- 09.12.2008, 11:32:07
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Das Geschäftsklima in Mittelosteuropa verdüstert sich
Aktueller Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa sieht bei den Investoren deutliche Vorsicht, teilweise sogar einen Stimmungswandel.
Wien (OTS) - Rund 400 MOE-Headquarters, die von Österreich aus
ihre 1.400 Unternehmensbeteiligungen in der Region steuern, haben im
Oktober 2008 an der mittlerweile siebten Erhebung zum Thomson Reuters
& OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa teilgenommen. Die
Ergebnisse zeigen, dass sich die Stimmung der Direktinvestoren für
Mittelosteuropa verschlechtert hat: Die konjunkturellen Perspektiven
werden nun weitaus weniger optimistisch gesehen, die
Geschäftserwartungen werden stark nach unten korrigiert und ein Teil
der Investitionsvorhaben wird vorerst auf Eis gelegt.
Deutlich pessimistischere Geschäftserwartungen
Während die Investoren derzeit mit dem Geschäftserfolg ihrer
Betriebe noch sehr zufrieden sind, haben sie ihre
Geschäftserwartungen drastisch zurückgeschraubt: 16% der
Erhebungsteilnehmer gehen für die kommenden sechs Monate von einer
Performanceverschlechterung aus. Dementsprechend hat sich das
Geschäftsklima eingetrübt, und die Unternehmen sind bei ihren
Investitionsstrategien vorsichtiger geworden. Der Ausbau bestehender
Standorte wird vielfach zurückgestellt, und auch bei der Erschließung
neuer Märkte zeigen sich die Investoren abwartend: Waren Ende 2007
noch 179 neue Standorterrichtungen geplant, so sind es in der
aktuellen Erhebung nur noch 110 Projekte.
Die Konjunktur bricht ein
Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung (Jänner 2007) übersteigen
die Negativmeldungen zur Konjunktur in Mittelosteuropa die
optimistischen Stellungnahmen. Die überwiegende Mehrheit der
Direktinvestoren rechnet daher damit, dass sich die wirtschaftliche
Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten deutlich abschwächen wird.
Insbesondere der Bankensektor zeigt im Branchenvergleich den größten
Pessimismus: 40% der Banken gehen von einer konjunkturellen
Verschlechterung in Mittelosteuropa aus.
Die Finanzkrise trifft Banken und Immobilienunternehmen besonders
hart
Für den Banken- und Immobiliensektor hat sich das Geschäftsklima
seit Juli 2008 erheblich verschlechtert. Beide Branchen spüren die
Auswirkungen der internationalen Finanzkrise bereits stark. Der Boom
im Immobiliensektor, der insbesondere in den baltischen Ländern, aber
zum Teil auch in Rumänien und Bulgarien Überhitzungserscheinungen
aufwies, fand mit der internationalen Liquiditäts- und
Kreditverknappung ein jähes Ende. Auch in naher Zukunft dürften sich
die Rahmenbedingungen für Immobilienunternehmen nicht wesentlich
verbessern. Im Gegenteil, die Restriktionen bei der
Kreditvergabepraxis der Banken und die höheren Finanzierungskosten
dürften in nächster Zeit die Finanzierung neuer Projekte weiter
erschweren. Die Banken, die weltweit unter der Liquiditätsverknappung
leiden, schränken die Refinanzierungsfunktion für ihre Osttöchter
stark ein. Damit kommt es zu einer Verlangsamung des bislang
boomenden Kreditgeschäfts. Darüberhinaus steigt für die Banken die
Wahrscheinlichkeit einer drastischen qualitativen Verschlechterung
ihrer Kreditportfolios sowie vermehrter Kreditausfälle. Dies ist vor
dem Hintergrund zu sehen, dass die expansive Kreditvergabepraxis der
letzten Jahre in Mittelosteuropa zu einem großen Teil in Form von
Fremdwährungskrediten erfolgt ist. Mit dem, durch die Finanzkrise
bedingten, massiven Kapitalabfluss aus Mittelosteuropa ist es zu
rapiden Wertverlusten der Währungen gekommen. Damit steigt für die
Kreditnehmer die Belastung der Schuldenbedienung.
