- 09.12.2008, 16:04:32
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BM Schmied: "TIMSS zeigt großen Handlungsbedarf. Bestätigung für Reformkurs"
Wien (OTS) -
"Eine neue Studie, eine neue Bestätigung unseres Reformkurses. Die
Resultate von TIMSS sind das Ergebnis einer Zeit des
bildungspolitischen Abbaus zwischen 1995 und 2007. Richtigerweise
haben wir 2007 eine Trendwende in der Bildungspolitik eingeleitet.
Investieren statt sparen. Denn der Wohlstand Österreichs wird im
Klassenzimmer entschieden. Die neue Bundesregierung steht geschlossen
hinter diesem Weg des bildungspolitischen Aufbaus", so
Bildungsministerin Claudia Schmied.
"Wir müssen jeden Tag konsequent an der Verbesserung unserer Schulen
arbeiten. Wir brauchen die besten Schulen für unsere Kinder. Deshalb
haben wir in den vergangenen zwei Jahren einen bildungspolitischen
Aufholprozess gestartet. Die neue Bundesregierung führt diesen Weg
des Aufbaus konsequent weiter und investiert zusätzlich zur Umsetzung
der bereits gestarteten Projekte - Bildungsstandards, Ausbau der
Sprachförderkurse, Berufsmatura, kleinere Klassen - weitere 50
Millionen Euro jährlich mehr in unsere Schulen. Das bedeutet im
Vollausbau 400 Millionen Euro jährlich mehr für unsere Schülerinnen
und Schüler. Zusätzlich dazu investieren wir 1,7 Milliarden Euro in
bessere Schulgebäude. Durch das Konjunkturpaket der Regierung werden
bereits 2009 und 2010 600 Millionen Euro in bessere Klassenräume,
Arbeitsplätze, Tagesbetreuungsräume und neue Schulen investiert. Wir
investieren in die Aus- und Weiterbildung unserer Lehrer und in ihre
Motivation. Auch das verpflichtende Kindergartenjahr, für das die
Bundesregierung 70 Millionen Euro jährlich bereitstellt, wird einen
wichtigen Beitrag zum Bildungserfolg unserer Kinder leisten. Denn wir
müssen früh beginnen", so Schmied.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:
• Österreich schneidet in Mathematik und in Naturwissenschaften im
internationalen Vergleich durchschnittlich ab. Besonders signifikant
ist allerdings die dramatische Verschlechterung der Ergebnisse im
Zeitraum von 1995 bis Anfang 2007
"Besonderen Handlungsbedarf zeigt die dramatische Abwärtsbewegung
zwischen 1995 und 2007 auf. Während andere Länder in diesem Zeitraum
einen beeindruckenden Aufwärtstrend verzeichnen, hat Österreich den
Weg nach oben in diesen Zwölf Jahren nicht geschafft. Im Gegenteil.
Deshalb haben wir vor 2 Jahren einen Aufwärtstrend gestartet. Das
Ziel ist klar: Im nächsten 12-Jahres-Vergleich wollen wir eine
signifikanten Verbesserung ablesen können. Die Säulen dieser
Entwicklung werden Projekte wie eine neue moderne Lehrerausbildung,
die Bildungsstandards, das verpflichtende Kindergartenjahr, die
verstärkten Deutschförderkurse oder die kleineren Klassen mit
verstärkter Individualisierung und mehr Kleingruppenunterricht sein.
Wir müssen die Lehrer unterstützen, denn die Anforderungen nehmen
zu", so Bildungsministerin Claudia Schmied.
• 36 Prozent der teilnehmenden Kinder sind in Mathematik oder in
Naturwissenschaften besonders leistungsschwach. Das bedeutet mehr als
jedes dritte Kind kann entweder nicht die einfachsten Rechenbeispiele
lösen oder verfügt nicht über das Grundwissen im Bereich
Naturwissenschaften. Jedes fünfte (!) Kind ist in beiden Bereichen
sehr leistungsschwach.
