• 10.11.2008, 10:28:21
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Wittgenstein-Preis 2008 geht an den Physiker Markus Arndt

Weitere acht Spitzen-NachwuchsforscherInnen in das prestigeträchtige START-Programm aufgenommen.

Wien (OTS) - Wissenschaftsminister Johannes Hahn gab heute im
Rahmen einer Pressekonferenz die diesjährigen Wittgenstein- und
START-PreisträgerInnen bekannt. Insgesamt werden in den kommenden
fünf bzw. sechs Jahren den neun ForscherInnen rund 10,5 Mio. EUR für
ihre Arbeiten zur Verfügung stehen.

Zum bereits 13. Mal wurden die START- und Wittgenstein-Preise heuer
vergeben und der Kreis der im Rahmen dieser Programme ausgezeichneten
WissenschafterInnen wurde um neun Personen erweitert.

Der diesjährige Wittgenstein-Preisträger ist Markus Arndt. Markus
Arndt ist seit 2004 Professor für Quantennanophysik und nach Ferenc
Krausz erst der zweite Wissenschafter, dem das Kunststück gelungen
ist, nach der Aufnahme in das START-Programm (2001) auch den
begehrten Wittgenstein-Preis zugesprochen zu erhalten. Markus Arndt,
geboren in Deutschland, arbeitet seit 1997 in Österreich (zunächst in
Innsbruck, seit 1999 in Wien), habilitierte sich im Jahr 2002 an der
Universität Wien und erhielt im Jahr 2004 eine Professur für
Quantennanophysik an der Universität Wien. Die wichtigsten Stationen
außerhalb Österreichs führten ihn an das Max-Plack-Institut für
Quantenoptik in München (PhD und Postdoc) und an die die Ecole
Normale Supérieure, Paris. Markus Arndt, Jahrgang 1965, zählt zu den
jüngsten Preisträgern seit Bestehen des Programms.

Die Auszeichnung soll helfen, ein Forschungsprogramm auf den Weg zu
bringen, um Quantenforschung auf einer neuen Komplexitätsebene zu
heben. Ein Schwerpunkt dabei ist die "Materiewellenphysik von
Nanomaterialien". Quanteninterferenzexperimente mit massiven
Molekülen und Clustern, die in Wien weltweit erstmals erfolgreich
waren, sollen nun einen großen Schritt nach vorne gebracht werden.
Mit der Quanteninterferenz supermassiver kalter Metallcluster soll
der Frage nachgegangen werden, ob man Indizien dafür findet, dass die
Quantenphysik bei großen Teilchenmassen modifiziert werden muss.

Komplementär dazu soll die Quanteninterferometrie mit organischen
Molekülen einen neuen interdisziplinären Forschungszweig an der
Grenze zwischen Physik, Chemie und Biologie initiieren. Experimente
in den Wiener Labors haben gezeigt, dass man Quantenmethoden
verwenden kann, um Eigenschaften isolierter organischer Moleküle auf
eine neue Art und mit guter Genauigkeit zu vermessen. Ziel ist es,
eine zunehmend präzisere Kontrolle über die Zustände dieser komplexen
Systeme zu erhalten und das neue Feld der "molekularen
Quantenmetrologie" aufzubauen.

Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchstdotierter und
prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der im Auftrag des
Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung jährlich seit 1996
durch den FWF vergeben wird. Der Preisträgerin / dem Preisträger
stehen für ihre / seine weitere wissenschaftliche Arbeit bis zu 1,5
Mio. EUR für die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der
Wittgenstein-Preis ist ein so genannter "Dry prize", das heißt, die
Gelder stehen ausschließlich für die intendierte Forschung und hier
insbesondere für junge WissenschafterInnen, die im
Wittgenstein-Projekt mitarbeiten, zur Verfügung.

Der Entscheidungsvorschlag - basierend auf Fachgutachten
ausländischer ExpertInnen - wurde von der Internationalen START- und
Wittgenstein-Jury zusammengestellt. Die Jury setzt sich aus
renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammen, um eine
bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die
Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Sheila
Jasanoff, Professorin an der Kennedy School of Government, Harvard
University.

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden acht
Spitzen-NachwuchsforscherInnen aus 46 Bewerbungen in das
START-Programm aufgenommen. Die START-Auszeichnung ist die
höchstdotierte und anerkannteste Förderung für
NachwuchsforscherInnen, die aufgrund ihrer bisher geleisteten
wissenschaftlichen Arbeit die Chance erhalten sollen, in den nächsten
sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert, ihre
Forschungsarbeiten zu planen und eine eigene Arbeitsgruppe
aufzubauen. Nach drei Jahren haben sie sich einer Zwischenevaluierung
zu stellen. Die START-Preise sind mit jeweils bis zu 1,2 Mio. EUR
dotiert.

Die neu in das START-Programm aufgenommenen WissenschafterInnen - in
alphabetischer Reihenfolge - sind:

Markus Aspelmeyer
"Quantum-Opto-Mechanik"
Institut für Quantenoptik und Quanteninformation, ÖAW Wien

Tom J. Battin
"Architektur der Kohlenstoffflüsse in Bächen und Flüssen"
Department für Frischwasserökologie, Universität Wien

Massimo Fornasier
"Approximation und Optimierung in höheren Dimensionen"
Johann Radon Institute for Computational and Applied Mathematics
(RICAM), ÖAW Linz

Daniel Grumiller
"Schwarze Löcher in AdS, im Universum und in analogen Systemen"
Institut für Theoretische Physik, Technische Universität Wien

Alexander Kendl
"Turbulenz in magnetisierten Plasmen: Strukturbildung und Transport"
Institut für Ionenphysik und angewandte Physik, Universität Innsbruck

Karel Riha
"Mechanismen zum Schutz der Chromosomenenden"
Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie, ÖAW Wien

Kristin Tessmar-Raible
"Einsichten in die molekularen Mechanismen lunarer Rhythmen"
Max F. Perutz Laboratories, Universität Wien

Christina Waldsich
"RNA-Faltung in der lebenden Zelle"
Max F. Perutz Laboratories, Universität Wien

Sowohl das START-Programm als auch der Wittgenstein-Preis sind für
alle wissenschaftlichen Disziplinen offen. Die Gelder dürfen
ausschließlich für Forschungsarbeiten in Österreich verwendet werden.
Die Programme werden vom FWF im Auftrag des Wissenschaftsministeriums
(BMWF) durchgeführt.

Rückfragehinweis:
Mag. Stefan Bernhardt, MBA
Tel.: +43 1 5056740 DW 8111
stefan.bernhardt@fwf.ac.at

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