- 13.11.2008, 17:30:00
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Zu viele Köche verderben den Brei - von Michael Laczynski
Beim Gipfel in Washington wird keine Haute Cuisine produziert
Wien (OTS) - Zunächst einmal eine schlechte Nachricht für all
diejenigen, die darauf gehofft haben, Barack Obama werde bei dem
bevorstehenden internationalen Krisentreffen in Washington die Welt
retten: Der designierte US-Präsident zieht es vor, daheim in Chicago
zu bleiben, und schickt an seiner Statt das wackere Streitross
Madeleine Albright in die Schlacht. Was Bill Clintons ehemalige
Außenministerin bei dem morgen beginnenden G20-Gipfel genau machen
soll, ist nicht ganz klar - vielleicht George W. Bush auf die Finger
schauen. Oder Obama-Sticker verteilen.
Diese Entscheidung macht jedenfalls deutlich, dass der neue Stern am
politischen Firmament sich nicht anpatzen lassen möchte von dem
Dreck, der in den kommenden Tagen in der US-Hauptstadt durch die
Gegend fliegen wird. Es ist ja auch verständlich: Als
"President-elect" hat Obama noch keine Befugnisse und kann somit das
Geschehen nicht beeinflussen. Eine gute Figur am internationalen
Parkett muss er auch nicht machen, denn die Welt liegt ihm ja ohnehin
schon zu Füßen. Was liegt also näher, als dem glücklosen Bush den
Trümmerhaufen zu überlassen, den die Deregulierungswut der
vergangenen Jahre produziert hat?
Dass die Aufräumarbeiten sich nicht leicht gestalten werden, lässt
sich schon jetzt absehen. Das liegt an zwei Faktoren: Zum einen ist
die aktuelle Krise, was Dimension und Geschwindigkeit anbelangt,
anders als ihre Vorgängerinnen in den 90er- und 80er-Jahren. Die
herkömmlichen volkswirtschaftlichen Modelle taugen als
Prognoseinstrumente nicht, wir haben es allem Anschein nach mit einem
besonders gefährlichen Präzedenzfall zu tun.
Zum anderen liegt es an den Akteuren des bevorstehenden Spektakels,
dass die Aussichten auf Erfolg eher bescheiden sind. In der
Washingtoner Küche werden zu viele Köche am Werk sein: Die Franzosen
wollen am liebsten die gesamte Weltwirtschaft regulieren; die Briten
befürchten negative Auswirkungen auf die Londoner City; die
Deutschen wollen nicht ihr Steuergeld in die Hand nehmen, um fremder
Leute Probleme zu lösen; die Amerikaner wissen aufgrund des
Interregnums nicht so genau, was sie wollen - auf keinen Fall aber
eine von Franzosen geregelte Welt; und die Schwellenländer trauen
eingedenk der Asienkrise von 1997 dem Internationalen Währungsfonds
nicht über den Weg. Angesichts dieser Zutaten ist an Haute Cuisine
nicht zu denken.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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