Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Wien (SWV): Matznetter fordert leistbare Kredite und günstigen Zahlungsverkehr für die Wirtschaft

SWV-Präsident Matznetter diskutierte mit Experten im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Business Lounge" zum Thema "Amerika nach der Wahl-Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Wien (OTS) - Gestern fand im Rahmen der "Business Lounge" - eine Veranstaltungsreihe des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes Wien - eine Diskussion über die Konsequenzen nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten statt. Nach einem Impulsreferat von William Boston (freier Journalist, ehem. Korrespondent des Wall Street Journals) waren sich die teilnehmenden Experten - Christoph Matznetter (Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes), Erik Frey (Chef vom Dienst "Der Standard"), Rudolf Scholten (Österreichische Kontrollbank), Johann Moser (AWS) und Russell Perry (Member of Democrats Abroad Austria) - darüber einig, dass Obama in seinem Amt in erster Linie ganz pragmatische US-amerikanische Interessen wahrnehmen werde. "Obama ist ein Präsident der US-Amerikaner. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass man - was die europäische Wirtschaft angeht - keine zu großen Erwartungen in ihn und seine Politik steckt", so Johann Moser, Geschäftsführer der Austria Wirtschaftsservice (AWS).

William Bosten skizzierte in seinem Eingangsstatement Obamas Werdegang: "Es ist interessant, dass Barack Obama nach seinem Harvard-Abschluss nicht in eine große, renommierte Kanzlei ging, sondern ein "community organizer" (Sozialarbeiter) wurde." Aus seiner Sicht will Obama einen Paradigmenwechsel ins Weiße Haus bringen. Die USA verwandeln sich, so Boston, vom globalen Polizisten zum globalen Sozialarbeiter. Christoph Matznetter: "Obama wird als US-Präsident viele interne US-amerikanische Probleme zu lösen haben und sich daher stark auf sein eigenes Land zu konzentrieren". Als Beispiele nannte der SWV-Präsident das marode Gesundheitssystem, die fehlende Infrastruktur bzw. Umweltprobleme. Matznetter: "Die USA haben ein massives Infrastrukturproblem. Wenn sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa ihre Hausaufgaben hinsichtlich der Infrastruktur schnell in Angriff nehmen würden, dann wäre die aktuelle Krise meiner Ansicht nach in drei bis vier Jahren vorbei". Trotzdem fürchtet der SWV-Präsident, dass Europa latent mit den Ansätzen protektionistischer Maßnahmen der USA zu rechnen haben wird.

Matznetter vergleicht die aktuelle Krise mit jener in den 1930er Jahren. "Jede neue Regelung, die die Welt aus der Krise führen soll, geht nicht ohne die Vereinigten Staaten!". Erik Frey beobachtet, dass Geld im Moment keine Rolle spielt: "Das ist ein Pragmatismus, der sowohl in Europa als auch in den USA hinsichtlich der aktuellen Krise entstanden ist. Wir erleben derzeit eine Entideologisierung der Wirtschaftspolitik. Barack Obama entscheidet sich im Moment bewusst gegen Ideologen und setzt moderate Experten für die US-Wirtschaftspolitik ein". Obama wird aus seiner Sicht graduelle Veränderungen in der Wirtschaftspolitik vornehmen, aber es wird, so Frey, keine großen Würfe geben. Ähnlich sieht es Rudolf Scholten:
"Obama ist kein linker Internationalist, sondern er wird pragmatisch amerikanische Interessen vertreten. Ich fürchte, dass seine Intention ist, die Wirtschaft ein wenig zu regulieren und sich dann schnell wieder zurückzuziehen." Es gibt, so Scholten, einen großen Unterschied zwischen den USA und Europa. "In Europa ist bis dato wenig Geld geflossen, weil mehr mit Haftungen gearbeitet wurde. Die Amerikaner haben bis dato wesentlich mehr gezahlt. Bei ihnen ist 'echtes' Geld geflossen".

"Die Grundfrage, die sich die internationale Wirtschaftspolitik stellen muss, ist Reparatur oder Neuanfang", so Scholten. Wobei er befürchtet, dass sich die internationale Wirtschaftspolitik mit der Reparatur begnügen werde. Scholten: "Es wäre ein epochaler Versäumnis, wenn wir jetzt auf eine komplette Neuerfindung des Weltwirtschaftssystems verzichten würden". Was muss aus Sicht Matznetters getan werden? "Österreich und die Staaten der Europäischen Union haben gemeinsam gehandelt, indem diverse Konjunkturpakete beschlossen wurden. Was die Wirtschaft jetzt dringend braucht, sind Banken, wo das Geld der SparerInnen gut aufgehoben ist, die leistbare Kredite vergeben und die für günstigen Zahlungsverkehr sorgen", schloss Matznetter.

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