• 28.11.2008, 14:59:57
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Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband Wien (SWV): Matznetter fordert leistbare Kredite und günstigen Zahlungsverkehr für die Wirtschaft

SWV-Präsident Matznetter diskutierte mit Experten im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Business Lounge" zum Thema "Amerika nach der Wahl-Konsequenzen für die Weltwirtschaft

Wien (OTS) - Gestern fand im Rahmen der "Business Lounge" - eine
Veranstaltungsreihe des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes
Wien - eine Diskussion über die Konsequenzen nach der Wahl Barack
Obamas zum US-Präsidenten statt. Nach einem Impulsreferat von William
Boston (freier Journalist, ehem. Korrespondent des Wall Street
Journals) waren sich die teilnehmenden Experten - Christoph
Matznetter (Präsident des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes),
Erik Frey (Chef vom Dienst "Der Standard"), Rudolf Scholten
(Österreichische Kontrollbank), Johann Moser (AWS) und Russell Perry
(Member of Democrats Abroad Austria) - darüber einig, dass Obama in
seinem Amt in erster Linie ganz pragmatische US-amerikanische
Interessen wahrnehmen werde. "Obama ist ein Präsident der
US-Amerikaner. Es ist aus meiner Sicht wichtig, dass man - was die
europäische Wirtschaft angeht - keine zu großen Erwartungen in ihn
und seine Politik steckt", so Johann Moser, Geschäftsführer der
Austria Wirtschaftsservice (AWS).

William Bosten skizzierte in seinem Eingangsstatement Obamas
Werdegang: "Es ist interessant, dass Barack Obama nach seinem
Harvard-Abschluss nicht in eine große, renommierte Kanzlei ging,
sondern ein "community organizer" (Sozialarbeiter) wurde." Aus seiner
Sicht will Obama einen Paradigmenwechsel ins Weiße Haus bringen. Die
USA verwandeln sich, so Boston, vom globalen Polizisten zum globalen
Sozialarbeiter. Christoph Matznetter: "Obama wird als US-Präsident
viele interne US-amerikanische Probleme zu lösen haben und sich daher
stark auf sein eigenes Land zu konzentrieren". Als Beispiele nannte
der SWV-Präsident das marode Gesundheitssystem, die fehlende
Infrastruktur bzw. Umweltprobleme. Matznetter: "Die USA haben ein
massives Infrastrukturproblem. Wenn sowohl die Vereinigten Staaten
als auch Europa ihre Hausaufgaben hinsichtlich der Infrastruktur
schnell in Angriff nehmen würden, dann wäre die aktuelle Krise meiner
Ansicht nach in drei bis vier Jahren vorbei". Trotzdem fürchtet der
SWV-Präsident, dass Europa latent mit den Ansätzen
protektionistischer Maßnahmen der USA zu rechnen haben wird.

Matznetter vergleicht die aktuelle Krise mit jener in den 1930er
Jahren. "Jede neue Regelung, die die Welt aus der Krise führen soll,
geht nicht ohne die Vereinigten Staaten!". Erik Frey beobachtet, dass
Geld im Moment keine Rolle spielt: "Das ist ein Pragmatismus, der
sowohl in Europa als auch in den USA hinsichtlich der aktuellen Krise
entstanden ist. Wir erleben derzeit eine Entideologisierung der
Wirtschaftspolitik. Barack Obama entscheidet sich im Moment bewusst
gegen Ideologen und setzt moderate Experten für die
US-Wirtschaftspolitik ein". Obama wird aus seiner Sicht graduelle
Veränderungen in der Wirtschaftspolitik vornehmen, aber es wird, so
Frey, keine großen Würfe geben. Ähnlich sieht es Rudolf Scholten:
"Obama ist kein linker Internationalist, sondern er wird pragmatisch
amerikanische Interessen vertreten. Ich fürchte, dass seine Intention
ist, die Wirtschaft ein wenig zu regulieren und sich dann schnell
wieder zurückzuziehen." Es gibt, so Scholten, einen großen
Unterschied zwischen den USA und Europa. "In Europa ist bis dato
wenig Geld geflossen, weil mehr mit Haftungen gearbeitet wurde. Die
Amerikaner haben bis dato wesentlich mehr gezahlt. Bei ihnen ist
'echtes' Geld geflossen".

"Die Grundfrage, die sich die internationale Wirtschaftspolitik
stellen muss, ist Reparatur oder Neuanfang", so Scholten. Wobei er
befürchtet, dass sich die internationale Wirtschaftspolitik mit der
Reparatur begnügen werde. Scholten: "Es wäre ein epochaler
Versäumnis, wenn wir jetzt auf eine komplette Neuerfindung des
Weltwirtschaftssystems verzichten würden". Was muss aus Sicht
Matznetters getan werden? "Österreich und die Staaten der
Europäischen Union haben gemeinsam gehandelt, indem diverse
Konjunkturpakete beschlossen wurden. Was die Wirtschaft jetzt
dringend braucht, sind Banken, wo das Geld der SparerInnen gut
aufgehoben ist, die leistbare Kredite vergeben und die für günstigen
Zahlungsverkehr sorgen", schloss Matznetter.

Rückfragehinweis:

Mag. Marion Enzi 
   Presse- und Öffentlichkeitsarbeit 
   Sozialdemokratischer Wirtschaftsverband 
   Mariahilfer Straße 32/1, 1070 Wien 
   Tel.: +43(1)5224766-12, Fax: +43(1)5262352 
   Mobil: +43(0)664-8304337 
   [email protected] 
   www.wirtschaftsverband.at  
   ZVR: 922857015 bzw. 421018716

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