• 25.11.2008, 18:46:57
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Das Plappern misanthropischer Wortmühlen nervt die Bürger" (Von Frido Hütter)

Ausgabe vom 26.11.2008

Graz (OTS) - Es war eine bemerkenswerte Geste: Als der
Republikaner John McCaine am Abend des 4. Novembers seinen Anhängern
den Sieg Barack Obamas kundtat, kamen Buh-Rufe auf. McCaine hob
begütigend die Hände und sagte: "No, stop that please."

Später sollte er seinem Bezwinger noch herzlich gratulieren, später
sollte der Präsident in spe namhafte Republikaner als potenzielle
Regierungskandidaten nennen. Dieweil sich die Reps ernsthaft mit
ihren eigenen Problemen, mit ihrem Versagen befassten.

Das nennt man Fairness, das nennt man Pragmatismus. Nachdem die
Schmutzkübel geleert und die Schlacht geschlagen waren, wandte sich
das politische Establishment wieder seiner eigentlichen Aufgabe zu,
der Führung des Landes in schwierigen Zeiten.

Blickt man auf Österreich, könnten einem Tränen der Wut kommen: Da
amtiert eine potenziell durchaus fähige Regierung mit durchaus
fähigen Spitzenleuten wie Alfred Gusenbauer und Wilhelm Molterer -
und kommt nicht zum Regieren weil Partei-Egoisten auf beiden Seiten
dem jeweils anderen keinen Erfolg gönnen. In Gusenbauers Fall kamen
die Schüsse auch aus den eigenen Reihen, das Militärjargon nennt so
etwas zynisch "friendly fire". Und man kennt ja die
Steigerungsstufen: Feind, Todfeind, Parteifreund.

Also zerbricht diese Regierung, Wahlkampf-Millionen werden
verschleudert, bloß um einen etwas verschlechterten Status quo wieder
herzustellen.

Was geschieht dann? Die beiden Parteichefs Faymann und Pröll zeigen
glaubhaft Kooperationswillen, stellen in ziemlich kurzer Zeit ein
Kabinett auf und werden von allen Seiten beflegelt.

FPÖ, BZÖ, aber auch die Grünen spucken die üblichen galligen Töne.
Die Opposition wirkt verkrustet wie das Zentralkomitee von
Wladiwostok kurz vor dem Ende der Sowjetunion. Statt eloquent
konstruktiver Kritiker erleben wir misanthropische Wortmühlen, die
uns mit dem Ewigimmergleichen belästigen. Teile der ÖVP, nicht ihre
stärksten und innovativsten übrigens, verweigern dem neuen alten Bund
ihren Segen. Und auch viele Kassandras der Journalistenzunft raunen
sein baldiges Ende herbei.

Die neue Regierung ist weder personell noch in ihren Vorhaben
berauschend. Die SPÖ sucht ihr Heil in abgeschafften Studiengebühren,
die ÖVP liegt schwer wie ein Faschingsbloch auf den Schienen der
Bildungsreform. Immerhin beschwören beide das mögliche Gemeinsame
statt das Trennende herbeizugeifern. Das ist noch kein echter
Fortschritt, aber eine Wohltat.****

Rückfragehinweis:
Kleine Zeitung
Redaktionssekretariat
Tel.: 0316/875-4032, 4033, 4035, 4047
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