Venture Capital in Österreich: Maßnahmen zur Belebung dringend erforderlich

Wien (WIFO) - Der Markt für Venture Capital ist in Österreich im Vergleich zum europäischen Gesamtmarkt klein: Während in Europa der Mittelzufluss in Venture-Capital-Fonds 0,05% des nominellen Bruttoinlandsproduktes ausmacht, beträgt dieser Anteil in Österreich nur 0,005% (2006). Zudem blieb die Mittelaufbringung in den letzten Jahren im europäischen Vergleich zurück (Abbildung 1). Das WIFO befragte im Frühjahr 2008 gemeinsam mit der Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation (AVCO) österreichische Finanzintermediäre zu den Ursachen des Mangels an Wagniskapital und mögliche Maßnahmen zu dessen Ausweitung.

Sowohl theoretische Modelle als auch empirische Untersuchungen bestätigen die entscheidende Rolle von Wagniskapital für die Finanzierung und Umsetzung von Innovations- und Internationalisierungsprojekten. Die positive Wechselwirkung zwischen Venture Capital und innovationsgetriebenem Wachstum und der damit verbundene gesamtwirtschaftliche Strukturwandel untermauern, dass dem Aufbau breiter und tiefer Märkte für Venture Capital vermehrt wirtschaftspolitische Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte.

Wie die Ergebnisse der Umfrage von WIFO und AVCO zeigen, dämpft das hohe Risiko von Kapitalverlusten die Bereitschaft zur Investition in Wagniskapital am stärksten. Dass keine vergleichbaren Ertragskennzahlen der Venture-Capital-Fonds veröffentlicht werden, ist eine weitere wichtige Ursache des niedrigen Marktvolumens in Österreich. Die österreichischen Finanzintermediäre kritisieren das Fehlen von stetigen Rückflüssen aus den Fonds und von Möglichkeiten zur breiteren Streuung ihrer Beteiligungen. Hoher Kontrollaufwand und unzureichende Kenntnis der Betreuungsqualität durch das Fonds-Management werden ebenfalls angeführt. Als institutionelle Gründe gelten rechtliche Investitionsbeschränkungen und die mangelnde Integrierbarkeit von Venture Capital in bestehende Asset-Liability-Management-Systeme.

Derzeit stockt die Gründung von Venture-Capital-Fonds in Österreich, weil es keine wirtschaftlich attraktive Gesellschaftsform für Wagniskapital gibt. Nach dem Auslaufen der Mittelstandsfinanzierungsgesellschaft als Gesellschaftsform für Venture-Capital-Fonds benötigt Österreich dringend ein eigenständiges und international wettbewerbsfähiges Private-Equity-Gesetz.

Aus den Umfrageergebnissen leitet die Studie von WIFO und AVCO Vorschläge für Maßnahmen zur Belebung des Venture-Capital-Marktes in Österreich ab:

- Für Investoren ist die Ausweitung der Streuungsmöglichkeit von großer Bedeutung. Das dazu erforderliche größere Fondsvolumen kann z. B. durch die Einrichtung von Dachfonds erzielt werden. Bei zu kleinem Fondsvolumen würde die Fortführung der Kapitalgarantien durch die Austria Wirtschaftsservice eine Ersatzlösung bieten.

- Für risikoscheue Investoren vermindern Kapitalgarantien besonders in der Anlaufphase die negativen Folgen des Fehlens von Informationen über Managementqualität und Ertragskennzahlen.

- Der Aufbau einer Datenbank mit historischen Ertragskennzahlen für österreichische Venture-Capital-Fonds ist für die Bewertung von Frühphasenfinanzierungen in bestehenden Asset-Liability-Management-Systemen notwendig. Die AVCO oder die Oesterreichische Kontrollbank könnte als Informationssammelstelle fungieren.

- Auf institutioneller Ebene können Frühphasenfinanzierungen durch eine Lockerung der gesetzlichen Veranlagungsvorschriften vor allem in der Versicherungswirtschaft ausgeweitet werden. Pensionskassen nützen die bestehenden rechtlichen Freiräume für Frühphasenfinanzierungen nicht aus. Der forcierte Ausbau von Lebenszyklusmodellen in den Veranlagungs- und Risikogemeinschaften könnte deren Zurückhaltung abbauen.

Abbildung 1: Mittelaufbringung von Venture-Capital-Fonds in Österreich - auf der WIFO-Website
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?&fid=12)

Nähere Informationen entnehmen Sie bitte dem WIFO-Monatsbericht 11/2008
(http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=34402&typeid=8&
display_mode=2) oder der folgenden Studie von WIFO und AVCO im Auftrag der austria wirtschaftsservice gesellschaft mbH und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit: Jürgen Marchart, Thomas Url, Hemmnisse für die Finanzierung von Frühphasen- oder Venture-Capital-Fonds in Österreich (63 Seiten, 40 Euro, kostenloser Download:
http://www.wifo.ac.at/wwa/jsp/index.jsp?fid=23923&id=32579&typeid=8&d
isplay_mode=2)!

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Dr. Thomas Url
Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung - WIFO
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