• 24.10.2008, 09:30:55
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Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk verstorben

Er hat Wien geprägt

Wien (OTS) - Der frühere Wiener Bürgermeister Dr. Helmut Zilk ist
am Freitag morgen im Wiener Wilhelminenspital an Herzversagen
gestorben. Er hat als Wiener Kulturstadtrat und Bürgermeister der
Stadt Wien wichtige Impulse gesetzt und die Stadt wesentlich geprägt.
Auch für die österreichische Medienlandschaft, vor allem für den ORF,
hat er Großartiges geleistet.

Zilk war von 10. September 1984 bis 7. November 1994
Bürgermeister der Stadt Wien, bereits 1979 bis 1983 nahm er als
Kulturstadtrat ein wichtiges Amt für Wien wahr. In beiden Funktionen
hat Zilk Wien wesentlich geprägt und dazu beigetragen, dass die Stadt
eine kulturell lebendige, weltoffene Metropole wurde. Zu den
kommunalpolitischen Errungenschaften seiner Ära zählen unter anderem
die Fertigstellung des AKH und des SMZ Ost, im kulturpolitischen
Bereich die Eröffnung des Jüdischen Museums Wien. Ein besonders
Anliegen war ihm die Bürgernähe, die sich auch im Aufbau des
Bürgerservices ausdrückte.

Helmut Zilk wurde am 9. Juni 1927 als Sohn eines
Zeitungsangestellten in Wien geboren. In den ersten Nachkriegsjahren
unterrichtete er nach der Volks- und Hauptschule als sogenannter
"Schulhelfer" (noch vor Abschluss der Lehrerbildungsakademie) im 2.
Wiener Bezirk. Nach der Matura studierte er an der Universität Wien
Germanistik, Pädagogik, Psychologie und Philosophie. 1951 promovierte
er zum Dr.phil. und legte 1955 zusätzlich die Lehramtsprüfung für
Pädagogik ab. Anschließend gehörte er viele Jahre als Professor dem
Lehrkörper der Lehrerbildungsanstalt in der Hegelgasse an.

Dr. Zilk, der sich für die Erwachsenenbildung engagierte,
arbeitete ab 1955 auch als Rundfunk- und vor allem als
Fernsehjournalist. Er gestaltete zahlreiche Sendereihen und Serien
für das Fernsehen, vor allem im Bereich der Jugend- und
Bildungsarbeit, und gründete das Schulfernsehen in Österreich. Dr.
Zilk setzte sich außerdem besonders für den Ausbau des sogenannten
"Technischen Versuchsprogramms", des späteren 2. Programms, ein.

Von 1967 bis 1974 war Dr. Zilk Programmdirektor. In dieser Zeit
wurde das Farbfernsehen eingeführt, das 2. Programm ausgebaut und den
Kulturprogrammen breiter Raum gegeben. Besonders populär wurde Zilk
durch die Diskussionssendereihen "In eigener Sache", "Stadtgespräche"
und "Auslandsecho", für die er auch journalistische Preise erhielt.

Zwischen 1974 und 1979 arbeitete Dr. Zilk als Ombudsman der
Kronen-Zeitung. 1979 wurde er vom Wiener Gemeinderat zum
Amtsführenden Stadtrat für Kultur und Bürgerdienst gewählt und übte
dieses Amt bis 1983 aus. Im Mai 1983 wurde er als Bundesminister für
Unterricht und Kunst in die damals neugebildete österreichische
Bundesregierung berufen. Als Anfang September 1984 die
Bundesregierung umgebildet wurde und der bisherige Bürgermeister
Leopold Gratz das Amt des Außenministers übernahm, wurde Dr. Helmut
Zilk zum Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien gewählt. Er übte
diese Funktion bis November 1994 aus.

In seiner Zeit als Kulturstadtrat gewann die Stadt Wien viel Farbe
und kulturelle Vielfalt. Mit zahlreichen Neuerungen setzte er
Schwerpunkte im kulturellen Jahresablauf, die, wie etwa die
"Literatur im März", bis heute bestehen. Als Bürgermeister war ihm
die Öffnung der Stadt im Inneren zu einem respektvollen Miteinander
aller Bürger, wie auch nach außen im Sinne einer neuen
Stadtaußenpolitik ein besonders Anliegen, wobei er besonders die
Beziehungen zum mittelosteuropäischen Raum förderte. Zilk initiierte
die Errichtung des Denkmals gegen Krieg und Faschismus von Alfred
Hrdlicka auf dem Albertinaplatz und die Neugründung des Jüdischen
Museums Wien. Große kommunalpolitische Leistungen wie der Weiterbau
der Wiener U-Bahn, die Fertigstellung der Abwasserentsorgung
Simmering und der Wiener Großspitäler AKH und SMZ Ost fallen in seine
Ära. Der Aufbau des Bürgerservices und die Dezentralisierung und
Stärkung der Bezirke brachten bedeutende strukturelle Verbesserungen
im Sinne der Bürgernähe.

Am 5. Dezember 1993 wurde er bei einem Briefbombenattentat an
der Hand schwer verletzt. Nach seinem Ausscheiden aus der
Kommunalpolitik war Dr. Zilk in verschiedenen Funktionen im
wirtschaftlichen und medialen Bereich aktiv, so unter anderem als
Ombudsmann der Kronenzeitung und mit seiner Gesprächsreihe
"Lebenskünstler" im ORF. Vielfach geehrt erhielt Zilk mit der
Ehrenbürgerschaft der Stadt Wien 1995 die höchste Auszeichnung der
Stadt. (Schluss) red

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