"Diese Zahlen zeigen, wie groß die Herausforderungen in der
Bildungspolitik sind. Vor allem die Tatsache, dass jedes fünfte Kind
weder ordentlich rechnen noch die einfachsten Aufgaben im Bereich
Naturwissenschaften lösen kann, stellt uns vor große Aufgaben. Unsere
Kinder brauchen unsere volle Aufmerksamkeit. Deshalb müssen wir den
individuellen Kleingruppenunterricht noch weiter ausbauen. Die Lehrer
brauchen mehr Zeit, um individuell auf die Begabungen und Schwächen
der einzelnen Schüler bestmöglich einzugehen. Auch müssen wir die
spezielle Schulung der Lehrer im Bereich der Mathematik- und
Naturwissenschaftsvermittlung verbessern und spezielle
Schwerpunktprogramme anbieten. Bereits seit vergangenem Schuljahr
wird das erfolgreiche IMST-Programm (Innovationen im Mathematik-,
Naturwissenschafts- und Informatikunterricht) auch in Volksschulen
angeboten. Dadurch fördern wir die Mathematik- und
Naturwissenschafts-Kompetenzen der Kinder bereits speziell in der
Volksschule. Die Eltern müssen darauf vertrauen können, dass die
Vermittlung der Kernkompetenzen in der Schule gut gelingt", so
Claudia Schmied.
• Kinder mit Migrationshintergrund schneiden deutlich schlechter ab
als Kinder ohne Migrationshintergrund.
"Wir haben ein Integrationsproblem im Bildungssystem. Durch alle
internationalen Bildungsstudien zieht sich ein massiver
Leistungsunterschied zwischen Kindern mit Migrationshintergrund und
Kindern ohne Migrationshintergrund. Besonders ernüchternd sind die
Resultate jener Kinder, die bereits hier geboren sind. Ihre
Ergebnisse sind nur marginal besser als die Ergebnisse jener Kinder,
die im Ausland geboren sind. Dieses Thema ist für mich ein zentraler
Arbeitsschwerpunkt: Wir müssen das verpflichtende Kindergartenjahr
für einen erfolgreichen Schulstart möglichst rasch umsetzen.
Deutschförderkurse werden ausgeweitet, ebenso der muttersprachliche
Unterricht. Auch wollen wir die Schulpartnerschaft stärken", betont
Claudia Schmied.
• Zwischen Österreichs Volksschulen bestehen große
Qualitätsunterschiede.
"Besonders auffällig sind die Qualitätsunterschiede zwischen den
einzelnen Volksschulstandorten in Österreich. Wenn zwischen dem
Österreich-Schnitt und dem Spitzenreiter Hongkong 102 Punkte
Unterschied bestehen, zwischen der besten österreichischen und der
schlechtesten österreichischen Schule allerdings 180 Punkte
Unterschied gemessen werden, dann haben wir ein Qualitätsproblem.
Sprich: Wir schaffen es nicht vom Bodensee bis zum Neusiedlersee
einheitliche Qualität zu gewährleisten. Der Start der
österreichweiten Überprüfung der Bildungsstandards im Schuljahr
2012/13 wird hier einen Quantensprung bringen. Erstmals werden wir
die Qualität der Schulen in Österreich objektiviert vergleichen und
erfahren, was die guten Schulen richtig und die schlechten Schulen
falsch machen. Unser Hauptaugenmerk gilt der Unterrichtsqualität.
TIMSS zeigt, wie wichtig dieser Schritt ist", so Bildungsministerin
Claudia Schmied abschließend.
Bereits gesetzte Maßnahmen für bessere Volksschulen und bessere
Bildung:
1. Investieren statt sparen: Während zwischen 1995 und 2006 im
Bildungsbereich mehr gespart und weniger investiert wurde, wird nun
ein Weg des Aufbaus beschritten. Dieser Aufwärtstrend wird auch in
den kommenden Jahren fortgesetzt. Am Ende der Legislaturperiode im
Jahr 2013 werden im Vollausbau der Maßnahmen 400 Millionen Euro
jährlich mehr für Bildung ausgegeben.
2. Mehr Lehrer:. Allein in den vergangenen 2 Schuljahren wurden
zusätzlich 1.232 Stellen für Volksschullehrer zur Verfügung gestellt.
Insgesamt wurden rund 2300 Lehrer Lehrerstellen zur Verfügung
gestellt. Das ist die größte Beschäftigungsoffensive im
Bildungsbereich seit 30 Jahren.
3. Kleinere Klassen: Bereits heuer sitzen in de facto allen ersten
und zweiten Klassen der Volksschule nicht mehr als 25 Kinder. Das
bedeutet mehr Aufmerksamkeit für jedes Kind. Diese Entwicklung wird
in den kommenden zwei Jahren bis zum Endausbau konsequent
weitergeführt. Alleine im Volksschulbereich werden im Endausbau in
die kleineren Klassen 62,3 Millionen Euro zusätzlich investiert.
