- 27.10.2008, 08:25:40
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Erzbischof Zollitsch mahnt zur Erinnerung an Novemberpogrome
Berlin, 27.10.08 (KAP) Der Vorsitzende der Deutschen
Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat gemahnt, die
Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 wachzuhalten. "Für die
Juden klafft da bis heute eine riesige Wunde", sagte der Freiburger
Erzbischof am Montag in einem Interview mit der deutschen
katholischen Nachrichtenagentur KNA. Deshalb sei es wichtig, Zeichen
zu setzen, "indem wir auch 70 Jahre danach dieser furchtbaren
Ereignisse gedenken und sie nicht einfach wegwischen".
Die Versöhnung sei auch für die Kirche eine "ganz wichtige Aufgabe".
Deshalb gebe es zum 70. Jahrestag des 9. Novembers 1938 - als überall
im deutschen Machtbereich die Synagogen brannten und unzählige
jüdische Menschen getötet, beraubt und gedemütigt wurden - zahlreiche
Gedenkfeiern und Gottesdienste. "Bei diesen Gottesdiensten wollen wir
unser eigenes Versagen vor Gott tragen", erklärte Zollitsch. Zugleich
wolle die Kirche damit verdeutlichen, "dass wir zur Versöhnung
entscheidend beitragen wollen". Positiv bewertete der Erzbischof,
dass es wieder "tragfähige und belastbare" Brücken zwischen Juden und
Christen gibt. "Wir schauen auf eine bessere gemeinsame Zukunft",
sagte Zollitsch.
Zugleich wandte sich der Erzbischof gegen den verharmlosenden Begriff
"Reichskristallnacht", "denn es ist ja viel mehr zu Bruch gegangen
als nur rein äußerlich ein paar Scheiben". Zwar treffe die
Bezeichnung Pogrom auch nicht ganz, da das Wort spontane
Volkserhebungen bezeichne. Hinter den Ausschreitungen 1938 steckte
jedoch sehr viel Planung und Organisation, so Zollitsch. Dennoch
bevorzuge er den Begriff "Pogromnacht", weil er deutlicher mache,
"dass hier wirklich Furchtbares geschehen ist". (ende)
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