• 27.11.2008, 18:01:37
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Der Terror und Europa"

Ausgabe vom 28. November 2008

Wien (OTS) - Der 11. September 2001 wiederholt sich: Die
koordinierten, professionellen und simultanen Überfälle auf die
zentralen Symbole der wichtigsten Wirtschaftsmetropole der größten
Demokratie der Welt gleichen in der Grundkonzeption weitgehend den
Angriffen auf die herausragendsten Bauten der wichtigsten
Wirtschaftsmetropole der zweitgrößten Demokratie der Welt.

Mit aller Brutalität werden wir - ungeachtet der weltweiten
Konzentration auf die Wirtschaftskrise - nun daran erinnert, dass die
globale Geißel des islamistischen Terrors keineswegs besiegt ist.
Freilich hat es eine seltsame Änderung der Weltmeinung zu diesem
Thema gegeben: Etliche Kommentatoren tun heute so, als ob der
Terrorismus eine Folge von Guantanamo und Irak-Krieg wäre - und dass
mit Barack Obama alles zu einem guten Ende kommen würde. Dabei
übersehen sie, dass Guantanamo wie Irak-Krieg (so problematisch und
erfolgsarm beides war und ist) Reaktionen auf die vorausgehenden
Anschläge waren. Tatsächlich würde weder eine Freilassung der
Guantanamo-Insassen noch ein rascher Abzug aus dem Irak den Terror
beenden. Beides wäre im Gegenteil ein ermutigender Triumph für die
Fanatiker.

Auch Europa wird sich nicht dauerhaft vor dem Thema Terror drücken
können. Ebenso wenig wie vor einer viel härteren Antwort auf die sich
immer mehr ausbreitende Piraterie auf den Weltmeeren. Wenn Europa aus
juristischen Skrupeln die Reaktion auf diese beiden Herausforderungen
den Amerikanern überlässt, dann haben Piraten wie Islamisten
(zwischen denen es übrigens viele Querverbindungen gibt) schon
gewonnen.

*

Überraschung: Alexander Wrabetz hat sich angesichts der
Finanzkrise des ORF zu robusten Antworten aufgerafft. Er macht die
von seiner Vorgängerin leichtfertig (zur Bestechung der Betriebsräte)
angeordneten Massenanstellungen de facto wieder rückgängig. An denen
Wrabetz als kaufmännischer Direktor freilich mitgewirkt hat.

Sollte es ihm darüber hinaus auch noch gelingen, die
Publikumsvertreibung - durch die skurrilen Ideen seines
Unterhaltungs-Direktors und durch die schweren ideologischen
Schlagseiten der politischen Redaktionen - zu stoppen, hätte der ORF
vielleicht sogar eine Überlebenschance.

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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