BM Schmied: "TIMSS zeigt großen Handlungsbedarf. Bestätigung für Reformkurs"

Wien (OTS) - "Eine neue Studie, eine neue Bestätigung unseres Reformkurses. Die Resultate von TIMSS sind das Ergebnis einer Zeit des bildungspolitischen Abbaus zwischen 1995 und 2007. Richtigerweise haben wir 2007 eine Trendwende in der Bildungspolitik eingeleitet. Investieren statt sparen. Denn der Wohlstand Österreichs wird im Klassenzimmer entschieden. Die neue Bundesregierung steht geschlossen hinter diesem Weg des bildungspolitischen Aufbaus", so Bildungsministerin Claudia Schmied.

"Wir müssen jeden Tag konsequent an der Verbesserung unserer Schulen arbeiten. Wir brauchen die besten Schulen für unsere Kinder. Deshalb haben wir in den vergangenen zwei Jahren einen bildungspolitischen Aufholprozess gestartet. Die neue Bundesregierung führt diesen Weg des Aufbaus konsequent weiter und investiert zusätzlich zur Umsetzung der bereits gestarteten Projekte - Bildungsstandards, Ausbau der Sprachförderkurse, Berufsmatura, kleinere Klassen - weitere 50 Millionen Euro jährlich mehr in unsere Schulen. Das bedeutet im Vollausbau 400 Millionen Euro jährlich mehr für unsere Schülerinnen und Schüler. Zusätzlich dazu investieren wir 1,7 Milliarden Euro in bessere Schulgebäude. Durch das Konjunkturpaket der Regierung werden bereits 2009 und 2010 600 Millionen Euro in bessere Klassenräume, Arbeitsplätze, Tagesbetreuungsräume und neue Schulen investiert. Wir investieren in die Aus- und Weiterbildung unserer Lehrer und in ihre Motivation. Auch das verpflichtende Kindergartenjahr, für das die Bundesregierung 70 Millionen Euro jährlich bereitstellt, wird einen wichtigen Beitrag zum Bildungserfolg unserer Kinder leisten. Denn wir müssen früh beginnen", so Schmied.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

• Österreich schneidet in Mathematik und in Naturwissenschaften im internationalen Vergleich durchschnittlich ab. Besonders signifikant ist allerdings die dramatische Verschlechterung der Ergebnisse im Zeitraum von 1995 bis Anfang 2007

"Besonderen Handlungsbedarf zeigt die dramatische Abwärtsbewegung zwischen 1995 und 2007 auf. Während andere Länder in diesem Zeitraum einen beeindruckenden Aufwärtstrend verzeichnen, hat Österreich den Weg nach oben in diesen Zwölf Jahren nicht geschafft. Im Gegenteil. Deshalb haben wir vor 2 Jahren einen Aufwärtstrend gestartet. Das Ziel ist klar: Im nächsten 12-Jahres-Vergleich wollen wir eine signifikanten Verbesserung ablesen können. Die Säulen dieser Entwicklung werden Projekte wie eine neue moderne Lehrerausbildung, die Bildungsstandards, das verpflichtende Kindergartenjahr, die verstärkten Deutschförderkurse oder die kleineren Klassen mit verstärkter Individualisierung und mehr Kleingruppenunterricht sein. Wir müssen die Lehrer unterstützen, denn die Anforderungen nehmen zu", so Bildungsministerin Claudia Schmied.

• 36 Prozent der teilnehmenden Kinder sind in Mathematik oder in Naturwissenschaften besonders leistungsschwach. Das bedeutet mehr als jedes dritte Kind kann entweder nicht die einfachsten Rechenbeispiele lösen oder verfügt nicht über das Grundwissen im Bereich Naturwissenschaften. Jedes fünfte (!) Kind ist in beiden Bereichen sehr leistungsschwach.

