- 21.11.2008, 12:38:08
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Tourismus 1.0 - Wer fürchtet sich vorm Internet?
Branche in Zweiklassengesellschaft gespalten - Angebote am Ferienort noch mangelhaft - Online-Bereich bedroht klassische Reisevermittler

Wien (OTS) - Die Bereitstellung von Reiseinformationen im Web oder
die Möglichkeit zur Online-Buchung des Urlaubs sind inzwischen weit
verbreitet. Das Tourismusland Österreich hinkt aufgrund seiner
mittelständischen Struktur, dem ausgeprägten "Besitzstandsdenken" und
einer im internationalen Vergleich wenig ausgebauten IT-Infrastruktur
aber noch hinterher. Die Folge ist eine Zweiklassengesellschaft in
der Technologieanwendung. "Da sind die fortschrittlichsten und die
rückständigsten Betriebe in einer Branche versammelt", erklärte
Markus Lassnig von "e-Motion" bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen
der APA-E-Business-Community gestern, Donnerstagabend, in Wien.
Der Experte des von der Landesforschungsgesellschaft Salzburg
Research geleiteten IKT-Kompetenzzentrums für die Tourismus-, Sport-
und Freizeitindustrie sieht im Bereich E-Business vor allem
während des Urlaubs, also an Ort und Stelle, eine Lücke. Dabei würden
künftig Smartphones, die sich "zum Schweizer Messer der
Informationsgesellschaft" entwickeln, eine große Rolle spielen.
"Teilweise fehlen noch die Geschäftsmodelle und Totalverweigerer wird
es immer geben, aber grundsätzlich hat das Potenzial", gab sich
Lassnig überzeugt. Beispiele dafür wären das Recherchieren von
Öffnungszeiten, die Suche nach Ausflugszielen oder das Zurechtfinden
in der Urlaubsregion durch Navigationslösungen.
Derzeit seien die Aktivitäten vor allem auf den Vertrieb - also
E-Commerce - konzentriert. Hier verlaufe die Entwicklung evolutionär,
weshalb von einem konstanten Wachstum auszugehen sei. Dadurch würden
natürlich auch die klassischen Reisevermittler bedroht, "das braucht
man sich nicht schönreden". So gut die Branche auch auf der
Vertriebsseite aufgestellt sei, gebe es doch einigen Nachholbedarf
bei der IKT-Infrastruktur, den internen Geschäftsprozessen und den
lieferantenseitigen Aktivitäten.
"Grundsätzlich geht es dem heimischen Tourismus aber noch immer
ausgezeichnet. Wir sprechen ja schon bei einer Auslastung von 'nur'
85 Prozent von schlechten Zeiten", ist Lassnig überzeugt. Woran noch
gearbeitet werden müsse sei die Nachbetreuung der Gäste: Es gebe in
Österreich ein starkes "Besitzstandsdenken", wobei Hoteliers,
Skiverleiher oder Liftbetreiber das Wissen über die Kunden nicht
teilen. Hier müsse man sich vernetzen, auch wenn sich das durch
datenschutzrechtliche Fragen schwierig gestalte.
Aktuell komme es zu einer "Informatisierung" der gesamten
Wertschöpfungskette, wenn beispielsweise RFID-Chips (Funketiketten)
im Ski als Diebstahlschutz verwendet werden. Die nächsten größeren
Entwicklungen erwartet sich Lassnig im Bereich Ticketing. Nachdem die
Mitglieder des Luftfahrtverbandes IATA seit Juni 2008 zu 100 Prozent
auf E-Tickets umgestellt hätten, gehe der Trend nun zu Web- und
Mobile-Check-in sowie Boardingkarten am Handy. Weiters komme es zu
Verschiebungen am Pauschalreisemarkt, "aber nicht zu dessen Tod".
Wichtige Themen seien auch Online-Suchbarkeit und -Buchbarkeit sowie
die neue Informationsmacht des Konsumenten - Stichwort Web 2.0.
"Ob Hoteliers eine Webseite betreiben oder Online-Buchungen
anbieten, können sie selbst entscheiden. Aber auf
Bewertungsplattformen kommen sie dennoch vor", so Lassnig. "Manche
fallen aus allen Wolken, wenn sie im Web kritisiert werden, sind
beleidigt und reagieren dann auch ungeschickt." Hier mangle es
teilweise am Bewusstsein, wie man damit umgehen muss. Andere wiederum
würden diese Kanäle unglaublich professionell pflegen.
Viele seien durch die neuen Medien überfordert, weil klarerweise
das Tagesgeschäft im Vordergrund stehe, ergänzte Rainer Friedl von
der Agentur diamond:dogs. Dennoch müsse man sich damit beschäftigen.
Er erwarte massive Auswirkungen durch Web 2.0, soziale Netzwerke und
"User Generated Content". "Für jene Tourismusbetriebe, die ihre
Märkte noch immer sehr traditionell bearbeiten, beziehungsweise noch
immer nicht 100-prozentig fit für das Internet sind, brechen harte
Zeiten an", so Friedl. Die Onlineportale dürften sich in den nächsten
Jahren hingegen über ein deutliches Marktwachstum freuen.
