• 21.11.2008, 11:48:41
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  • OTS0156 OTW0156

Mehr Frauen und mehr Frauenpolitik in die Gemeindestuben!

Ergebnisse zur Befragung der Frauenpolitik im ländlichen Raum

Linz (OTS) - Wie leben die Frauen in Oberösterreichs Gemeinden,
wie empfinden sie ihre persönliche Lebenssituation, welche Themen
stehen für sie im Vordergrund, was würden sie gerne ändern und was
erwarten sie von der Politik. Gegliedert in acht Themenkomplexe aus
allen Lebensbereichen haben die SPÖ Frauen OÖ. im Zeitraum von Jänner
2007 bis Juli 2008 knapp 7000 Frauen und 2000 Männer zwischen 17 und
70 Jahren in mehr als 70 Gemeinden aus 14 Bezirken befragt. Bei einer
Pressekonferenz in Linz präsentierten Landesparteivorsitzender
LH-Stv. Erich Haider, Landesfrauenvorsitzende NRin Sonja Ablinger,
die Vorsitzende des Gemeindevertreterverbandes NRin Bgm.in Rosemarie
Schönpass und die Leiterin des Projektes, Mag.a Helga Gumplmaier die
Ergebnisse aus den Gesprächen.

Insgesamt sehen sich Frauen in Oberösterreich mit vielen
Ungleichheiten konfrontiert.
"Für Frauen ist ein eigenes Einkommen die wesentlichste Voraussetzung
für Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein und sie sind überzeugt,
eine bessere Ausbildung zu brauchen und mehr leisten zu müssen, um in
der Arbeitswelt gegenüber Männern als gleichwertig anerkannt zu
werden. Wer berufstätig sein will, braucht vor allem geeignete
Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ebenfalls stark gefragt:
Bildungsangebote vor Ort und regionale Verkehrsangebote, die auf
Mobilitätsanforderungen von Frauen abgestimmt sind. Insgesamt sehen
sich Frauen mit vielen Ungleichheiten konfrontiert ", fasst
Landesfrauenvorsitzende NRin Sonja Ablinger die wichtigsten
Ergebnisse der Befragung zusammen.

"Mit dem Projekt zeigt die SPÖ ihr ehrliches Engagement,
Frauenpolitik in den Gemeinden umzusetzen ", betont
Landesparteivorsitzender LH-Stv. DI Erich Haider und weist darauf
hin, dass es im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen im September 2009
bereits einen Beschluss des Landesparteivorstandes gibt, der
vorsieht, 300 Frauen mehr für die aktive Mitarbeit in der
Gemeindepolitik zu gewinnen.

"Die Befragung hat gezeigt, dass viele Frauen bereit sind, bei
konkreten Projekten, wie zum Beispiel beim Aufbau von
frauenspezifischen Beratungseinrichtungen mitzuarbeiten, wenn sie
ernsthaft eingeladen werden", weiß GVV-Vorsitzende NRin Rosemarie
Schönpass aus Erfahrung zu berichten.

"Wir waren auch über den hohen Rücklauf und die das enorme Engagement
erfreut. Gerechnet haben wir mit 20 Gemeinden in fünf Bezirken,
letztlich haben sich mehr als dreimal so viele Orte beteiligt. Der
hohe Rücklauf ist durch die sehr persönliche Ansprache garantiert",
erläutert Projektleiterin Mag.a Helga Gumplmaier das besondere Modell
der aktivierenden Befragung.

Frauen müssen noch immer besser sein!

Frauen sind überzeugt, dass sie eine bessere Ausbildung brauchen und
mehr leisten müssen, um in der Arbeitswelt gegenüber Männern als
gleichwertig anerkannt zu werden.
Nur 20% der Frauen und 23% der Männer sagen, es gebe genügend Aus-
und Weiterbildungsangebote für Frauen und Mädchen in der Region,
wobei hier große Unterschiede zwischen dem Zentralraum und den
Randbezirken sichtbar werden.

Junge Frauen fühlen sich eher kontrolliert!

Ob sich in der Gemeinde jemand wohl fühlt, hängt nicht in erster
Linie vom Geschlecht, sondern vielmehr vom Alter ab. So fühlen sich
nur 32% der jungen Frauen unter 20 sehr wohl, aber 65% der Frauen,
die älter als 65 Jahre sind. Vor allem junge Frauen stört die soziale
Kontrolle in kleineren Gemeinden.
Stammtische und Vereine sind für auffallend mehr Männer als Frauen
ein Beitrag zur Geborgenheit und Gemeinschaft in ihrer Gemeinde.

Die Sichtweise von Frauen tut der Politik gut!

Der überwiegende Teil der befragten Frauen bemängelt die fehlende
Präsenz von Frauen in der Gemeindepolitik, weil sie den Eindruck
haben, dass männliche Politiker nicht wirklich wissen, was Frauen
wollen. 78% der Frauen und 49% der Männer wünschen sich mehr Frauen
in der Politik. Im Durchschnitt sind nur 22% der Gemeinderäte
weiblich.

Als Hinderungsgrund, sich selbst in der Gemeindepolitik zu
engagieren, nennen Frauen in erster Linie die Mehrfachbelastung, aber
auch, dass Ideen von Frauen vielfach von vornherein abgeblockt
würden.

