• 31.10.2008, 18:29:05
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Papst: Schöpfungslehre steht nicht im Gegensatz zur Wissenschaft

Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften - Viel beachteter Vortrag Kardinal Schönborns über die Haltung von Benedikt XVI. zum Thema "Schöpfung und Evolution"

Vatikanstadt, 31.10.08 (KAP) Die Schöpfungslehre des christlichen
Glaubens steht nach Worten von Papst Benedikt XVI. nicht im
Widerspruch zur empirischen Wissenschaft. Bei einer Begegnung mit den
Teilnehmern der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der
Wissenschaften erinnerte der Papst am Freitag daran, dass die
Schöpfung aus dem Nichts die Voraussetzung für die weitere
Entwicklung ("Evolution") des Universums und des Lebens sei. Der
Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, gab vor der
Päpstlichen Akademie einen vielbeachteten Überblick über die
Stellungnahmen Benedikts XVI. zum Thema "Schöpfung und Evolution".
Großes Aufsehen löste auch ein Statement des schwer behinderten
britischen Astrophysikers Stephen Hawkings aus.

Das diesjährige Thema der Akademie-Vollversammlung
("Wissenschaftliche Einsichten in die Evolution von Universum und
Leben") sei von großer Aktualität, sagte der Papst. Gerade heute
würden viele Menschen über die letzten Ursprünge des Seins, über
Ursache und Ziel, und über die Bedeutung der menschlichen Geschichte
wie der des Universums nachdenken.

In dem Zusammenhang stelle sich die Frage nach der Beziehung von
wissenschaftlicher Deutung der Welt und Deutung auf den Grundlagen
der Offenbarung. "Wissenschaftliche Wahrheit ist selbst Teil der
göttlichen Wahrheit und kann so der Philosophie und Theologie zu
einem besseren Verständnis der menschlichen Person und der göttlichen
Offenbarung über den Menschen helfen", zitierte der Papst seinen
Vorgänger Johannes Paul II. Diese Offenbarung habe in Jesus Christus
ihre Vollendung und Vollkommenheit erreicht. Für diese gegenseitige
Bereicherung bei der Suche nach der Wahrheit und dem Wohlergehen der
Menschheit sei er - zusammen mit der ganzen Kirche - zutiefst
dankbar, so der Papst.

Kosmos, nicht Chaos

Die Natur sei wie ein Buch, das Gott schreibt, betonte der Papst
unter Hinweis auf Galileo Galilei. Dieses Buch sei "entzifferbar".
Die Welt sei als geordneter Kosmos zu verstehen, nicht als Produkt
des Chaos. Trotz irrationaler, chaotischer und zerstörerischer
Elemente im Veränderungsprozess des Kosmos sei die Materie
"erkennbar", sie habe eine innere "Mathematik".

Auf den ersten Blick erschließe sich die Harmonie oft nicht, aber es
gebe ein breites Spektrum von "erkennbaren Ereignissen", der
Entwicklungsprozess sei zweckgerichtet: In der anorganischen Welt
zwischen Mikro- und Makrostruktur, in der organischen Welt zwischen
Struktur und Funktion und in der spirituellen Welt "zwischen
Erkenntnis der Wahrheit" und "Sehnsucht nach Freiheit". Der Papst
betonte, dass dank der Naturwissenschaften das Verständnis für die
Einmaligkeit des Menschen im Kosmos enorm zugenommen habe.

"Respekt vor dem Glauben"

Die Gespräche der Vollversammlung werden vom italienischen Physiker
Nicola Cabibbo und dem Schweizer Genetiker und Nobelpreisträger
Werner Arber geleitet. Im Gespräch mit "Radio Vatikan" sagte Arber:
"Die große Mehrheit der Naturwissenschaftler ist sich bewusst, dass
es naturwissenschaftlich nicht möglich ist, Gott zu beweisen. Das ist
auch nicht das Thema unserer Vollversammlung. Dennoch möchte ich
betonen, dass wir Wissenschaftler Respekt vor dem Glauben haben. Denn
der Glaube spielt eine wichtige Rolle in unserem menschlichen Leben.
Wissenschaft und Glaube sind dennoch zwei verschiedene Welten. Es ist
aber wichtig, dass wir uns nicht gegenseitig bekämpfen, sondern
miteinander unser Verständnis über den Sinn des Lebens besprechen".

Arber betonte, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen
Naturwissenschaften und Theologie möglich sei. Wörtlich sagte der
Genetiker: "Ich bin als Nichtkatholik von der Zusammenarbeit mit dem
Vatikan sehr beeindruckt. Es gibt viele Nichtkatholiken in der
Päpstlichen Akademie der Wissenschaften. Auch ist es sehr
bemerkenswert, dass wir Mitglieder aus allen Kontinenten haben. Und
was mich sehr freut, ist die Tatsache, dass auch viele Frauen dabei
sind. Das ist ein wichtiges Zeichen und scheint mir für den Vatikan
sehr zukunftsbezogen zu sein". (forts)
K200809871
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