv werden. "Unterstützung ja. Aber keine bedingungslose Hilfe", schließt Westerhof.

Hintergrundinformationen zum Download:
http://www.greenpeace.at/news_verkehr_090107.html

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Tel: +43 (0)664 612 67 03
steffen.nichtenberger@greenpeace.at

Jurrien Westerhof, Energieexperte
Tel: +43 (0)664 612 67 01

Bilder vom Greenpeace-Protest am Ballhausplatz sind auf Anfrage ab ca. 15.00 Uhr erhältlich

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