- 03.11.2008, 17:00:00
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Ein Zeichen der Hoffnung inmitten der Angst - von Wolfgang Unterhuber
Obama bedeutet Zuversicht; McCain "more of the same"
Wien (OTS) - In diesen Tagen und Wochen ist sehr viel von
Psychologie die Rede. Kein Wunder. Wenn beispielsweise an den Börsen
die Hysterie regiert und Unternehmen nach unten geprügelt werden, die
von ihrer Substanz her kerngesund sind, dann ist da nicht mehr viel
Realitätssinn im Spiel. Mitten in dieser von Angst dominierten Zeit
finden heute die amerikanischen Präsidentenwahlen statt. Da geht es
diesmal um weit mehr als um die unmittelbare Zukunft der Vereinigten
Staaten und ihrer Rolle in der Welt. Der Ausgang der US-Wahlen wird
global ein psychologisches Signal setzen. Auf dem Spiel steht
entweder eine Prolongierung des weltweit kollektiven Angstzustandes
oder ein klares Hoffnungssignal.
Der Republikaner John McCain steht dabei für eine Fortsetzung des
Ist-Zustandes. Auch wenn er sich im Wahlkampf noch so sehr von den
bisherigen Machthabern in Washington distanziert hat, so war und ist
er Teil dieses Systems. Seine (Wirtschafts)-Politik würde auf die
Interessen der Großkonzerne weiterhin uneingeschränkte Rücksicht
nehmen, was in Zeiten einer Weltwirtschaftskrise sehr eng gedacht
ist. Und - wiederum psychologisch betrachtet - hat McCain auch den
Nachteil seines Alters. Er wäre der älteste Präsident in der
Geschichte der USA. Sollte ihm während seiner Amtszeit etwas
zustoßen, wäre seine Vize Sarah Palin plötzlich die Nummer eins.
Eine wahrlich bedrohliche Aussicht. Freilich: Wir Europäer sollten
uns nicht täuschen. McCains und Palins Botschaft von einem
militärisch starken Amerika, basierend auf einem fundamentalistisch
protestantischen Selbstverwirklichungsethos, ist in den USA äußerst
populär. Barack Obama kommt dagegen vielen Amerikanern zu
außerirdisch, zu unamerikanisch daher.
Dennoch: Barack Obama wäre ein Zeichen für Hoffnung. Er hat
frühzeitig erkannt, dass die USA nicht nur in einer Wirtschaftskrise,
sondern in einer Systemkrise stecken. Obama ist mit Sicherheit kein
zweiter Franklin D. Roosevelt, der mit seinem New Deal die USA
nachhaltig verändert hat. Da sollte man Obama auch nicht
überschätzen. Aber er signalisiert deutlich eine Abkehr von der
bisherigen starren "Teufel-komm-raus-Politik". Er ist bereit zu
verändern. McCain ist das nicht. Selbst an der Wall Street, die
traditionell die Demokraten für verkappte Sozialisten hält, scheint
man sich mit Obama schön langsam, aber sicher anzufreunden.
An den amerikanischen Wahlbörsen hat Obama jedenfalls schon gewonnen.
Seine Aktie notiert weit über der von McCain. Auch das ist
Psychologie.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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