- 26.10.2008, 18:00:00
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WirtschaftsBlatt-Kommentar: Jetzt ist der Staat gut genug
Ein Schelm, wer bei der AUA an Überforderung denkt? Mitnichten.
Wien (OTS) - Manchmal verkehrt sich die Welt von selbst: Die
Wochen der Finanzkrise haben vorher entgegengesetzte Seiten vereint.
So gesehen bei den jüngsten Wortmeldungen in Sachen AUA. Egal,
welcher politischer Couleur: Der Deus ex Machina heißt Staat. Und
plötzlich ist das Böse zum Guten geworden. Die ÖVP, die sich selbst
als Wirtschaftspartei sieht, hat in den Jahren ab 1999 privatisiert,
was ging - mit dem schönen Nebeneffekt: Die staatliche Holding baute
ihre Schulden ab. Allein: Übrig blieb nicht eitel Sonnenschein.
Man braucht sich das nur am Beispiel der Beteiligung AUA anzusehen:
Hier zeigt sich, dass die Aufgabe des Staates und seiner
Beteiligungsholding ÖIAG nicht allein die Privatisierung, sondern
auch die strategische Weichenstellung für die Zukunft des
Unternehmens ist. Eine solche ist im Fall der AUA schwerlich zu
erkennen. Zuerst hieß es da vom Vorstandschef Alfred Ötsch: "Wir sind
saniert" (3. Februar) - was Verhandlungen mit dem Scheich Mohammed Al
Jaber erleichterte. Wenige Wochen später gab es plötzlich eine
Gewinnwarnung. Und das mitten im Privatisierungsprozess. Ein Schelm,
wer dabei an Dilettantismus oder Überforderung des Managements
denkt. Corporate Governance blieb sowieso ein Fremdwort. Wo war da
eigentlich der Aufsichtsrat?
Wer jetzt nach der Hilfe des Staates schreit, sollte sich bewusst
sein: Der Staat hat über seine Holding das Unternehmen, an dem er 42
Prozent hält, erst in dieses Schlamassel reintheatert. Und nicht zu
vergessen: War nicht dieser böse Staat immer ein schlechter
Unternehmer und die Privatisierung für die Voestalpine oder
Böhler-Uddeholm erst Voraussetzung für eine erfolgreiche Entwicklung?
Dass der Staat die AUA zwischenzeitlich auffängt, restrukturiert und
zumindest zum Teil verkauft, ist eine Option. Genauso wie jene, die
Fluglinie für einen - an die Lufthansa abzugeben. Gleichzeitig müsste
der Staat einen Großteil der 900 Millionen Euro Schulden übernehmen.
Jetzt zu verkaufen wäre unklug. Denn der Wert des Unternehmens kann
nur mehr steigen. Ob Übernahmeangebot oder Auffanglösung durch den
Staat: Eine Abfindung für die Aktionäre wird es geben. Wenn der Staat
einspringt, dann muss er wie ein Unternehmer und nicht wie ein
Verwalter agieren. Will heißen: Jobabbau und Kosten senken.
Management austauschen und politischen Einfluss abstellen.
Schließlich kann der Staat das Unternehmen restrukturiert in eine
Partnerschaft bringen, vielleicht gibt es ja auch einen
Österreich-Fonds, der der AUA zusätzlichen Aufwind verleihen kann.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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