Falter: André Heller übt scharfe Kritik an Management von "Afrika! Afrika!"

Verträge mit Künstlern seien "empörend"

Graz (OTS) - Wie die Wochenzeitung Falter in ihrer aktuellen
Ausgabe berichtet, äußert sich "Afrika! Afrika!"-Erfinder André Heller erstmals kritisch darüber, wie das Management des Ethno-Zirkus mit den Artisten und Tänzern umgeht. "In den letzten eineinhalb Jahren bei Afrika!Afrika! war wohl meine Hauptbeschäftigung, Streitschlichter zu sein", sagt Heller. Dies sei auch der Grund, warum er sich heuer aus dem Unternehmen zurückgezogen habe.

Anlass für das Gespräch mit Heller war, dass ein Künstler sich hilfesuchend an den Falter als auch an Hellers Agentur gewendet hat, nachdem ihm sein Vertrag äußerst kurzfristig aufgekündigt worden war und er dafür nur vage Gründe genannt bekam. Laut Esther Suhr, deutscher Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht, die den Künstler nun vertritt, ist "die Kündigung nicht wirksam". Außerdem gelangt sie zu dem Schluss, dass der Artist nicht als Freischaffender Künstler einzustufen sei, wie es der Vertrag vorsieht und wie es bei Afrika! Afrika! üblich ist: "Sehr viele gute Argumente sprechen dafür, dass es sich hier um Arbeitnehmer handelt, nicht um Selbstständige." Sie will das nun vor dem Arbeitsgericht durchfechten. Suhr: "Sind die Artisten tatsächlich als Arbeitnehmer einzustufen, dann ist das für Afrika! Afrika! sehr heftig." Heller bietet dem Künstler im Falter-Gespräch Hilfe an.

Über den Manager von "Afrika! Afrika!", Matthias Hoffmann, sagt Heller zum Falter: "Matthias Hoffmann ist ein scharf kalkulierender Geschäftsmann, und als solcher agiert er und trifft seine Entscheidungen. Er hat von mir im Lauf der letzten Jahre zahllose Briefe erhalten, in denen ich zu erklären versuchte: Du musst wissen, dass der Großteil des Erfolges in der Freude und Geborgenheit liegt, in der diese Künstler, die sich Dir anvertrauen, während der Tournee leben." Er charakterisiert Hoffmann als "Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Mensch, manchmal uferlos großzügig, dann wieder sehr brachial. Er ist ein schwieriger Herr."

"Empörend" findet Heller, dass "manche Artisten und Tänzer inzwischen Verträge unterschrieben haben, nach denen sie täglich gekündigt werden können". Zum Artikel des Spiegel vor einem halben Jahr, der dem Management vorwarf, die Artisten schlecht zu behandeln, meint Heller: "Mir war der Spiegel-Artikel nicht ganz Unrecht - ich konnte ihn nutzen, um beim Produzenten einige Verbesserungen durchzusetzen. Es gab dann Gott sei dank substantielle Nachzahlungen an einige benachteiligte Künstler." Dass die Artisten nicht bezahlt bekommen, wenn sie krank sind, weil sie als Selbstständige gelten, findet er "problematisch dann, wenn man es ihnen nicht vorher im Detail erklärt". Heller: "Es war eine Grundforderung von mir, dass jeder über seine Rechte und Pflichten informiert ist. Ich halte es aber für möglich, dass das nicht immer geschah." Man solle immer "voll der
Zuneigung mit den Menschen umgehen, die die Existenzgrundlage des Erfolgs sind. Sonst wird sich das Glück in Nichts auflösen und Afrika! Afrika! in einem Jahr beendet sein."

Autorin des Artikels:
Gerlinde Pölser,
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