- 15.12.2008, 10:04:48
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Schwierige Rahmenbedingungen als Belastungsprobe für das österreichische Finanzsystem
Wien (OTS) - "Angesichts der Krise auf den internationalen
Finanzmärkten und der wirtschaftlichen Eintrübung in Österreich sowie
in Zentral- und Osteuropa steht das österreichische Finanzsystem vor
großen Herausforderungen", stellte Direktor Ittner anlässlich der
Präsentation der 16. Ausgabe des Finanzmarktstabilitätsberichts der
OeNB fest. Der zu erwartende deutliche Anstieg der historisch
niedrigen Kreditwertberichtigungen sowie die gestiegenen
Eigenmittelanforderungen der Märkte machen eine Stärkung der
Eigenkapitalposition der österreichischen Großbanken notwendig. "Dank
des umfassenden Maßnahmenpakets der österreichischen Regierung und
eines Geschäftsmodells, das auf einer breiten Einlagenbasis aufbaut,
werden die österreichischen Banken in der Lage sein, die Konjunktur
mittels fortgesetzter Kreditvergabe an die Wirtschaft zu stützen" hob
Direktor Ittner weiter hervor.
Finanzmarktturbulenzen führen zur Wachstumsabschwächung
Die anhaltende Krise auf den internationalen Finanzmärkten hat sowohl
in den industrialisierten Ländern als auch in den Emerging Markets im
bisherigen Jahresverlauf zu einer sukzessiven Verschlechterung der
Wachstumsaussichten geführt. Auch der Wachstumsausblick der
Volkswirtschaften in Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) hat sich
merklich eingetrübt, wenngleich die Prognosen nach wie vor meist
deutlich über jenen des Euroraums liegen. In einigen Ländern dieser
Region haben die hohen externen Ungleichgewichte sowie die große
Bedeutung von Fremdwährungskrediten zu erhöhten Zins- und
Wechselkursrisiken geführt, die in einigen Fällen bereits zum Teil
schlagend wurden.
Als Reaktion auf die Verschärfung der Finanzmarktturbulenzen haben
viele Staaten, darunter auch Österreich, Maßnahmen zur Stärkung der
Liquidität sowie der Eigenkapitalbasis des Bankensektors beschlossen.
Mit diesem Schritt, so Dir. Ittner, wird das Vertrauen unter den
Finanzmarktteilnehmern erhöht und die Verfügbarkeit von Krediten
gewährleistet, um die realwirtschaftliche Nachfrage zu stärken. Diese
Maßnahmen trugen zu einer gewissen Entschärfung der Vertrauenskrise
auf den Aktien-, Anleihen- und Interbankenmärkten bei.
Die Finanzierungsbedingungen für die österreichische Wirtschaft
verschlechtern sich
Auch die Wachstumsaussichten für die österreichische Wirtschaft haben
sich weiter eingetrübt. Während die Gewinnsituation der Unternehmen
bis zum ersten Halbjahr 2008 nach wie vor gut war, haben sich im
Verlauf des Jahres 2008 die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen
verschlechtert. Gleichzeitig kam es bei der Außenfinanzierung der
Unternehmen bereits zu ersten negativen Auswirkungen der Turbulenzen
auf den Finanzmärkten. So gelangte die Finanzierung über
börsenotierte Aktien weitgehend zum Erliegen und die Zuwächse bei der
Anleihenfinanzierung schwächten sich, ausgehend von einem hohen
Niveau, ab. Das Kreditwachstum blieb bis zum 3. Quartal 2008
weiterhin lebhaft, die Oktober-Werte zeigen jedoch eine erste
Abschwächungstendenz.
Auch bei den privaten Haushalten hinterließen die Ereignisse auf den
internationalen Finanzmärkten Spuren. Sie waren insbesondere von
Bewertungsverlusten bei Kapitalmarktprodukten betroffen. In den
ersten drei Quartalen 2008 kam es zu einer Umschichtung des
Geldvermögens von Kapitalmarktinstrumenten zu Bankeinlagen. Die
anhaltend volatilen Entwicklungen auf den Devisen- und Kapitalmärkten
bestätigen auch die kritische Position, die von FMA und OeNB seit
langem gegenüber Fremdwährungskrediten eingenommen wurde - die
gestiegene Volatilität des Schweizer Franken gegenüber dem Euro und
die Bewertungsverluste von Tilgungsträgerprodukten zeigen das
Risikopotenzial von Fremdwährungskrediten sehr deutlich.
Indirekte Effekte der Finanzmarktturbulenzen erfassen die
österreichischen Banken
Während der österreichische Finanzsektor von den direkten
Auswirkungen der vom US-Subprime-Markt ausgehenden Turbulenzen
vergleichsweise gering betroffen war, kann er sich den nunmehr
weltweiten Folgeerscheinungen nicht entziehen. Nach Jahren wachsender
Gewinne zeigten sich erstmals wieder Rückgänge. In den ersten drei
Quartalen 2008 waren vor allem ein negatives Handelsergebnis sowie
deutliche Rückgänge der Provisionserträge dafür verantwortlich.
Insgesamt erwarten die Banken für 2008 jedoch nach wie vor
vergleichsweise hohe Gewinne.
Unter anderem dank des weiterhin sehr starken CESEE-Geschäfts der
österreichischen Banken konnte eine deutlichere Verschlechterung der
Ertragslage bislang vermieden werden. Allerdings stellt die weiter
gestiegene Bedeutung des CESEE-Geschäfts angesichts erheblicher
externer Ungleichgewichte in einigen Ländern auch ein nicht zu
unterschätzendes Risiko für die zukünftige Ertragskraft der dort
tätigen Banken dar.
Aufgrund der deutlichen Verschlechterung der Rahmenbedingungen in den
vergangenen Monaten ist mit weiteren Belastungen aus dem Handels- und
dem Provisionsgeschäft sowie mit einer Zunahme der Kreditvorsorgen zu
rechnen. Da sich letztere sowohl im Inland als auch in CESEE auf
historischen Tiefstwerten befinden, muss von einem merklichen und
länger andauernden Anstieg ausgegangen werden. "Die Ertragssituation
der Banken gestaltet sich in den kommenden Monaten sicherlich
schwieriger. Daher ist es notwendig rechtzeitig eigenkapitalstärkende
Maßnahmen zu setzen" unterstrich Direktor Ittner.
Der halbjährlich erscheinende Finanzmarktstabilitätsbericht der OeNB
enthält regelmäßige Analysen finanzmarktstabilitätsrelevanter
Entwicklungen in Österreich und im internationalen Umfeld. Daneben
werden im Rahmen von Schwerpunktartikeln auch gesonderte Themen
behandelt, die im Zusammenhang mit der Stabilität der Finanzmärkte
stehen. In der aktuellen Ausgabe sind dies Analysen zur Verschuldung
von Haushalten, Corporate Governance von Kreditinstituten, die
Umsetzung des ICAAP in Banken sowie die Refinanzierung von Banken in
Zentral- Ost und Südosteuropa. Der Finanzmarktstabilitätsbericht ist
auf der Website der OeNB unter www.oenb.at abrufbar.
Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
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