• 27.10.2008, 17:52:03
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Der neue Stil"

Ausgabe vom 28. Oktober 2008

Wien (OTS) - Als ob wir derzeit keine anderen Sorgen hätten. Viele
der sogenannten Intellektuellen widmen jedenfalls all ihre Energien
erneut politisch inkorrekten Aussagen, die sie irgendwo erlauschen.
Notfalls kochen sie auch zwei Jahrzehnte alte Zwischenrufe Jörg
Haiders noch einmal empört auf. Obwohl das eine Zeitspanne ist, in
der die meisten Mörder schon wieder auf freiem Fuß sind und man ihnen
ihr Verbrechen nicht mehr vorhalten kann.

Dafür ignoriert man in dieser Szene all jene Bedrohungen, die
nicht nur in Worten bestehen. Zum Beispiel das Faktum, dass heuer in
Europa Hunderttausende ihre Jobs verlieren werden. Oder aber durchaus
Aktivitäten auch von - mutmaßlich - Rechtsradikalen: Denn wenn
neuerdings organisierte Schlägertrupps in Wien Veranstaltungen
(welcher Art immer) überfallen, dann werden Grenzen überschritten,
die wirklich Angst machen.

*

Die Unterrichtsministerin setzt Initiativen zur
Wirtschaftserziehung an den Schulen. "Bravo, endlich!" möchte man
rufen - bevor man konkret erfährt, was Claudia Schmied konkret
vorhat. Denn im Zentrum ihrer Kampagne stehen 50 Sondervorführungen
des linksradikalen Kampffilms "Let's make money". Dessen Haupttenor:
Im Auftrag der Weltbank werden von Wirtschaftskillern
Dritte-Welt-Staaten finanziell ruiniert und politisch gefügig gemacht
werden. Womit natürlich nicht die linken Hungersnot-Staaten Nordkorea
oder Simbabwe gemeint sind, sondern jene Länder, die sich mittels
Marktwirtschaft einen signifikanten Wohlstandszuwachs erarbeitet
haben.

Und eben diese Ministerin war ernsthaft als Finanzministerin im
Gespräch. Was sie wohl nicht werden wird. Aber unsere Kinder darf sie
hemmungslos mit jedem Schwachsinn indoktrinieren.

*

Der neue Stil der Koalition: Die SPÖ macht Josef Cap wieder zum
Klubobmann. Er ist ein Routinier der Dialektik - unter dessen Führung
die SPÖ-Fraktion in den letzten Jahren häufiger als jede andere
Formation die in der Regierung erzielten Kompromisse wieder zunichte
gemacht hat. Ob ein solches (in Abwesenheit des Parteichefs
gesetztes) Signal in Zeiten richtig ist, wo sehr schmerzhafte
Beschlüsse aufs Parlament zukommen? Oder gilt der Imperativ "Alles
neu!" nur für die anderen?

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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