Noch lange nicht genügend Angebote!

Die Befragung hat gezeigt: Je besser die Kinderbetreuung ist, desto
eher entscheiden sich Paare Eltern zu werden. Das bestätigen 73% der
Frauen und 65% der Männer. Es muss genügend leistbare und qualitativ
gute Kinderbetreuungsplätze geben.
Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Mittagstisch für alle Kinder
im Pflichtschulalter.

Pendlerbusse machen Frauen nicht mobil!

Frauen sind mehr als Männer auf öffentliche Verkehrsmittel
angewiesen. Allerdings sitzen zum Beispiel in den Verkehrsausschüssen
der Gemeinderäte vor allem Männer, die den Handlungsbedarf oft nicht
erkennen.
Der tägliche Weg zur Arbeit oder in die Schule, Arztbesuche, Einkäufe
und Behördengänge sind mit dem vorhandenen Angebot an öffentlichen
Verkehrsmitteln oft schwer möglich oder unpraktisch.

Frauen brauchen Entlastung!

Grundsätzlich halten 72% der Frauen und 73% der Männer die
medizinische Versorgung für ausreichend.

Die Unterstützung für pflegende Angehörige - zum Beispiel
Erholungsangebote oder mehr Kurzzeitpflegeplätze - ist für 50% der
Frauen aber nur für 28% der Männer wichtig, obwohl zwei Drittel der
Männer Pflege nicht ausschließlich als Frauensache sehen.

Frauen müssen mehr planen!

Für 93% der Frauen, aber auch für 89% der Männer ist ein eigenes
Einkommen die wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes
Leben. Frauen am Land sind ebenso stark beruflich orientiert wie in
den Städten. Regionale Angebote für die Berufs- und Lebensplanung und
Unterstützung durch die öffentliche Hand sollen den Wiedereinstieg
nach der Familienpause erleichtern.
84% der Frauen und 80% der Männer halten familienfreundliche
Arbeitszeitmodelle für wichtig, um Beruf und Familie vereinbaren zu
können.
Männer sehen weniger Probleme!
Männer sehen weniger Ungleichheiten für Frauen als die Frauen selbst.
Mehr Männer als Frauen meinen, dass die Arbeit daheim gerecht
aufgeteilt ist und die Mithilfe bei der Haus- und Familienarbeit sich
für Männer nicht nachteilig auswirkt - weder im Beruf noch in der
Öffentlichkeit. Doch das heißt noch lange nicht, dass Männer dieses
Engagement im Haushalt und bei der Kindererziehung auch tatsächlich
an den Tag legen.
87% der Frauen und 77% der Männer sagen, dass Haushalt und
Kindererziehung noch immer in erster Linie Aufgabe der Frauen sind.

Engagement notwendig!

Oberösterreichs Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt in vielerlei
Hinsicht benachteiligt. So sind ab dem 30. Lebensjahr deutlich
weniger Frauen berufstätig als der Durchschnitt der Frauen in
Österreich. Bis zur Pensionierung erreichen sie daher nie mehr das
Einkommen, das sie vor ihrem 30. Lebensjahr hatten.

Aus jenen oö. Bezirken, wo die Ungleichheiten am Arbeitsmarkt
(Einkommen, Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeit) besonders groß
sind, wandern viele Frauen im erwerbsfähigen Alter ab. Das Pendeln in
den Zentralraum ist für sie ungleich schwieriger ist als für Männer.

"Diese Fakten und der zentrale Frauenwunsch nach einem eigenen
Einkommen machen deutlich, wie dringend und wichtig das
frauenpolitische Engagement der SPÖ in Oberösterreich auf Landes,
regionaler und kommunaler Ebene ist", betont Sonja Ablinger und nennt
die wichtigsten Forderungen:

- Einkommensabhängiges Karenzgeld 
- Papamonat für mehr Väterbeteiligung 
- Rückkehrrecht zur Vollzeit 
- Wirtschaftsförderungen, die an Frauenförderpläne gekoppelt   
  ist 
 
- mehr Angebote für berufliche Aus- und Weiterbildung in der 
  Region 
- Ausbau der Fem-Implacement-Stiftung 
- Angebote zur Höherqualifizierung (Qualifizierungsverbund der 
  Klein- und Mittelbetriebe in der Region) 
- mehr Frauen im Gemeinderat 
   
- Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für alle Kinder bis 
  10 Jahre 
- Mittagstisch für alle Kinder bis 15 Jahre 
- Mehr Ganztagsschulangebote 
- Ausbau der Öffnungszeiten bei Kinderbetreuung (Nachmittag, 
  Ferien) 
 
- Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote innerhalb der 
  Region 
- Anrufsammeltaxi auch tagsüber 
- Pendlerinnenförderung 
- mehr Maßnahmen für die "langsame Mobilität" (Schulwege
  Straßenübergänge, Geh- und Radwege, verkehrsberuhigte 
  Zonen…) 
   
- Erholungsangebote für Pflegende 
- Mehr mobile Dienste und Kurzzeitpflegeplätze 
- Pflegestammtische vor Ort 
- Angebote zur Gesundheits- und Sozialberatung vor Ort

Rückfragehinweis:
SPÖ Oberösterreich
Medienservice
Gerald Höchtler
Tel.: (0732) 772611-22
mailto:[email protected]

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