Präsident des Österreichischen Hausärzteverbandes (ÖHV) Wien, Dr. Wolfgang Werner,kritisiert neuerlich Patientenanwalt:Der Hausarzt - Lotse oder eigenständiger Therapeut?

Wien (OTS) - Laut Patientenanwalt Hofrat Dr. Bachinger soll der Hausarzt wieder mehr koordinieren, Vertrauensarzt sein und "qualitätskontrolliert" werden.

Ich frage mich immer wieder, ob der Herr Hofrat vielleicht in einer Parallelwelt lebt, in der die Patienten reihenweise uninteressiert, inkompetent, unfreundlich und unqualifiziert behandelt werden.

Die reale Welt sieht anders aus: Ich bin selbst Bezirksärztevertreter und kenne die Situation: Bei schlechtester, ja hundsmiserabler Bezahlung engagieren sich die Kollegen für ihre Patienten. Es werden die Fortbildungsveranstaltungen eifrigst besucht, wir erreichen in unserem Bezirk um die Hälfte mehr an Fortbildungspunkten, als vorgeschrieben - die Qualität ist bestens vorhanden.

Was soll die indiskutable Idee von der Patientenbefragung zur Ordinationsqualität? Darüber kann man diskutieren, wenn die Patienten in der Ordination selbst zahlen - aber damit ist ein standesgemäßes Honorar gemeint, nicht das Almosen, das wir bekommen.

Wir praktischen Ärzte lassen uns nicht zu Lotsen, Türöffnern oder Türlstehern und letztendlich zu besseren Klinkenputzern degradieren, wie sich das die selbsternannten Reformer vorstellen. Wir machen eigene Therapie und ziehen bei Bedarf die Meinung von Fachärzten zu.

Wir können absolut auf die Zurufe von Berufsfremden, denen jegliche Ausbildung in unserem Metier fehlt und die ganz anderen Interessen dienen, verzichten. Wir wissen kraft unserer Erfahrung und unseres Wissens selbst, was wir zu tun haben.

Ich möchte den Spieß umdrehen:Herr Hofrat bitte um Veröffentlichung Ihrer Fortbildungsdokumente, wir möchten alle gerne sehen, ob Sie bei sich die gleichen strengen Anforderungen stellen, die wir schon lange erfüllen. Aber bitte nicht um Angabe Ihrer Buchveröffentlichungen - wir meinen geregelte Fortbildung.

Ich weiß nicht, woher diese Animosität gegenüber der Ärzteschaft bei Herrn Hofrat kommt. Gibt es vielleicht ein persönliches schmerzhaftes Erlebnis, das eine derartige persönliche Abneigung ausgelöst hat?

Apropos neu errungene Freiheit der Arztwahl: Ich habe nichts gegen diese Wahlfreiheit innerhalb einer Fachgruppe - in welcher Fachgruppe der Patient aber speziell betreut werden soll, sollten wir praktische Ärzte ihm raten.

Wie sieht es übrigens mit der Wahlfreiheit im stationären Bereich aus?

Eine gänzliche Freigabe der Fachrichtung kann es nur dann geben, wenn die Patienten Tarife der freien Marktwirtschaft zahlen, wenn es sich aber um die Beiträge aus der Solidargemeinschaft und um Steuergelder handelt, dann muss eine Limitierung Platz greifen.

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