"Diese Zahlen zeigen, wie groß die Herausforderungen in der Bildungspolitik sind. Vor allem die Tatsache, dass jedes fünfte Kind weder ordentlich rechnen noch die einfachsten Aufgaben im Bereich Naturwissenschaften lösen kann, stellt uns vor große Aufgaben. Unsere Kinder brauchen unsere volle Aufmerksamkeit. Deshalb müssen wir den individuellen Kleingruppenunterricht noch weiter ausbauen. Die Lehrer brauchen mehr Zeit, um individuell auf die Begabungen und Schwächen der einzelnen Schüler bestmöglich einzugehen. Auch müssen wir die spezielle Schulung der Lehrer im Bereich der Mathematik- und Naturwissenschaftsvermittlung verbessern und spezielle Schwerpunktprogramme anbieten. Bereits seit vergangenem Schuljahr wird das erfolgreiche IMST-Programm (Innovationen im Mathematik-, Naturwissenschafts- und Informatikunterricht) auch in Volksschulen angeboten. Dadurch fördern wir die Mathematik- und Naturwissenschafts-Kompetenzen der Kinder bereits speziell in der Volksschule. Die Eltern müssen darauf vertrauen können, dass die Vermittlung der Kernkompetenzen in der Schule gut gelingt", so Claudia Schmied.

• Kinder mit Migrationshintergrund schneiden deutlich schlechter ab als Kinder ohne Migrationshintergrund.

"Wir haben ein Integrationsproblem im Bildungssystem. Durch alle internationalen Bildungsstudien zieht sich ein massiver Leistungsunterschied zwischen Kindern mit Migrationshintergrund und Kindern ohne Migrationshintergrund. Besonders ernüchternd sind die Resultate jener Kinder, die bereits hier geboren sind. Ihre Ergebnisse sind nur marginal besser als die Ergebnisse jener Kinder, die im Ausland geboren sind. Dieses Thema ist für mich ein zentraler Arbeitsschwerpunkt: Wir müssen das verpflichtende Kindergartenjahr für einen erfolgreichen Schulstart möglichst rasch umsetzen. Deutschförderkurse werden ausgeweitet, ebenso der muttersprachliche Unterricht. Auch wollen wir die Schulpartnerschaft stärken", betont Claudia Schmied.

• Zwischen Österreichs Volksschulen bestehen große Qualitätsunterschiede.

"Besonders auffällig sind die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Volksschulstandorten in Österreich. Wenn zwischen dem Österreich-Schnitt und dem Spitzenreiter Hongkong 102 Punkte Unterschied bestehen, zwischen der besten österreichischen und der schlechtesten österreichischen Schule allerdings 180 Punkte Unterschied gemessen werden, dann haben wir ein Qualitätsproblem. Sprich: Wir schaffen es nicht vom Bodensee bis zum Neusiedlersee einheitliche Qualität zu gewährleisten. Der Start der österreichweiten Überprüfung der Bildungsstandards im Schuljahr 2012/13 wird hier einen Quantensprung bringen. Erstmals werden wir die Qualität der Schulen in Österreich objektiviert vergleichen und erfahren, was die guten Schulen richtig und die schlechten Schulen falsch machen. Unser Hauptaugenmerk gilt der Unterrichtsqualität. TIMSS zeigt, wie wichtig dieser Schritt ist", so Bildungsministerin Claudia Schmied abschließend.

Bereits gesetzte Maßnahmen für bessere Volksschulen und bessere Bildung:

1. Investieren statt sparen: Während zwischen 1995 und 2006 im Bildungsbereich mehr gespart und weniger investiert wurde, wird nun ein Weg des Aufbaus beschritten. Dieser Aufwärtstrend wird auch in den kommenden Jahren fortgesetzt. Am Ende der Legislaturperiode im Jahr 2013 werden im Vollausbau der Maßnahmen 400 Millionen Euro jährlich mehr für Bildung ausgegeben.

2. Mehr Lehrer:. Allein in den vergangenen 2 Schuljahren wurden zusätzlich 1.232 Stellen für Volksschullehrer zur Verfügung gestellt. Insgesamt wurden rund 2300 Lehrer Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Das ist die größte Beschäftigungsoffensive im Bildungsbereich seit 30 Jahren.

