Mehr Frauen und mehr Frauenpolitik in die Gemeindestuben!

Ergebnisse zur Befragung der Frauenpolitik im ländlichen Raum

Linz (OTS) - Wie leben die Frauen in Oberösterreichs Gemeinden,
wie empfinden sie ihre persönliche Lebenssituation, welche Themen stehen für sie im Vordergrund, was würden sie gerne ändern und was erwarten sie von der Politik. Gegliedert in acht Themenkomplexe aus allen Lebensbereichen haben die SPÖ Frauen OÖ. im Zeitraum von Jänner 2007 bis Juli 2008 knapp 7000 Frauen und 2000 Männer zwischen 17 und 70 Jahren in mehr als 70 Gemeinden aus 14 Bezirken befragt. Bei einer Pressekonferenz in Linz präsentierten Landesparteivorsitzender LH-Stv. Erich Haider, Landesfrauenvorsitzende NRin Sonja Ablinger, die Vorsitzende des Gemeindevertreterverbandes NRin Bgm.in Rosemarie Schönpass und die Leiterin des Projektes, Mag.a Helga Gumplmaier die Ergebnisse aus den Gesprächen.

Insgesamt sehen sich Frauen in Oberösterreich mit vielen Ungleichheiten konfrontiert.
"Für Frauen ist ein eigenes Einkommen die wesentlichste Voraussetzung für Unabhängigkeit und Selbstbewusstsein und sie sind überzeugt, eine bessere Ausbildung zu brauchen und mehr leisten zu müssen, um in der Arbeitswelt gegenüber Männern als gleichwertig anerkannt zu werden. Wer berufstätig sein will, braucht vor allem geeignete Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Ebenfalls stark gefragt:
Bildungsangebote vor Ort und regionale Verkehrsangebote, die auf Mobilitätsanforderungen von Frauen abgestimmt sind. Insgesamt sehen sich Frauen mit vielen Ungleichheiten konfrontiert ", fasst Landesfrauenvorsitzende NRin Sonja Ablinger die wichtigsten Ergebnisse der Befragung zusammen.

"Mit dem Projekt zeigt die SPÖ ihr ehrliches Engagement, Frauenpolitik in den Gemeinden umzusetzen ", betont Landesparteivorsitzender LH-Stv. DI Erich Haider und weist darauf hin, dass es im Hinblick auf die Gemeinderatswahlen im September 2009 bereits einen Beschluss des Landesparteivorstandes gibt, der vorsieht, 300 Frauen mehr für die aktive Mitarbeit in der Gemeindepolitik zu gewinnen.

"Die Befragung hat gezeigt, dass viele Frauen bereit sind, bei konkreten Projekten, wie zum Beispiel beim Aufbau von frauenspezifischen Beratungseinrichtungen mitzuarbeiten, wenn sie ernsthaft eingeladen werden", weiß GVV-Vorsitzende NRin Rosemarie Schönpass aus Erfahrung zu berichten.

"Wir waren auch über den hohen Rücklauf und die das enorme Engagement erfreut. Gerechnet haben wir mit 20 Gemeinden in fünf Bezirken, letztlich haben sich mehr als dreimal so viele Orte beteiligt. Der hohe Rücklauf ist durch die sehr persönliche Ansprache garantiert", erläutert Projektleiterin Mag.a Helga Gumplmaier das besondere Modell der aktivierenden Befragung.

Frauen müssen noch immer besser sein!

Frauen sind überzeugt, dass sie eine bessere Ausbildung brauchen und mehr leisten müssen, um in der Arbeitswelt gegenüber Männern als gleichwertig anerkannt zu werden.
Nur 20% der Frauen und 23% der Männer sagen, es gebe genügend Aus-und Weiterbildungsangebote für Frauen und Mädchen in der Region, wobei hier große Unterschiede zwischen dem Zentralraum und den Randbezirken sichtbar werden.

Junge Frauen fühlen sich eher kontrolliert!

Ob sich in der Gemeinde jemand wohl fühlt, hängt nicht in erster Linie vom Geschlecht, sondern vielmehr vom Alter ab. So fühlen sich nur 32% der jungen Frauen unter 20 sehr wohl, aber 65% der Frauen, die älter als 65 Jahre sind. Vor allem junge Frauen stört die soziale Kontrolle in kleineren Gemeinden.
Stammtische und Vereine sind für auffallend mehr Männer als Frauen ein Beitrag zur Geborgenheit und Gemeinschaft in ihrer Gemeinde.

Die Sichtweise von Frauen tut der Politik gut!

Der überwiegende Teil der befragten Frauen bemängelt die fehlende Präsenz von Frauen in der Gemeindepolitik, weil sie den Eindruck haben, dass männliche Politiker nicht wirklich wissen, was Frauen wollen. 78% der Frauen und 49% der Männer wünschen sich mehr Frauen in der Politik. Im Durchschnitt sind nur 22% der Gemeinderäte weiblich.

Als Hinderungsgrund, sich selbst in der Gemeindepolitik zu engagieren, nennen Frauen in erster Linie die Mehrfachbelastung, aber auch, dass Ideen von Frauen vielfach von vornherein abgeblockt würden.

