- 20.10.2008, 08:39:17
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Ausnutzen des Systems ist nicht strafbar - von Robert Gillinger
Doch Helmut Elsner wird sich trotzdem ärgern
Wien (OTS) - Warum sitzen die Chefs von Goldman, Merrill, Lehman
und wie auch immer die in der Krise darbenden Banken heißen,
eigentlich nicht hinter Gittern? Das, obwohl sie sich Verluste in
Milliardenhöhe mit Bonuszahlungen in Millionenhöhe vergüten ließen.
Das ist derzeit eine der am häufigsten gestellte Frage in der
Unternehmerwelt und an die Redaktion. Die Antwort aus heutiger Sicht
ist leider einfach: Es konnte ihnen kein rechtswidriges Handeln
vorgeworfen werden, zumindest aus heutiger Sicht. Natürlich ermittelt
etwa die US-Börsenaufsicht SEC, was sie in solchen Fällen immer tut,
und vielleicht kommt bei dem einen oder anderen Protagonisten sogar
die eine oder andere Leiche im Keller zum Vorschein. Bei der großen
Mehrheit wird man aber nichts finden. Es wurden einfach die
Schlupflöcher der Regularien genutzt, um mehr Geld zu machen.
Im Nachhinein hat sich das zwar als falsch herausgestellt, rechtlich
war es aber in Ordnung. Und bevor jetzt wieder über die Unmäßigkeit
des Kapitalismus gelästert wird - die Regeln stellte der Staat auf.
Womit wir auch bei der eigentlichen Ursache der Krise sind:
Eigenkapital ist teurer als Fremdkapital. Das, da es davon weniger
gibt. Das, da der Staat mit seinen Einnahmen nicht haushalten kann
und durchgehend Schulden (Fremdkapital) aufnehmen muss. Klar, dass
der Staat kein Interesse an hohen Fremdkapitalzinsen hat. Wieder
klar ist dann, dass Banken oder andere Unternehmen ihr teures
Eigenkapital möglichst (den Vorschriften entsprechend) mit billigem
Fremdkapital auffetten, um die Rendite auf das eigene Geld, das
Eigenkapital, zu erhöhen. Leider wurde der Bogen überspannt und für
die Zukunft scheint klar, dass die Eigenkapitalvorschriften
verschärft werden müssen, auch wenn das natürlich wachstumsdämpfend
wirkt. Aber kann man dafür einen Manager hinter Gitter bringen?
Leider schon, würde jetzt wohl Helmut Elsner sagen. Doch bei der
Bawag wurden gesetzliche Regularien nicht eingehalten, etwa den
Aufsichtsrat über genehmigungspflichtige Geschäfte zu unterrichten.
"Leider" kann Elsner aber wohl sagen, dass dieser Gesetzesverstoß
nicht erst jetzt ans Tageslicht kommt. Denn zur Schadenssumme bei der
Bawag von etwa 1,5 Milliarden Euro würde aus der Deutschen Bank wohl
ein "Peanuts" kommen, was im Vergleich zur weltweiten Schadenssumme
von wohl kumuliert 5000 Milliarden Euro auch irgendwie stimmt. Leider
- aus Elsners Sicht. Denn heute würde er sicher nicht mehr für 9,5
Jahre laut erstinstanzlichem Urteil hinter Gitter geschickt
werden...
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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