- 13.11.2008, 09:27:43
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Buch "Neue Wege" bilanziert über 75 Jahre Theater der Jugend
Zum Jubiläum resümiert das Buch von der Vereinsgründung 1932 über die ideologische Zerrissenheit nach Kriegsende bis heute
Wien (OTS) - In beinahe fünfzehn, in zeitlicher Chronologie
aufeinander folgenden Einzelbeiträgen, beleuchtet das zum 75-jährigen
Jubiläum vom Theater der Jugend herausgegebene Buch "Neue Wege" die
lange und oftmals widersprüchliche Geschichte des größten
europäischen Kinder- und Jugendtheaters. Zu dieser Thematik hatte man
im November 2007 auch zu einem Festsymposium anlässlich des Jubiläums
geladen. Der Buchtitel "Neue Wege" steht für den Titel des
ursprünglichen Vereins- und Mitteilungsblattes, das im Jahr 1948
bereits den Umfang einer Zeitschrift gefunden hatte und ab diesem
Zeitpunkt unter dem Namen "Neue Wege. Kulturzeitschrift für junge
Menschen" publiziert wurde.
Die meisten Beiträge des Buches beschäftigen sich mit einem
bestimmten zeitlichen Abschnitt der 75-jährigen Geschichte oder mit
der Ära eines einzelnen, künstlerischen Leiters. Ein Beitrag ist den
"Neuen Wegen" selbst als einem zentralen, literarischen Organ der
Nachkriegszeit gewidmet, während ein anderer das selbst- und
fremdbestimmte Bild von Jugend nach 1945 zu zeichnen versucht. Das
Buch enthält weiters eine Beleuchtung der theaterpädagogischen Praxis
in der Handhabung des Theaters der Jugend sowie abschließende
Diskussionsbeiträge von Autoren, IntendantInnen und KritikerInnen.
Ideologische Konzepte stets umstritten
Seit der Gründung des Vereins "Theater der Schulen" im Jahr 1932
durch den Realschuldirektor Hans Zwanzger und den Schauspieler Stefan
Wagner, die mit ihrer Idee der Wiener Schuljugend den ungehinderten
Zugang zu "künstlerisch und literarisch vollwertigen
Theateraufführungen zu billigen Preisen" eröffnen wollten, waren
Spielplan und künstlerische Ausrichtung des Theaters oft Inhalt
politischer und ideologischer Kritik bzw. Anfeindung. Man wolle
politischen Tendenzen fernstehen und verfolge keine dementsprechenden
Intentionen, ließen Zwanzger und Wagner anfangs verlauten, aber die
einzelnen Aufführungen und das Bemühen um Subventionen sprachen eine
andere Sprache. So wurde das Theater bald unter die fachmännische
"Aufsicht" des Unterrichtsministeriums und sogenannter "Schulmänner"
gestellt. Bald wurde es Teil der austrofaschistischen Kulturpolitik
und damit kam es auch zu ersten personellen und inhaltlichen
Ausgrenzungen.
Neue Wege nach 1945
Nach 1945 war man vor allem um eine neue Motivation der Jugend
bemüht, dies zeigte sich im bemüht bildungspolitischen Auftrag des
Theaters der Jugend, dem sich Veronika Zangl und Gerald M. Bauer in
ihren Beiträgen stellen. Anschließend folgt ein Blick auf die Ära des
künstlerischen Leiters Edwin Zbonek, der auch für die Gründung der
Viennale verantwortlich zeichnet, und das Theater der Jugend vor
allem mit zeitgenössischen Werken moderner AutorInnen bespielt sehen
wollte. Nach einem auffälligen Besucherschwund in den beginnenden
80er Jahren, nahm sich Kulturstadtrat Zilk der Theaterinstitution an.
Der folgende Reformversuch sah vor allem eine stärkere Beteiligung
der Eltern und die Einberufung eines Pädagogischen Beirats vor. Mit
der Ära Urbach ging das Theater der Jugend unter dem ehemaligen
Chefdramaturgen des Burgtheaters ganz neue und eigenständige Wege,
die zu großem Erfolg führten. Die Einbindung neuer Gegenwartsautoren,
die Adaptionen beliebter Kinderliteratur und die Wiederaufnahme
bekannter Klassiker vermochten die jungen ZuschauerInnen genauso wie
Eltern die Pädagogen zu begeistern. Dass Theater der Jugend war zu
einer Wiener Institution geworden, das im unter Urbach umgebauten
Renaissancetheater in der Neubaugasse und im Theater im Zentrum in
der Liliengasse seinen festen Platz in der städtischen
Kulturlandschaft gefunden hatte. So ließ Urbach in einem Ö1-Interview
im Jahre 1994 verlauten: "Ich habe zwei Wünsche: Dass die Kinder,
wenn sie jetzt ins Theater kommen, immer eine gute Vorstellung sehen
und der zweite Wunsch wäre, dass wenn nach der Jahrtausendwende in
Wien die Theater voll sind, man es darauf zurückführen kann, dass die
Zuschauer im Theater der Jugend eine Schule des Sehens erlebt
haben."
Gerald M. Bauer, Birgit Peter (Hg.), "Neue Wege". 75 Jahre
Theater der Jugend in Wien, Lit Verlag GmbH & Co. KG Wien 2008, 199
Seiten, ISBN 978-3-7000-0882-8, www.lit-verlag.at (Schluss) wil
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