Noch lange nicht genügend Angebote!

Die Befragung hat gezeigt: Je besser die Kinderbetreuung ist, desto eher entscheiden sich Paare Eltern zu werden. Das bestätigen 73% der Frauen und 65% der Männer. Es muss genügend leistbare und qualitativ gute Kinderbetreuungsplätze geben.
Ganz oben auf der Wunschliste steht ein Mittagstisch für alle Kinder im Pflichtschulalter.

Pendlerbusse machen Frauen nicht mobil!

Frauen sind mehr als Männer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Allerdings sitzen zum Beispiel in den Verkehrsausschüssen der Gemeinderäte vor allem Männer, die den Handlungsbedarf oft nicht erkennen.
Der tägliche Weg zur Arbeit oder in die Schule, Arztbesuche, Einkäufe und Behördengänge sind mit dem vorhandenen Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln oft schwer möglich oder unpraktisch.

Frauen brauchen Entlastung!

Grundsätzlich halten 72% der Frauen und 73% der Männer die medizinische Versorgung für ausreichend.

Die Unterstützung für pflegende Angehörige - zum Beispiel Erholungsangebote oder mehr Kurzzeitpflegeplätze - ist für 50% der Frauen aber nur für 28% der Männer wichtig, obwohl zwei Drittel der Männer Pflege nicht ausschließlich als Frauensache sehen.

Frauen müssen mehr planen!

Für 93% der Frauen, aber auch für 89% der Männer ist ein eigenes Einkommen die wesentliche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Frauen am Land sind ebenso stark beruflich orientiert wie in den Städten. Regionale Angebote für die Berufs- und Lebensplanung und Unterstützung durch die öffentliche Hand sollen den Wiedereinstieg nach der Familienpause erleichtern.
84% der Frauen und 80% der Männer halten familienfreundliche Arbeitszeitmodelle für wichtig, um Beruf und Familie vereinbaren zu können.
Männer sehen weniger Probleme!
Männer sehen weniger Ungleichheiten für Frauen als die Frauen selbst. Mehr Männer als Frauen meinen, dass die Arbeit daheim gerecht aufgeteilt ist und die Mithilfe bei der Haus- und Familienarbeit sich für Männer nicht nachteilig auswirkt - weder im Beruf noch in der Öffentlichkeit. Doch das heißt noch lange nicht, dass Männer dieses Engagement im Haushalt und bei der Kindererziehung auch tatsächlich an den Tag legen.
87% der Frauen und 77% der Männer sagen, dass Haushalt und Kindererziehung noch immer in erster Linie Aufgabe der Frauen sind.

Engagement notwendig!

Oberösterreichs Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt in vielerlei Hinsicht benachteiligt. So sind ab dem 30. Lebensjahr deutlich weniger Frauen berufstätig als der Durchschnitt der Frauen in Österreich. Bis zur Pensionierung erreichen sie daher nie mehr das Einkommen, das sie vor ihrem 30. Lebensjahr hatten.

Aus jenen oö. Bezirken, wo die Ungleichheiten am Arbeitsmarkt (Einkommen, Erwerbsbeteiligung, Arbeitslosigkeit) besonders groß sind, wandern viele Frauen im erwerbsfähigen Alter ab. Das Pendeln in den Zentralraum ist für sie ungleich schwieriger ist als für Männer.

"Diese Fakten und der zentrale Frauenwunsch nach einem eigenen Einkommen machen deutlich, wie dringend und wichtig das frauenpolitische Engagement der SPÖ in Oberösterreich auf Landes, regionaler und kommunaler Ebene ist", betont Sonja Ablinger und nennt die wichtigsten Forderungen:

  • Einkommensabhängiges Karenzgeld
  • Papamonat für mehr Väterbeteiligung
  • Rückkehrrecht zur Vollzeit
  • Wirtschaftsförderungen, die an Frauenförderpläne gekoppelt ist
  • mehr Angebote für berufliche Aus- und Weiterbildung in der Region
  • Ausbau der Fem-Implacement-Stiftung
  • Angebote zur Höherqualifizierung (Qualifizierungsverbund der Klein- und Mittelbetriebe in der Region)
  • mehr Frauen im Gemeinderat
  • Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung für alle Kinder bis 10 Jahre
  • Mittagstisch für alle Kinder bis 15 Jahre
  • Mehr Ganztagsschulangebote
  • Ausbau der Öffnungszeiten bei Kinderbetreuung (Nachmittag, Ferien)
  • Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote innerhalb der Region
  • Anrufsammeltaxi auch tagsüber
  • Pendlerinnenförderung
  • mehr Maßnahmen für die "langsame Mobilität" (Schulwege Straßenübergänge, Geh- und Radwege, verkehrsberuhigte Zonen…)
  • Erholungsangebote für Pflegende
  • Mehr mobile Dienste und Kurzzeitpflegeplätze
  • Pflegestammtische vor Ort
  • Angebote zur Gesundheits- und Sozialberatung vor Ort

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