• 29.10.2008, 13:15:39
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AKNÖ-Konsumentenberatung: Banken sind in Panik

Bankenkrise darf nicht auf Kreditnehmer abgewälzt werden

Wien (AKNÖ) - Banken drängen derzeit ihre KundInnen,
Fremdwährungskredite in Euro-Kredite umzuwandeln. Außerdem verlangen
sie eine zusätzliche Gebühr, den Liquiditätsaufschlag von 1 bis 2
Prozent der Kreditsumme. Einige schrecken vor Zwangskonvertierungen
nicht zurück. Die AKNÖ-Konsumentenberatung übte heute Kritik an
dieser Vorgangsweise.

"Die Bankenkrise darf nicht auf die kleinen Kreditnehmer abgewälzt
werden", forderten die AKNÖ-Konsumentenberater und der Landesrat für
Konsumentenschutz, Dr. Sepp Leitner, bei der heutigen
Pressekonferenz. Derzeit wird für KreditnehmerInnen eine Horrorvision
Realität: Die Zinsen für Fremdwährungskredite steigen, der Schweizer
Franken gewinnt gegenüber dem Euro an Wert - bei Umwandlung in
Euro-Kredite ist die Verschuldung höher als die aufgenommene Summe -
und zusätzlich erleiden die Tilgungsträger durch die Finanzkrise zum
Teil schwere Verluste. Und die Banken versuchen derzeit panisch, ihre
KundInnen zu einer Umwandlung in Euro-Kredite zu bewegen. "Wir
beobachten, dass die Banken mit drei verschiedenen Strategien
arbeiten, um die Umwandlung eines Fremdwährungskredites in Euro zu
erreichen und den Konsumenten einen Liquiditätsaufschlag zu
verrechnen. Je nachdem, wie sicher sie sich vertragsrechtlich dabei
wähnen, gehen sie mündlich wie die RAIKA vor oder schriftlich wie
Sparkasse und Volksbank", sagt AKNÖ-Bankenexperte Ernst Hafrank.

Banken verschicken neue AGB´s zur Unterschrift

Bei einer mündlichen Kontaktaufnahme durch die Bank, sollten die
KonsumentInnen unbedingt auf Informationen in schriftlicher Form
bestehen. Liegen diese vor, sollte gegen die Einführung von
zusätzlichen Gebühren Einspruch erhoben werden. Bei einer Kreditsumme
von 150.000 Euro bedeutet ein Liquiditätszuschlag von 1 bis 2 Prozent
mindestens 1.500 Euro im Jahr. Aktualisierte Allgemeine
Geschäftsbedingungen, die jetzt von den Banken zur Unterfertigung an
die KundInnen geschickt werden, sollten auf keinen Fall
unterschrieben werden. Bei neueren Kreditverträgen ist die
Möglichkeit eines Liquiditätsaufschlages bereits in den AGB´s
enthalten. "Hier wird es Aufgabe der AKNÖ sein, die Banken am
Verhandlungstisch von einer anderen Vorgehensweise zu überzeugen.
Wenn nicht anders möglich, müssen wir Musterverfahren anstrengen",
sagt Hafrank und meint weiter: "Hier ist aber auch die Politik
gefragt, denn es ist besser, Lösungen am Verhandlungstisch als bei
Gericht herbeizuführen."

18.750 Euro mehr Schulden als bei Kreditaufnahme

Die Konvertierung eines Schweizer Franken-Kredites in einen
Euro-Kredit bedeutet massive Verluste für KonsumentInnen. Hat jemand
beispielsweise Mitte 2005 einen Kredit von 150.000 Euro zu einem Kurs
von 1,56 in 234.000 Schweizer Franken aufgenommen und wechselt jetzt
in Euro, ergibt das bei einem Kurs von 1,44 eine Belastung von
168.750 Euro. Die Schulden haben sich um 18.750 Euro erhöht. "Noch im
Juni 2008 wäre es in unserem Beispiel möglich gewesen, bei einem Kurs
von 1,64 mit 142.680 Euro auszusteigen. Das hätte eine Verringerung
der Schuldenlast um 7.320 Euro bedeutet. Damals hat aber keine
einzige Bank auf Konvertierung gedrängt", erklärt Hafrank.

Finanzierungslücke: Tilgungsträger mit kurzer Restlaufzeit

Inhabern von Fremdwährungskrediten rät Hafrank, ihren Tilgungsträger
genau zu überprüfen: Was wurde für ein Produkt gewählt und inwieweit
ist dieses von der derzeitigen Krise betroffen. "Viele Berater haben
- aus Profitstreben und um Produkte attraktiver zu machen - viel zu
riskante Produkte für ihre Kunden gewählt, bei denen die hohen
Erträge in den Modellrechnungen die monatlichen Kosten reduzieren.
Das Aufnehmen eines neuen Tilgungsträgers oder gar ein übereilter
Wechsel löst das Problem allerdings auch nicht und verursacht nur
zusätzliche Kosten", sagt Hafrank.

Hotline für AKNÖ-Mitglieder

Seit Montag, 27. Oktober, stehen die AKNÖ-Finanzexperten unter
05-7171-2007 für Probleme rund um das Thema Fremdwährungskredite in
der Zeit von 8 bis 16 Uhr telefonisch zur Verfügung. Seither haben
täglich über 200 Menschen angerufen.

Rückfragehinweis:
AKNÖ Konsumentenberatung
Ernst Hafrank
Tel.: (01) 58883-1310
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

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