- 26.11.2008, 10:31:43
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Offener Brief an die Ministerin für Bildung Claudia Schmied
Grüne Rudolfsheim-Fünfhaus: Hilferuf aus dem 15. Bezirk!
Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Ministerin Schmied!
Aufgrund zunehmender Rückmeldungen von SchülerInnen, LehrerInnen und
Eltern fordern die Grünen Rudolfsheim Fünfhaus seit längerem
Schulsozialarbeit an den Schulen im 15. Bezirk. Die vorhandene
Schulmediation, sowie die zur Verfügung stehenden Sozialeinrichtungen
wie das notorisch unterbesetzte Jugendamt, reichen nicht aus, die
zunehmenden Probleme wie Diebstahl, Aggression, Mobbing, Gruppendruck
an und um Schulen zu lösen. Hier eine niederschwellige, leicht
zugängliche Anlaufstelle zu schaffen, wäre ein dringender Schritt hin
zu Gewaltabbau, zu Gewaltprävention und als Vermittlung zur
Konfliktlösung unter den Beteiligten. Statt einzelner Projekte sind
kontinuierliche Angebote gefragt.
Deshalb bemühen wir uns seit langem, Schulsozialarbeit an allen
Pflichtschulen im 15. Bezirk zu installieren, denn hier sind die
strukturellen Faktoren der Armut besonders deutlich sichtbar.
Schließlich ist Rudolfsheim-Fünfhaus der einkommensschwächste Bezirk
mit dem höchsten MigrantInnenanteil. Speziell hier fehlen den
SchülerInnen Perspektiven. Auf Initiative der Grünen haben alle vier
Parteien in einer Bezirksvertretungssitzung im Juni ein Pilotprojekt
Schulsozialarbeit in Rudolfsheim-Fünfhaus für das Schuljahr 2008/2009
beschlossen. Der Bezirk ist bereit, sich finanziell zu beteiligen,
doch unverständlicherweise zögert die Stadt Wien, obwohl es bereits
hier positive Erfahrungen gibt.
Von 1999 bis 2002 gab es im 17. Bezirk ein EU-Pilotprojekt mit dem
Titel: "Schulsozialarbeit an Schulen mit hohem Anteil an
eingeschulten MigrantInnen im Ballungszentrum". Trotzdem sich alle
Beteiligten für eine Fortsetzung aussprachen, wurde das Projekt
ungeachtet aller Bemühungen nach der EU-Förderperiode weder vom Bund
noch von der Stadt Wien weiter finanziert. Die Bedeutung wurde nicht
erkannt, der politische Wille fehlte. In Niederösterreich ist
Schulsozialarbeit schon seit Jahren anerkannte Präventivmaßnahme
gegen Konflikte und Gewalt. Dort bestätigen alle Beteiligten den
Bedarf und berichten durchwegs von positiven Erfahrungen. Auch
etliche EU-Länder, u.a. Holland und Spanien, haben die Vorteile von
Schulsozialarbeit erkannt und sie in ihrem Schulsystem bereits fix
etabliert.
Innerhalb der SPÖ ist man sich offensichtlich nicht einig und schiebt
aus Kostengründen die Verantwortung zwischen Bund und Wien hin und
her und streitet über Schulpsychologen vs. SchulmediatorInnen. Das
macht keinen Sinn.
Schulsozialarbeit kann Probleme frühzeitig aufgreifen bevor sie akut
werden, wodurch sehr viel höhere Folgekosten, die durch Schulabbruch,
Vandalismus, Drogenkonsum und Kriminalität entstehen, eingespart
würden. Die früheren "VerbindungssozialarbeiterInnen" zwischen
Schulen und Jugendamt wurden ebenfalls seit längerem eingespart.
Wenn uns Jugendliche hier im 15. von ihrer Angst erzählen, am
Schulweg verprügelt zu werden und als Konsequenz die Abschiebung
zumindest der Jugendlichen aus Migrantenfamilien fordern, ist dies
ein Ausdruck von Hilflosigkeit. Es schmerzt nicht weniger von
österreichischen Jugendlichen verprügelt zu werden. Das Problem ist
vielmehr, dass sich niemand um sie kümmert bzw. kümmern kann.
In diesem Sinne erwarten wir eine Klärung innerhalb der SPÖ und Ihre
Unterstützung für das Projekt Schulsozialarbeit zunächst im 15.
Bezirk. Natürlich wäre es wien- bzw. bundesweit erforderlich.
Wir hoffen auf konkrete Antworten im Zuge Ihres initierten
bevorstehenden Gewaltgipfels an Schulen.
Mit freundlichen Grüßen,
Birgit Hebein
Klubobfrau der Grünen im 15. Bezirk
Dipl. Sozialarbeiterin
Rückfragehinweis:
Pressereferat, 0664 831 74 49
http://wien.gruene.at
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