- 16.12.2008, 11:20:00
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Neue Normalität im Firmenkundengeschäft
Wien (OTS) - BCG-Studie zum Corporate Banking: Finanzkrise lässt
Ertragsquellen einbrechen - Banken sollten sich auf eine breitere
Produktbasis, effizientere Vertriebsmodelle und ein risikobasiertes
Pricing konzentrieren.
Die Finanzkrise hat zu einer Umwälzung im Corporate Banking
geführt: Steigende Refinanzierungskosten, ein abgeschwächtes
Wirtschaftswachstum, höhere Kreditausfälle und Abschreibungen sowie
Eigenkapitalzwänge setzen den Banken im Firmenkundengeschäft zu.
Nicht nur das Kreditneugeschäft geht zurück, auch zuvor ertragreiche
Produkte wie strukturierte Finanzprodukte oder fremdfinanzierte
Firmenübernahmen sind im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 70 Prozent
eingebrochen. Auch wenn einige Auswirkungen der Krise temporär sind,
müssen sich Banken langfristig an einen neuen Status quo gewöhnen. Zu
diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Studie der Boston Consulting
Group Thriving in the New Normal: Corporate Banking 2008/2009.
Die BCG-Studie untersucht das Firmenkundengeschäft von mehr als
100 Finanzinstituten in den Jahren 2005 bis 2007. "Die Krise hat alle
im Firmenkundengeschäft tätigen Banken fest im Griff", sagt Carsten
Baumgärtner, Corporate-Banking-Experte und Partner bei BCG in
München. "Am stärksten betroffen sind diejenigen Banken, die in der
Niedrigzinsphase auf leicht realisierbares Wachstum im Kreditgeschäft
gesetzt haben. Jetzt fehlt ihnen eine breitere Ertragsbasis
schmerzlich."
"Neuer Normalzustand" fordert Umdenken der Branche
Banken sehen sich derzeit mit vielfältigen Herausforderungen
konfrontiert: Zwar wird die Nachfrage nach Krediten bestehen bleiben,
aufgrund der gestiegenen Refinanzierungskosten und der höheren
Risikostandards wird das Kreditneugeschäft - eine wichtige
Ertragsquelle im Firmenkundengeschäft - jedoch abnehmen. Infolge
geringerer Geschäftsvolumina der Firmenkunden wird auch die Nachfrage
nach den für Banken lukrativen Dienstleistungen wie Zahlungsverkehr
und Handelsfinanzierungen zurückgehen. Gleichzeitig verschärft sich
der Wettbewerb im Firmenkundengeschäft, da sich einige Banken von
zuvor ertragreichen, neuartigen Finanzprodukten abwenden und sich
wieder verstärkt auf klassische Kernprodukte fokussieren.
"Manche Auswirkungen der Krise, wie zum Beispiel eine hohe
Kreditausfallquote, sind von begrenzter Dauer - dennoch ist nicht zu
erwarten, dass mit dem nächsten Aufschwung auch die günstigen
Bedingungen der vergangenen Jahre zurück¬kehren werden", erklärt Dr.
Christian Krammer, Finanzexperte und Partner von BCG in Wien. "Um
zukünftig erfolgreich zu sein, müssen Banken ihr Geschäft an diesen
'neuen Normalzustand' anpassen. Dieser wird durch höhere,
risikobasierte Refinanzierungskosten, einen stärkeren Wettbewerb und
Eigenkapitalzwänge geprägt."
Wertschaffung auch in positivem Umfeld schwierig
Die Jahre vor der Krise boten für das Firmenkundengeschäft ein
vorteilhaftes Umfeld, das von wirtschaftlichem Wachstum und geringen
Kreditausfällen gekennzeichnet war. Banken verzeichneten eine stetige
Erhöhung ihrer Einnahmen, wenn auch auf vergleichsweise moderatem
Niveau: Von 2005 bis 2007 stiegen die Erlöse aus Kredit- und
Transaktionsbanking-Produkten um rund 6 Prozent, während sie im
Investmentbanking und Risikomanagement um mehr als 15 Prozent
zulegten. Doch selbst unter diesen zuträglichen Bedingungen konnte
nur rund die Hälfte der untersuchten Banken eine positive, wachsende
Wertschöpfung im Firmenkundengeschäft erzielen.
Besonders gut schnitten Banken im Kleinkundensegment ab: So
steigerten Banken mit einer Zielkundengruppe bis zu einem Umsatz von
2 Millionen Dollar ihre Gewinne in den Jahren 2005 bis 2007 um mehr
als 30 Prozent. Anbieter im Großkundensegment hingegen, mit Kunden
von einer Umsatzgröße über 250 Millionen Dollar, konnten ihre Gewinne
nur um rund 3 Prozent verbessern - 60 Prozent dieser Banken mussten
sogar einen Rückgang ihrer Erträge hinnehmen.
Nachhaltiger Erfolg durch fokussierte Strategie möglich
Als Reaktion auf die aktuellen Turbulenzen haben Banken verschiedene,
vorwiegend kurzfristige Maßnahmen ergriffen. Diese reichen von
Kostensenkungen über erhöhte Risikostandards und eine restriktivere
Kreditvergabe bis hin zur Aufgabe ganzer Geschäftsbereiche, wie der
Anlage- oder Immobilienfinanzierung. Um im "neuen Normalzustand"
erfolgreich zu sein, müssen Banken jedoch grundlegende Änderungen
vornehmen: "Back to basics - so lässt sich das Krisenmanagement im
Firmenkundengeschäft überschreiben. Banken sollten sich langfristig
auf eine breitere Produktbasis, effizientere Vertriebsmodelle und ein
risikobasiertes Pricing konzentrieren. Was auf den ersten Blick
einfach klingt, ist in der momentanen Situation
erfolgsentschei-dend", kommentiert Baumgärtner.
The Boston Consulting Group (BCG) ist eine internationale
Managementberatung und weltweit führend auf dem Gebiet der
Unternehmensstrategie. BCG unterstützt Unternehmen aus allen Branchen
und Regionen dabei, Wachstumschancen zu nutzen und ihr
Geschäftsmodell an neue Gegebenheiten anzupassen. In
partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Kunden entwickelt BCG
individuelle Lösungen. Gemeinsames Ziel ist es, nachhaltige
Wettbewerbsvorteile zu schaffen, die Leistungsfähigkeit des
Unternehmens zu steigern und das Geschäftsergebnis dauerhaft zu
verbessern. BCG wurde 1963 von Bruce D. Henderson gegründet und ist
heute an 66 Standorten in 38 Ländern vertreten. Das Unternehmen
befindet sich im alleinigen Besitz seiner Geschäftsführer. In
Deutschland und Österreich erwirtschaftete BCG im Jahr 2007 mit 767
Beraterinnen und Beratern einen Umsatz von 361,5 Millionen Euro. Für
weitere Informationen: www.bcg.at
Rückfragehinweis:
Katharina Sacken Marketing Manager THE BOSTON CONSULTING GROUP Am Hof 8, 1010 Vienna Tel.: +43 1 53756 8163 Mobile: +43 676 5797311 mailto:[email protected]
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