4. Ausbau und Verlängerung der Deutschförderkurse an Volksschulen
und Hauptschulen. Nur wer die deutsche Sprache gut beherrscht, kann
auch erfolgreich lernen. Bereits im Jahr 2009 werden in
Deutschförderkurse an Volksschulen 24,2 Millionen Euro investiert.
2008 sind es 8 Millionen Euro. Das ist eine Verdreifachung der Mittel
für Deutschförderkurse an Volksschulen innerhalb eines Jahres.
5. Der Kindergarten wird zum Bildungsgarten: Bereits heuer
investiert die Bundesregierung zusätzliche 5 Millionen Euro in die
Sprachförderung im Kindergarten.
6. Startschuss für die Bildungsstandards: Besonders auffällig bei
internationalen Studien sind die Qualitätsunterschiede zwischen den
einzelnen Schulstandorten in Österreich. Wir schaffen es nicht vom
Bodensee bis zum Neusiedlersee einheitliche Qualität zu
gewährleisten. Der Start der österreichweiten Überprüfung der
Bildungsstandards im Schuljahr 2012/13 wird hier einen Quantensprung
bringen. In die Bildungsstandards werden im Endausbau 6 Millionen
Euro pro Jahr investiert.
7. IMST-Programm an Volksschulen: Seit 2007 gibt es das Programm
IMST (Innovationen im Mathematik-, Naturwissenschafts- und
Informatikunterricht) auch an der Volksschule. Dieses Programm ist
das größte Vermittlungsprogramm für Mathematik- und
Naturwissenschafts-Kompetenz, das es an Österreichs Schulen jemals
gab. Das IMST-Programm ist von 2007 bis 2009 mit insgesamt 5,5
Millionen Euro budgetiert.
Die nächsten zentralen Schritte für bessere Volksschulen und bessere
Bildung:
1. Start für eine neue bessere Lehrerausbildung mit
Aufnahmeverfahren: Zwischen 2012 und 2025 geht die Hälfte aller
Lehrer in Pension. Um die nächste Generation von Lehrern bestmöglich
auf ihre Aufgabe vorzubereiten, brauchen wir eine gemeinsame
Lehrerausbildung auf höchstem Niveau, die auf dem neuesten Stand der
Pädagogik und der Fachdidaktik unsere Lehrer bestmöglich auf den
Schulalltag vorbereitet. Wichtig wird hier ein Aufnahmeverfahren
sein, das überprüft, ob die Kandidaten für den Beruf geeignet sind.
Wir brauchen die besten Lehrer an unseren Schulen. Gemeinsam mit dem
Wissenschaftsministerium wird das Bildungsministerium bis Ende 2009
ein umfassendes Konzept erarbeiten.
2. Verhandlung eines neuen Dienstrechts: Wir brauchen die besten
Lehrer für unsere Kinder. Deshalb müssen wir interessierten jungen
Menschen auch ein attraktives Angebot legen. Ein zeitgemäßes
Dienstrecht soll höhere Einstiegsgehälter für junge Lehrer
ermöglichen und Karriereperspektiven schaffen. So sollen auch mehr
junge Männer für den Job begeistert werden.
3. Start für das verpflichtende Kindergartenjahr: Der Schulstart
muss für alle Kinder gut gelingen. Die Bundesregierung har sich daher
auf die Einführung eines verpflichtenden kostenlosenlosen
Kindergartenjahres geeinigt. Jedes Kind soll in diesem
Kindergartenjahr bestmöglich auf den Schuleintritt vorbereitet und
speziell gefördert werden. Vor allem Kinder mit Sprachdefiziten
werden von der vorschulischen Betreuung profitieren. Die
Bundesregierung stellt für dieses zentrale Projekt 70 Millionen Euro
zur Verfügung.
4. Weitere Intensivierung der Deutschförderkurse: Neben der bereits
beschlossenen Ausweitung der Sprachförderkurse für außerordentliche
Schüler soll auch das Angebot für ordentliche Schüler ausgebaut
werden.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur
Pressebüro der Bundesministerin
Tel.: (++43-1) 53 120-5030, 5031
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