Drastischer Stimmungswandel in Russland
Die Direktinvestoren haben ihre Einschätzungen und Erwartungen
insbesondere für Russland stark zurückgenommen. Zwar beurteilen immer
noch 61% der Direktinvestoren die aktuelle Geschäftslage ihrer
Russland-Betriebe positiv, bei den Geschäftserwartungen geht
mittlerweile jedoch ein Fünftel der Umfrageteilnehmer von einer
Performanceverschlechterung in den nächsten sechs Monaten aus.
Relativ pessimistisch sehen die Direktinvestoren die russische
Konjunktur. Herrschte im Juli 2008 im Mittelosteuropa-Vergleich für
Russland noch der größte Konjunktur-Optimismus, so ist das Land im
Oktober im Länder-Ranking bei diesem Indikator deutlich nach hinten
gerutscht. Der Anteil der Negativmeldungen ist sogar höher als jener
der positiven Beurteilungen, so dass Russland zum ersten Mal einen
negativen Konjunktursaldo aufweist. Ein Grund dafür könnte die hohe
Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von der Erdölindustrie sein.
Die hohen Erdöleinnahmen der letzten Jahre waren ein wesentlicher
Wachstumstreiber für die russische Wirtschaft, nun werden mit den
sinkenden Ölpreisen die negativen Effekte dieser hohen
Rohstoffabhängigkeit der Wirtschaft allerdings offensichtlich.
Dementsprechend vorsichtig sind die Direktinvestoren nun auch bei
ihren Investitionsstrategien: Planten im Juli 2008 noch 56% der
Direktinvestoren ihre Beteiligungen in Russland weiter auszubauen, so
sind es im Oktober nur noch 42%. Auch als Zielland für die Errichtung
neuer Standorte hat Russland an Attraktivität verloren. Lag Russland
im Länderranking vom Juli 2008 noch auf Rang zwei, so ist es jetzt
auf Rang sieben abgerutscht: Konkret sollen nur acht der insgesamt
110 in Mittelosteuropa geplanten Neuinvestitionsprojekte in Russland
realisiert werden.
Der Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa
(MOE) basiert auf vierteljährlichen Primärerhebungen unter rund 400
Entscheidungsträgern von MOE-Headquarters mit Sitz in Österreich, die
zu rund 1.400 ihrer Unternehmensbeteiligungen in Mittelosteuropa
befragt werden. Erhoben werden die Einschätzungen der
Direktinvestoren zur aktuellen Geschäftslage sowie deren Erwartungen
hinsichtlich der Geschäftsentwicklung in den
Unternehmensbeteiligungen vor Ort (Geschäftsklima), Expansions- und
Investitionsstrategien der Unternehmen in MOE, Beurteilungen der
Standortqualität Österreichs als Brückenkopf für das
Mittelosteuropa-Geschäft und schließlich Einschätzungen zur
allgemeinen Wirtschaftsentwicklung in der Region. Der Thomson Reuters
& OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa bietet differenzierte
Analysen nach Ländern, Branchen und Unternehmensgrößen. Als Ergebnis
stehen der Wirtschaft Frühindikatoren zur Verfügung, die praxisnahe
Aussagen und Prognosen u.a. über den Geschäftserfolg von
Direktinvestoren in einzelnen Ländern Mittelosteuropas bzw. in der
Gesamtregion ermöglichen.
About OeKB
Oesterreichische Kontrollbank Aktiengesellschaft (OeKB) is
Austria's main financial and information service provider for the
export industry and the capital market. Since its foundation in 1946,
OeKB has acted in the interest of the overall economy. OeKB offers a
wide range of specialized services to companies across all sectors,
financial institutions as well as agencies of the Republic of
Austria. OeKB acts centrally, impartially and in accordance with the
OeKB’s sustainability policy. Its shareholders are domestic
commercial banks. www.oekb.at
About Thomson Reuters
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