- 03.11.2008, 19:57:38
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Warum diese Wahl historisch ist, egal wie sie ausgeht" (von Thomas Götz)
Ausgabe vom 4.11.2008
Graz (OTS) - Mit dem Wort historisch sollte man vorsichtig
umgehen, sonst verliert es seinen Wert. Die heutigen Wahlen in den
USA aber rechtfertigen seinen Einsatz. Unter den vielen
Besonderheiten dieses Wahlkampfs sticht eine besonders heraus. 40
Jahre nach der Ermordung des schwarzen Bürgerrechtskämpfers Martin
Luther King könnte ein Afro-Amerikaner ins Weiße Haus einziehen. Das
ist ein tiefer Einschnitt in der Geschichte der USA, auch wenn Barack
Obama entgegen allen Umfragen nicht gewinnen sollte.
Lange hat man in den USA darüber gestritten, ob die Hautfarbe nun ein
Vorteil oder ein Nachteil ist für den Demokraten. Ein Vorteil sagen
die einen, weil er sich mit Hilfe schwarzer Wähler gegen Hillary
Clinton durchgesetzt hat. Ein Nachteil, fürchten Parteifreunde, wegen
des latenten Rassismus im Land. Die guten Umfragen könnten trügen,
ist ihre Sorge.
Aus europäischer Perspektive ist die Größe des Emanzipationschritts,
den Obamas Kandidatur bedeutet, kaum zu ermessen, weil uns ein
vergleichbares Beispiel fehlt. Gewiss gibt es auch bei uns
Minderheiten, denen wir wenig Chancen auf das höchste Amt im Staat
zubilligen. Aber die Geschichte der Sklaverei hat noch einmal eine
andere Qualität.
Hundert Jahre sind zwischen Abraham Lincolns "Emancipation
Declaration" bis zu Lyndon B. Johnsons "Civil Rights Act" von 1964
vergangen. Der bedeutete das offizielle Ende der Rassentrennung. Ganz
verschwunden ist sie bis heute noch nicht.
Offen hat die Hautfarbe Barack Obamas im Wahlkampf nie eine Rolle
gespielt. Dafür gibt es Codes, die jeder versteht, ohne dass sie
angreifbar wären. Sarah Palin, John McCains schlichte aber
angriffslustige Vizepräsidentschaftskandidatin, nennt diesen zum
Beispiel gerne einen "Real American". Damit unterstellt sie, Obama
wäre weniger "echt". Ältere Österreicher mag das an das ÖVP-Plakat
erinnern, das Josef Klaus einst als "echten Österreicher" gegen den
Juden Bruno Kreisky positioniert hatte. Das Wort kam nicht vor, aber
die einschlägige Klientel verstand.
Historisch ist die Wahl noch aus einem zweiten Grund. Sollte Obama
verlieren, würde zum ersten Mal eine Frau Vizepräsidentin. Geraldine
Ferraro hatte es 1984 mit dem Demokraten Walter Mondale versucht und
gegen Ronald Reagan verloren. Für viele ist die Gouverneurin aus
Alaska aber ein Grund, McCain nicht zu wählen. Bei einem 72-jährigen
Präsidenten ist die Gefahr zu groß, dass die rustikale Dame in ein
Amt kommt, das sie überfordert.****
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