3. Kleinere Klassen: Bereits heuer sitzen in de facto allen ersten und zweiten Klassen der Volksschule nicht mehr als 25 Kinder. Das bedeutet mehr Aufmerksamkeit für jedes Kind. Diese Entwicklung wird in den kommenden zwei Jahren bis zum Endausbau konsequent weitergeführt. Alleine im Volksschulbereich werden im Endausbau in die kleineren Klassen 62,3 Millionen Euro zusätzlich investiert.

4. Ausbau und Verlängerung der Deutschförderkurse an Volksschulen und Hauptschulen. Nur wer die deutsche Sprache gut beherrscht, kann auch erfolgreich lernen. Bereits im Jahr 2009 werden in Deutschförderkurse an Volksschulen 24,2 Millionen Euro investiert. 2008 sind es 8 Millionen Euro. Das ist eine Verdreifachung der Mittel für Deutschförderkurse an Volksschulen innerhalb eines Jahres.

5. Der Kindergarten wird zum Bildungsgarten: Bereits heuer investiert die Bundesregierung zusätzliche 5 Millionen Euro in die Sprachförderung im Kindergarten.

6. Startschuss für die Bildungsstandards: Besonders auffällig bei internationalen Studien sind die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Schulstandorten in Österreich. Wir schaffen es nicht vom Bodensee bis zum Neusiedlersee einheitliche Qualität zu gewährleisten. Der Start der österreichweiten Überprüfung der Bildungsstandards im Schuljahr 2012/13 wird hier einen Quantensprung bringen. In die Bildungsstandards werden im Endausbau 6 Millionen Euro pro Jahr investiert.

7. IMST-Programm an Volksschulen: Seit 2007 gibt es das Programm IMST (Innovationen im Mathematik-, Naturwissenschafts- und Informatikunterricht) auch an der Volksschule. Dieses Programm ist das größte Vermittlungsprogramm für Mathematik- und Naturwissenschafts-Kompetenz, das es an Österreichs Schulen jemals gab. Das IMST-Programm ist von 2007 bis 2009 mit insgesamt 5,5 Millionen Euro budgetiert.

Die nächsten zentralen Schritte für bessere Volksschulen und bessere Bildung:

1. Start für eine neue bessere Lehrerausbildung mit Aufnahmeverfahren: Zwischen 2012 und 2025 geht die Hälfte aller Lehrer in Pension. Um die nächste Generation von Lehrern bestmöglich auf ihre Aufgabe vorzubereiten, brauchen wir eine gemeinsame Lehrerausbildung auf höchstem Niveau, die auf dem neuesten Stand der Pädagogik und der Fachdidaktik unsere Lehrer bestmöglich auf den Schulalltag vorbereitet. Wichtig wird hier ein Aufnahmeverfahren sein, das überprüft, ob die Kandidaten für den Beruf geeignet sind. Wir brauchen die besten Lehrer an unseren Schulen. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsministerium wird das Bildungsministerium bis Ende 2009 ein umfassendes Konzept erarbeiten.

2. Verhandlung eines neuen Dienstrechts: Wir brauchen die besten Lehrer für unsere Kinder. Deshalb müssen wir interessierten jungen Menschen auch ein attraktives Angebot legen. Ein zeitgemäßes Dienstrecht soll höhere Einstiegsgehälter für junge Lehrer ermöglichen und Karriereperspektiven schaffen. So sollen auch mehr junge Männer für den Job begeistert werden.

3. Start für das verpflichtende Kindergartenjahr: Der Schulstart muss für alle Kinder gut gelingen. Die Bundesregierung har sich daher auf die Einführung eines verpflichtenden kostenlosenlosen Kindergartenjahres geeinigt. Jedes Kind soll in diesem Kindergartenjahr bestmöglich auf den Schuleintritt vorbereitet und speziell gefördert werden. Vor allem Kinder mit Sprachdefiziten werden von der vorschulischen Betreuung profitieren. Die Bundesregierung stellt für dieses zentrale Projekt 70 Millionen Euro zur Verfügung.

4. Weitere Intensivierung der Deutschförderkurse: Neben der bereits beschlossenen Ausweitung der Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler soll auch das Angebot für ordentliche Schüler ausgebaut werden.

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