WirtschaftsBlatt-Kommentar: Jetzt ist der Staat gut genug

Ein Schelm, wer bei der AUA an Überforderung denkt? Mitnichten.

Wien (OTS) - Manchmal verkehrt sich die Welt von selbst: Die
Wochen der Finanzkrise haben vorher entgegengesetzte Seiten vereint. So gesehen bei den jüngsten Wortmeldungen in Sachen AUA. Egal, welcher politischer Couleur: Der Deus ex Machina heißt Staat. Und plötzlich ist das Böse zum Guten geworden. Die ÖVP, die sich selbst als Wirtschaftspartei sieht, hat in den Jahren ab 1999 privatisiert, was ging - mit dem schönen Nebeneffekt: Die staatliche Holding baute ihre Schulden ab. Allein: Übrig blieb nicht eitel Sonnenschein.

Man braucht sich das nur am Beispiel der Beteiligung AUA anzusehen:
Hier zeigt sich, dass die Aufgabe des Staates und seiner Beteiligungsholding ÖIAG nicht allein die Privatisierung, sondern auch die strategische Weichenstellung für die Zukunft des Unternehmens ist. Eine solche ist im Fall der AUA schwerlich zu erkennen. Zuerst hieß es da vom Vorstandschef Alfred Ötsch: "Wir sind saniert" (3. Februar) - was Verhandlungen mit dem Scheich Mohammed Al Jaber erleichterte. Wenige Wochen später gab es plötzlich eine Gewinnwarnung. Und das mitten im Privatisierungsprozess. Ein Schelm, wer dabei an Dilettantismus oder Überforderung des Managements denkt. Corporate Governance blieb sowieso ein Fremdwort. Wo war da eigentlich der Aufsichtsrat?

Wer jetzt nach der Hilfe des Staates schreit, sollte sich bewusst sein: Der Staat hat über seine Holding das Unternehmen, an dem er 42 Prozent hält, erst in dieses Schlamassel reintheatert. Und nicht zu vergessen: War nicht dieser böse Staat immer ein schlechter Unternehmer und die Privatisierung für die Voestalpine oder Böhler-Uddeholm erst Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung? Dass der Staat die AUA zwischenzeitlich auffängt, restrukturiert und zumindest zum Teil verkauft, ist eine Option. Genauso wie jene, die Fluglinie für einen - an die Lufthansa abzugeben. Gleichzeitig müsste der Staat einen Großteil der 900 Millionen Euro Schulden übernehmen.

Jetzt zu verkaufen wäre unklug. Denn der Wert des Unternehmens kann nur mehr steigen. Ob Übernahmeangebot oder Auffanglösung durch den Staat: Eine Abfindung für die Aktionäre wird es geben. Wenn der Staat einspringt, dann muss er wie ein Unternehmer und nicht wie ein Verwalter agieren. Will heißen: Jobabbau und Kosten senken. Management austauschen und politischen Einfluss abstellen.

Schließlich kann der Staat das Unternehmen restrukturiert in eine Partnerschaft bringen, vielleicht gibt es ja auch einen Österreich-Fonds, der der AUA zusätzlichen Aufwind verleihen kann.

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