Das Geschäftsklima in Mittelosteuropa verdüstert sich

Aktueller Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa sieht bei den Investoren deutliche Vorsicht, teilweise sogar einen Stimmungswandel.

Wien (OTS) - Rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus
ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, haben im Oktober 2008 an der mittlerweile siebten Erhebung zum Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Stimmung der Direktinvestoren für Mittelosteuropa verschlechtert hat: Die konjunkturellen Perspektiven werden nun weitaus weniger optimistisch gesehen, die Geschäftserwartungen werden stark nach unten korrigiert und ein Teil der Investitionsvorhaben wird vorerst auf Eis gelegt.

Deutlich pessimistischere Geschäftserwartungen

Während die Investoren derzeit mit dem Geschäftserfolg ihrer Betriebe noch sehr zufrieden sind, haben sie ihre Geschäftserwartungen drastisch zurückgeschraubt: 16% der Erhebungsteilnehmer gehen für die kommenden sechs Monate von einer Performanceverschlechterung aus. Dementsprechend hat sich das Geschäftsklima eingetrübt, und die Unternehmen sind bei ihren Investitionsstrategien vorsichtiger geworden. Der Ausbau bestehender Standorte wird vielfach zurückgestellt, und auch bei der Erschließung neuer Märkte zeigen sich die Investoren abwartend: Waren Ende 2007 noch 179 neue Standorterrichtungen geplant, so sind es in der aktuellen Erhebung nur noch 110 Projekte.

Die Konjunktur bricht ein

Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung (Jänner 2007) übersteigen die Negativmeldungen zur Konjunktur in Mittelosteuropa die optimistischen Stellungnahmen. Die überwiegende Mehrheit der Direktinvestoren rechnet daher damit, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten deutlich abschwächen wird. Insbesondere der Bankensektor zeigt im Branchenvergleich den größten Pessimismus: 40% der Banken gehen von einer konjunkturellen Verschlechterung in Mittelosteuropa aus.

Die Finanzkrise trifft Banken und Immobilienunternehmen besonders hart

Für den Banken- und Immobiliensektor hat sich das Geschäftsklima seit Juli 2008 erheblich verschlechtert. Beide Branchen spüren die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise bereits stark. Der Boom im Immobiliensektor, der insbesondere in den baltischen Ländern, aber zum Teil auch in Rumänien und Bulgarien Überhitzungserscheinungen aufwies, fand mit der internationalen Liquiditäts- und Kreditverknappung ein jähes Ende. Auch in naher Zukunft dürften sich die Rahmenbedingungen für Immobilienunternehmen nicht wesentlich verbessern. Im Gegenteil, die Restriktionen bei der Kreditvergabepraxis der Banken und die höheren Finanzierungskosten dürften in nächster Zeit die Finanzierung neuer Projekte weiter erschweren. Die Banken, die weltweit unter der Liquiditätsverknappung leiden, schränken die Refinanzierungsfunktion für ihre Osttöchter stark ein. Damit kommt es zu einer Verlangsamung des bislang boomenden Kreditgeschäfts. Darüberhinaus steigt für die Banken die Wahrscheinlichkeit einer drastischen qualitativen Verschlechterung ihrer Kreditportfolios sowie vermehrter Kreditausfälle. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass die expansive Kreditvergabepraxis der letzten Jahre in Mittelosteuropa zu einem großen Teil in Form von Fremdwährungskrediten erfolgt ist. Mit dem, durch die Finanzkrise bedingten, massiven Kapitalabfluss aus Mittelosteuropa ist es zu rapiden Wertverlusten der Währungen gekommen. Damit steigt für die Kreditnehmer die Belastung der Schuldenbedienung.

Drastischer Stimmungswandel in Russland

Die Direktinvestoren haben ihre Einschätzungen und Erwartungen insbesondere für Russland stark zurückgenommen. Zwar beurteilen immer noch 61% der Direktinvestoren die aktuelle Geschäftslage ihrer Russland-Betriebe positiv, bei den Geschäftserwartungen geht mittlerweile jedoch ein Fünftel der Umfrageteilnehmer von einer Performanceverschlechterung in den nächsten sechs Monaten aus. Relativ pessimistisch sehen die Direktinvestoren die russische Konjunktur. Herrschte im Juli 2008 im Mittelosteuropa-Vergleich für Russland noch der größte Konjunktur-Optimismus, so ist das Land im Oktober im Länder-Ranking bei diesem Indikator deutlich nach hinten gerutscht. Der Anteil der Negativmeldungen ist sogar höher als jener der positiven Beurteilungen, so dass Russland zum ersten Mal einen negativen Konjunktursaldo aufweist. Ein Grund dafür könnte die hohe Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von der Erdölindustrie sein. Die hohen Erdöleinnahmen der letzten Jahre waren ein wesentlicher Wachstumstreiber für die russische Wirtschaft, nun werden mit den sinkenden Ölpreisen die negativen Effekte dieser hohen Rohstoffabhängigkeit der Wirtschaft allerdings offensichtlich. Dementsprechend vorsichtig sind die Direktinvestoren nun auch bei ihren Investitionsstrategien: Planten im Juli 2008 noch 56% der Direktinvestoren ihre Beteiligungen in Russland weiter auszubauen, so sind es im Oktober nur noch 42%. Auch als Zielland für die Errichtung neuer Standorte hat Russland an Attraktivität verloren. Lag Russland im Länderranking vom Juli 2008 noch auf Rang zwei, so ist es jetzt auf Rang sieben abgerutscht: Konkret sollen nur acht der insgesamt 110 in Mittelosteuropa geplanten Neuinvestitionsprojekte in Russland realisiert werden.

Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa (MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400 Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der Direktinvestoren zur aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region. Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der Gesamtregion ermöglichen.

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