"Dass einzelne Hoteliers jeden Tag alles durchackern, geht einfach
nicht. Hier muss man sich regional zusammenschließen und gemeinsam
vermarkten", sagte Waltraud Wiedermann, Geschäftsführerin von
APA-DeFacto. Nur so komme es zu einer Professionalisierung der
Branche. Teilweise habe man das noch nicht erkannt, aber verregnete
Sommer und schneearme Winter würden dazu einen Beitrag leisten.
Tourismusverantwortliche sollten sich außerdem stärker über aktuelle
Trends und die mediale Aufmerksamkeit informieren: "Hat ein geplanter
Kraftwerksbau Auswirkungen auf die Berichterstattung über die Region
- und damit auch auf Gäste aus dem Ausland - und was hat das für
Folgen für mich?"
Zweifel daran, dass die Zielgruppe schon so weit sei und die
Chancen der neuen Technologien erkannt habe, meldete Christan
Schober, Marketingleiter von der auf Kommunikationslösungen
spezialisierten Kapsch BusinessCom an. Der Trend zu Wellness und Co.
widerspreche nicht dem Bedürfnis, jederzeit Informationen aus dem
Internet abrufen zu können, Nachrichten zu senden oder mobil zu
kommunizieren. Technik im Hotel - beispielsweise "der Flatscreen im
Designerschrank oder in der rustikalen Wandverkleidung" - seien
inzwischen Standard. Als ideales Leit- und Informationssystem sieht
Schober elektronische Displays, die tagesaktuell sämtliche Angebote
im und um das Hotel anzeigen.
"WLAN im Hotelzimmer und Informationen zur Region einfach auf das
Handy zu bekommen, sind für den Touristen von heute nichts besonderes
mehr", gab sich Michael Brunner vom Systemintegrator NextiraOne
Austria überzeugt. Hotellerie und Tourismusregionen seien hier
gefragt, um vor Ort neue Kommunikationstechnologien zur Verfügung zu
stellen und dem Gast (mobile) Services und spielerische Tools für
einen abwechslungsreichen Urlaub 2.0 zu ermöglichen.
Die Touristiker müssten außerdem individuellere Angebote schnüren,
denn die Zeit von Zielgruppen wie "Familie" oder "Senioren" sei
vorbei, erklärte Markus Linder, Geschäftsführender Gesellschafter von
Smart Information Systems. Gute Dienste werde dabei das Semantic Web
leisten. Events, die man beispielsweise im "Firmen A-Z" der
Wirtschaftskammer veröffentliche, könnten so auf eine Vielzahl von
anderen Plattformen übernommen werden. Das sei einerseits sehr
einfach für die Ankündiger und andererseits biete es für
Tourismusbetriebe die Möglichkeit, auf ihrer Website automatisch
Veranstaltungen in der Umgebung anzuzeigen.
Sowohl online als auch im mobilen Bereich seien zahlreiche
innovative Angebote vorhanden. "Was fehlt sind vertrauensbildende
Maßnahmen, die den Gästen die Scheu nehmen, diese ‘neuen Medien‘ auch
zu nutzen, ergänzte Erwin Vacek vom auf mobile Dienste
spezialisierten Lösungsanbieter Dimoco. Das Beispiel SMS-Lifttickets
zeige, dass es viel Überzeugungskraft koste, den Gäste die Vorteile
neuer mobiler Anwendungen näher zu bringen - "dann aber bleiben sie
dabei". Interessanterweise würde hier nicht die Gruppe der bis
29-Jährigen zu den intensivsten Nutzern zählen, sondern die
40plus-Generation.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- ANECON Software Design und Beratung GmbH / www.anecon.com - Capgemini Consulting Österreich AG / www.at.capgemini.com - diamond:dogs webconsulting GmbH / www.diamonddogs.cc - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH / www.dimoco.at - Dialog Marketing Verband Österreich / www.dmvoe.at - economyaustria / www.economyaustria.at - Gentics Software GmbH / www.gentics.com - Hewlett-Packard / www.hp.com/at - IT Solution GmbH / www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG / www.kapsch.net - Microsoft Österreich / www.microsoft.com/austria - NAVAX Consulting AG / www.navax.at - NextiraOne / www.nextiraone.at - SER Solutions Österreich / GmbH www.ser.at - Telekom Austria / www.telekom.at - WirtschaftsBlatt / www.wirtschaftsblatt.at - Wirtschaftskammer Österreich / www.wko.at - APA-MultiMedia / http://multimedia.apa.at
Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM/Original Bild
Service, sowie im OTS Bildarchiv unter http://bild.ots.at .
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Rückfragehinweis:
E-Business-Community
Barbara Rauchwarter
Tel.: +43/1/360 60-5700
mailto:[email protected]
Web: http://ebc.apa.at
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