• 28.12.2008, 19:08:01
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Eine neue Realität erfordert Frieden mit den Gemäßigten" (von Gil Yaron)

Ausgabe vom 29.12.2008

Graz (OTS) - Seit acht Jahren feuern palästinensische Terroristen
auf israelische Wohnorte. Die aus einfachen Metallrohren und Dünger
gefertigten Agenten des Todes sind die Luftwaffe des armen Mannes.
Der größten Militärmacht des Nahen Ostens gelingt es nicht, eine
Antwort zu finden. Abwehrsysteme oder Schutzbauten würden Milliarden
kosten, die Raketen der Hamas nur wenige Dollar pro Stück. Die Hamas
könnte den Staat in den finanziellen Ruin schießen.

Die Antwort auf den Beschuss aus Gaza muss auf politischer Ebene
gefunden werden. Israels erster Ansatz war die einseitige Räumung
aller Siedlungen in Gaza vor zweieinhalb Jahren. Er gab Hoffnung,
dass pragmatische Palästinenser Gaza zu einem Singapur des Nahen
Ostens machen könnten. Doch die Räumung wurde zum Triumphzug der
Islamisten. Daran trägt Jerusalem Mitschuld, denn man traf den
Entschluss allein.

Ähnlich wie die Hisbollah den einseitigen Rückzug Israels aus dem
Libanon im Jahr 2000 als Schwäche ausgelegt hatte, stellte die Hamas
die Räumung Gazas als Flucht dar. Die Parallelen setzen sich fort:
Genau so, wie Überheblichkeit die Hisbollah 2006 dazu verleitete,
Israel anzugreifen und den zweiten Libanonkrieg zu provozieren, wurde
die Hamas Opfer ihrer eigenen Propaganda. Sie beschoss Israel
unaufhörlich und glaubte, dass der jüdische Staat bei den Islamisten
zu Kreuze kriechen würde.

Der israelische Premier konnte nicht verhandeln, denn die Hamas
verfolgt die Vernichtung Israels. Olmerts Aufgabe bleibt aber, für
die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Kein Staat kann hinnehmen, dass
seine Städte täglich von einer Terrorbande beschossen werden.

So blieb Olmert nur die Flucht nach vorn. Zu oft wurden in der
Vergangenheit Hiebe ausgetauscht ohne eine Entscheidung
herbeizuführen. Aus jedem Unentschieden ging die Hamas moralisch
gestärkt hervor. Deshalb fiel der Vergeltungsschlag jetzt so hart
aus.

Das Entsetzen war in Gaza am Wochenende deutlich spürbar. Vielleicht
werden sich manche fragen, ob der Weg der Hamas richtig ist.
Kurzfristig könnte die Aktion in Gaza Israel also ein wenig Ruhe
bescheren, da Kader der Hamas getötet wurden oder abtauchen. Doch
langfristig bleibt der Wunsch, Israel zu vernichten, bestehen. Die
Hamas verspricht weiterhin, ihren Kampf bis zum letzten Tropfen Blut
fortzuführen.

Wer demgegenüber eine langfristige neue Realität schaffen will, muss
nicht nur Krieg mit den Extremisten, sondern auch Frieden mit den
Gemäßigten machen.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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