- 30.10.2008, 20:36:56
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Fischer beim Reformationsempfang: Respekt vor der Gewissensentscheidung Bernardis
Evangelische Kirchen gedachten "Österreichs Stauffenberg" - Dialog mit dem Judentum prägte den Empfang zum Reformationsfest
Wien (OTS) - Hinweis: Honorarfreie Fotos auf http://foto.evang.at
"Dankbar, dass die Evangelischen Kirchen in dieser Feierstunde
ihres Mitglieds Robert Bernardis gedenken" äußerte sich
Bundespräsident Heinz Fischer in einem Grußwort beim Empfang zum
Reformationsfest der Evangelischen Kirchen in Österreich am 30.
Oktober in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien.
Er betrachte dies "als eine wichtige und in die Zukunft gerichtete
Geste des Respekts vor dem militärischen Widerstand und vor der
Gewissensentscheidung, die ihr zugrunde liegt". Der Oberstleutnant im
Generalstab Robert Bernardis (1908 - 44) war als einziger
österreichischer Offizier am Staatsstreich gegen Hitler beteiligt. Am
8. August 1944, einen Tag nach seinem 36. Geburtstag, wurde er in
Berlin-Plötzensee hingerichtet.
"Die NS-Diktatur unter Adolf Hitler war ein auf einer unmenschlichen
Ideologie aufgebautes verbrecherisches Regime, und der Widerstand
gegen dieses Regime war ehrenhaft - auch und gerade, weil dieser
Widerstand rücksichtslos mit dem Tode bedroht wurde und in vielen
Fällen auch tatsächlich mit dem Leben bezahlt werden musste", betonte
der Bundespräsident bei dem Empfang, zu dem erstmals die drei
evangelischen Kirchen, die Lutherische, die Reformierte und die
Methodistische Kirche, gemeinsam geladen hatten. An dem Empfang hat
auch Ingeborg Heidelberger, die Enkelin von Robert Bernardis,
teilgenommen. Ihr konnte der reformierte Landessuperintendent Thomas
Hennefeld auch eine neue Gedenkschrift überreichen, die an Robert
Bernardis erinnert.
Beim Reformationstag geht es auch immer darum, "die reformatorischen
Elemente für das Hier und Heute sichtbar zu machen", sagte der
lutherische Bischof Michael Bünker in seiner Begrüßung. Gekommen
waren zahlreiche VertreterInnen der evangelischen Kirchen und ihrer
Einrichtungen im In- und Ausland, darunter etwa auch Stephanie
Dietrich und Michael Beintker vom Präsidium der Gemeinschaft
Evangelischer Kirchen in Europa, RepräsentantInnen des öffentlichen
Lebens und der Ökumene, wie etwa der Vorsitzende des Ökumenischen
Rates der Kirchen in Österreich, Altbischof Herwig Sturm, Oberin
Christine Gleixner oder Metropolit Michael Staikos.
Friedrich: Für Respekt, Offenheit und Dialog im Verhältnis zwischen
Christen und Juden
Geprägt war der Empfang vom Dialog mit dem Judentum, dem gemeinsamen
Schwerpunktthema der drei evangelischen Kirchen in diesem Jahr. "Es
gehört zu den ureigensten Aufgaben der Kirche, sich von jeglicher
Judenfeindschaft loszusagen", erklärte der Bischof der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Johannes Friedrich. Der
Festredner plädierte vor den knapp 600 Gästen, darunter auch Willy
Weisz von der Israelitischen Kultusgemeinde und Theodor Much von der
jüdischen Reformgemeinde Or Chadasch in Wien, für "Respekt, Offenheit
und Dialog" im Verhältnis zwischen Christen und Juden. "Wenn die
jüdische Wurzel nicht berücksichtigt wird, führt dies zu einer
verkürzten Sichtweise christlicher Identität", so der bayerische
Landesbischof.
Den Diakoniepreis 2008 konnten Synodalpräsident Peter Krömer und der
stellvertretende Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank
Oberösterreich, Hans Schilcher, VertreterInnen von vier innovativen
diakonischen Projekten überreichen. Ausgezeichnet wurde das
Integrationsprojekt "ELONGÓ" des Diakonie-Flüchtlingsdienstes, das
Theater "A la Carte" der Evangelischen Jugend Wels und das Projekt
"Kunst und Kultur für Menschen mit Behinderungen" des Diakoniewerks
Gallneukirchen. Ein Sonderpreis ging an die ARGE Diakonie
Niederösterreich. Dass der Preis wie auch in den letzten Jahren von
der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich zur Verfügung gestellt wurde,
bezeichnete Oberkirchenrätin Hannelore Reiner als "Zeichen der
Solidarität und Nachhaltigkeit".
Gemeinsam mit dem lutherischen Bischof Michael Bünker, dem
reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld und dem
methodistischen Superintendenten Lothar Pöll führte die
Oberkirchenrätin durch das Festprogramm. Auch heuer wurde die beste
Fachbereichsarbeit in Religion vorgestellt. Sie kommt von der
Absolventin des Akademischen Gymnasiums Innsbruck, Mirjam Hönisch,
die sich mit den Standpunkten österreichischer und US-amerikanischer
Jugendlicher in der Frage "Evolution oder Kreation" beschäftigte.
Betreut hat die Arbeit die Religionspädagogin Carola Conzelmann.
Erfreut, dass MaturantInnen Themen aus dem evangelischen
Religionsunterricht für die Fachbereichsarbeit auswählen, zeigte sich
Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Gerade für eine Minderheit wie die
Evangelische Kirche hätte dies im Schulalltag eine "herausragende
Bedeutung", so der für den Religionsunterricht zuständige
Oberkirchenrat bei der Preisverleihung. Musikalisch verwöhnt wurden
die Gäste des Reformationsempfangs von Timna Brauer und dem Elias
Meiri Ensemble, die Titel aus ihrem Programm "Voices for Peace"
boten.
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:epd@evang.at
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