Papst: Schöpfungslehre steht nicht im Gegensatz zur Wissenschaft

Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften - Viel beachteter Vortrag Kardinal Schönborns über die Haltung von Benedikt XVI. zum Thema "Schöpfung und Evolution"

Vatikanstadt, 31.10.08 (KAP) Die Schöpfungslehre des christlichen Glaubens steht nach Worten von Papst Benedikt XVI. nicht im Widerspruch zur empirischen Wissenschaft. Bei einer Begegnung mit den Teilnehmern der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften erinnerte der Papst am Freitag daran, dass die Schöpfung aus dem Nichts die Voraussetzung für die weitere Entwicklung ("Evolution") des Universums und des Lebens sei. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, gab vor der Päpstlichen Akademie einen vielbeachteten Überblick über die Stellungnahmen Benedikts XVI. zum Thema "Schöpfung und Evolution". Großes Aufsehen löste auch ein Statement des schwer behinderten britischen Astrophysikers Stephen Hawkings aus.

Das diesjährige Thema der Akademie-Vollversammlung ("Wissenschaftliche Einsichten in die Evolution von Universum und Leben") sei von großer Aktualität, sagte der Papst. Gerade heute würden viele Menschen über die letzten Ursprünge des Seins, über Ursache und Ziel, und über die Bedeutung der menschlichen Geschichte wie der des Universums nachdenken.

In dem Zusammenhang stelle sich die Frage nach der Beziehung von wissenschaftlicher Deutung der Welt und Deutung auf den Grundlagen der Offenbarung. "Wissenschaftliche Wahrheit ist selbst Teil der göttlichen Wahrheit und kann so der Philosophie und Theologie zu einem besseren Verständnis der menschlichen Person und der göttlichen Offenbarung über den Menschen helfen", zitierte der Papst seinen Vorgänger Johannes Paul II. Diese Offenbarung habe in Jesus Christus ihre Vollendung und Vollkommenheit erreicht. Für diese gegenseitige Bereicherung bei der Suche nach der Wahrheit und dem Wohlergehen der Menschheit sei er - zusammen mit der ganzen Kirche - zutiefst dankbar, so der Papst.

Kosmos, nicht Chaos

Die Natur sei wie ein Buch, das Gott schreibt, betonte der Papst unter Hinweis auf Galileo Galilei. Dieses Buch sei "entzifferbar". Die Welt sei als geordneter Kosmos zu verstehen, nicht als Produkt des Chaos. Trotz irrationaler, chaotischer und zerstörerischer Elemente im Veränderungsprozess des Kosmos sei die Materie "erkennbar", sie habe eine innere "Mathematik".

Auf den ersten Blick erschließe sich die Harmonie oft nicht, aber es gebe ein breites Spektrum von "erkennbaren Ereignissen", der Entwicklungsprozess sei zweckgerichtet: In der anorganischen Welt zwischen Mikro- und Makrostruktur, in der organischen Welt zwischen Struktur und Funktion und in der spirituellen Welt "zwischen Erkenntnis der Wahrheit" und "Sehnsucht nach Freiheit". Der Papst betonte, dass dank der Naturwissenschaften das Verständnis für die Einmaligkeit des Menschen im Kosmos enorm zugenommen habe.

"Respekt vor dem Glauben"

Die Gespräche der Vollversammlung werden vom italienischen Physiker Nicola Cabibbo und dem Schweizer Genetiker und Nobelpreisträger Werner Arber geleitet. Im Gespräch mit "Radio Vatikan" sagte Arber:
"Die große Mehrheit der Naturwissenschaftler ist sich bewusst, dass es naturwissenschaftlich nicht möglich ist, Gott zu beweisen. Das ist auch nicht das Thema unserer Vollversammlung. Dennoch möchte ich betonen, dass wir Wissenschaftler Respekt vor dem Glauben haben. Denn der Glaube spielt eine wichtige Rolle in unserem menschlichen Leben. Wissenschaft und Glaube sind dennoch zwei verschiedene Welten. Es ist aber wichtig, dass wir uns nicht gegenseitig bekämpfen, sondern miteinander unser Verständnis über den Sinn des Lebens besprechen".

Arber betonte, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen Naturwissenschaften und Theologie möglich sei. Wörtlich sagte der Genetiker: "Ich bin als Nichtkatholik von der Zusammenarbeit mit dem Vatikan sehr beeindruckt. Es gibt viele Nichtkatholiken in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Auch ist es sehr bemerkenswert, dass wir Mitglieder aus allen Kontinenten haben. Und was mich sehr freut, ist die Tatsache, dass auch viele Frauen dabei sind. Das ist ein wichtiges Zeichen und scheint mir für den Vatikan sehr zukunftsbezogen zu sein". (forts)
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