"KURIER"-Kommentar von Christoph Kotanko: Guter Durchschnitt

Der Einkommensbericht widerlegt viele Vorurteile der Neidgenossenschaft.

Wien (OTS) - Bei Meinungsumfragen gibt es immer dasselbe Bild:
Die große Mehrheit nennt die Einkommensverteilung "ungerecht" oder "unfair"; fast alle halten die Bezüge der Spitzenmanager für "überhöht". Hier zeigt sich die Wirkung der Populisten in Politik und Medien. "Das Feigenblatt des Neides ist die sittliche Entrüstung", heißt es bei Karl Kraus. Welche Bezahlung wäre denn "gerecht" und "fair"? Und was wäre angemessen für eine Spitzenkraft? Darüber kann man in der Neidgenossenschaft lange streiten. Hilfreich ist der Blick in den Einkommensbericht. Da werden viele Vorurteile widerlegt, etwa jenes von der drohenden Verelendung großer Bevölkerungsteile. 22.800 Euro brutto pro Jahr, das ist der gute Durchschnitt. Wer hier jammert, jammert auf relativ hohem Niveau. Beamte bekommen mehr, weil sie im Schnitt besser ausgebildet und älter als andere Erwerbstätige sind. Die berufliche Qualifikation ist überall der Schlüssel zur besseren Bezahlung. Der Bericht zeigt auch, woran es fehlt. Die Gewerkschaften, ein Männerbund, müssen sich fragen, warum Frauen immer noch deutlich weniger als Männer verdienen - wer vertritt hier wessen Interessen?

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