- 10.11.2008, 09:33:45
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Todestag von Friedrich Torberg
Wien (OTS) - Vor 29 Jahren, am 10. November 1979, starb der
österreichische Schriftsteller Friedrich Torberg im Alter von 71
Jahren an einem Gefäßleiden. Er wurde in einem Ehrengrab der Gemeinde
Wien beigesetzt. Den weitaus größten Teil seines Nachlasses hatte er
der Stadt Wien vermacht. Dieser Briefnachlass, in etwa 100.000 Blatt,
wird heute von der Wienbibliothek im Rathaus verwaltet. Einen Teil
der Briefe kann man in der aktuellen Torberg-Ausstellung im
Jüdischen Museum Wien (bis 1.2.2009) begutachten.
Torberg - Stationen seines Lebens
Friedrich Torberg wird am 16. September 1908 in Wien als zweites
dreier Kinder von Alfred und Therese Kantor geboren. 1921 übersiedelt
die Familie nach Prag, wo Torberg das Deutsche Staatsrealgymnasium
besucht. Im Juli 1927 scheitert er beim ersten Versuch, die Matura
abzulegen. Selten dürfte ein durchgefallener Maturant aber derart
aufsehenerregend vom Scheitern profitiert haben wie Torberg. Denn im
Jahr der Wiederholung beginnt er mit der Niederschrift seines Romans
"Der Schüler Gerber hat absolviert" (1930), der zum Bestseller wird
und noch heute ein Klassiker seines Genres ist. Noch vor Erscheinen
des Romans, den sein Förderer Max Brod an den Verlag von Paul Zsolnay
vermittelt hat, publiziert er erste literarische Texte im "Prager
Tagblatt" unter dem Pseudonym Torberg, das sich aus den
Namensbestandteilen seiner Eltern zusammensetzt (die Mutter war eine
geborene Berg).
Unter dem NS-Regime werden Torbergs literarische Werke von den
deutschen Zensurbehörden bald auf die "Liste 1 des schädlichen und
unerwünschten Schrifttums" gesetzt. Im Juni 1938 geht Torberg in die
Emigration: Er fliegt von Prag nach Zürich. Die Schweiz muß er am 1.
Juni 1939 verlassen, Torberg geht nach Paris. In Frankreich schließt
er sich nach Ausbruch des Krieges der tschechischen Exilarmee an,
wird jedoch nicht in Kampfhandlungen verwickelt. Knapp vor den
deutschen Truppen gelingt es Torberg über Spanien nach Portugal zu
entkommen. Dort bekommt er mit Hilfe einer US-Hilfsorganisation, des
Emergency Rescue Committee, ein Visum für die USA. Als einer von »Ten
Outstanding Anti-Nazi Writers« gelangt Torberg im Oktober 1940 nach
Hollywood, wo er einen Vertrag bei den Warner Brothers auf ein Jahr
erhält.
1951 kehrt Torberg wieder nach Wien zurück, wo er zunächst als
freier Publizist für den "Wiener Kurier" und für den Sender
"Rot-Weiß-Rot" arbeitet. Im Auftrag des Kongresses für Kulturelle
Freiheit wird er Herausgeber der ab 1954 erscheinenden
kulturpolitischen Zeitschrift "FORVM", eine Funktion, die er bis 1965
bekleidet. Das Periodikum ist bis heute umstritten, da es seine
Inhalte ganz in den Dienst des Kalten Kriegs stellte.
Einen nicht erwarteten Bestseller landet Torberg dann jedoch
1975 mit dem Anekdotenband "Die Tante Jolesch oder Der Untergang des
Abendlandes", ein Erfolg, der 1978 mit "Die Erben der Tante Jolesch"
sogar noch eine Fortsetzung findet. Etwa einen Monat vor seinem Tod
erhiält Torberg den Großen Österreichischer Staatspreis für
Literatur. Weitere seiner Auszeichnungen sind u.a. der Preis der
Julius Reich-Stiftung (1933), die Richard Meister-Medaille (1974) und
das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst (1976). (Schluss) rav
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