• 27.10.2008, 16:32:07
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Aus der Wüste über Sibirien bis nach Italien - von Wolfgang Unterhuber

Im Kabarett "Wir verkaufen die AUA" ist jetzt Schluss mit lustig

Wien (OTS) - Österreich in seinem politischen und ökonomischen
Realzustand erinnert sehr oft an ein Kabarett. Besonders amüsant ist
derzeit, wie mit den Austrian Airlines umgegangen wird. Und weil es
so schön ist, sei hier eine kleine Rückblende gestattet. Dass
Österreichs nationale Fluglinie ein Sanierungsfall ist, ist seit
Jahren bekannt. Vor drei Jahren beschließen Management, ÖIAG und
Politik es im Alleingang, also ohne Partner, zu versuchen.
Tatsächlich kommt im Vorjahr dann ein kleiner Gewinn heraus. "Die AUA
ist saniert", meint daraufhin AUA-Chef Alfred Ötsch. Das lockt den
austro-arabischen Investor Mohammed Al Jaber an, der gerne in die
Fluglinie investieren will. Was folgt, ist eine Gewinnwarnung und die
plötzliche Erkenntnis, dass die AUA doch eher nicht saniert ist.
Seither investieren AUA und Al Jaber viel Zeit für die Austragung
ihrer Interessen vor Gericht.

Es folgt eine Panikattacke mitten im Wahlkampf. Jetzt, so die Parole,
muss schnell ein Käufer her. Der jedoch soll die Auflage schlucken,
dass österreichische Unternehmen und der österreichische Staat
künftig die Sperrminorität halten werden. Das rotbackig glückliche
Gesicht von SP-Chef Werner Faymann ist noch gut in Erinnerung, als er
diese "Lösung" verkündet. Aber auch die ÖVP ist zu jenem Zeitpunkt
happy. Man will schließlich weg vom Image der Ausverkaufs-Partei.

Doch die österreichischen Tricksereien finden im Ausland wenig
Anklang. Ein Sanierungsfall, bei dem der Staat die Sperrminorität
halten will - das klingt nicht gerade sexy. Das Ergebnis ist bekannt.
Nur die Lufthansa legt ein Angebot. Weil die Deutschen
verständlicherweise mit dem Messer in der Hand verhandeln, wird der
Privatisierungsauftrag nunmehr verlängert. Bis Ende des Jahres. Weil
dann ja alles ganz anders sein wird und sich vielleicht doch noch die
Airline S7 zu einem offiziellen Angebot aufrafft. Womit sich die
Hoffnungen für die AUA von der arabischen Wüste in die sibirische
Tundra verlagert haben. Fix ist, dass der Staat die Hälfte des
Schuldenbergs von über einer Milliarde übernehmen wird - sofern das
die EU erlaubt. Nur so zur Erinnerung: Der Staat, das sind Sie, liebe
Leserinnen und Leser.

An dieser Stelle ist im AUA-Kabarettprogramm dann wohl Schluss mit
lustig. Wie ernst die Lage bei der AUA ist, werden die heutigen
Quartalszahlen einmal mehr eindrücklich vor Augen führen. Bei vielen
Staatsbürgern, die jetzt für das AUA-Chaos bezahlen dürfen, werden da
Assoziationen beklemmender Art geweckt werden: nämlich die von
italienischen Verhältnissen à la Alitalia.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

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