• 13.10.2008, 09:19:38
  • /
  • OTS0031 OTW0031

WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Was nach Jörg Haider kommt - von Wolfgang Unterhuber

Die "Große Koalition" wird jetzt sicher kommen

Wien (OTS) - Der 11. Oktober hat die österreichische Innenpolitik
grundlegend verändert." So reagierte Kanzler Alfred Gusenbauer auf
den tragischen Tod des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider am
Wochenende. Und tatsächlich: Wie im Leben, so auch im Tod - Jörg
Haider wird posthum noch einmal die Entwicklung der innenpolitischen
Landschaft mitprägen. Politisch besonders betroffen ist das BZÖ. Dort
ist man verständlicherweise paralysiert. Aber irgendwann, wenn Schock
und Trauerarbeit bewältigt sind, wird man sich die Frage nach der
Zukunft stellen müssen. Und so viel lässt sich schon heute sagen: Die
letzte Schöpfung Jörg Haiders wird mittelfristig keine Zukunft haben.

In der einen oder anderen Form wird es zu einer Wiedervereinigung mit
der FPÖ kommen. Dass das BZÖ quasi als CSU in Kärnten als
Schwesterfraktion der FPÖ überlebt, ist denkbar, aber nur für den
Zeitraum bis zu den nächsten Landtagswahlen. Das wirft die Frage nach
der politischen Zukunft Kärntens auf. Haider hätte die Wahlen im
kommenden Jahr ganz klar gewonnen. Jetzt ist alles ganz anders. Die
SPÖ darf sich erstmals seit langem wieder berechtigte Hoffnungen auf
den Landeshauptmannsessel machen. Sofern die ÖVP mitzieht. Das werden
die Steigbügelhalter der Roten aber bestimmt. Denn auf Bundesebene
ist nun klar, dass es wieder zu einer SP/VP-Koalition kommen wird.
Die von einigen VP-Funktionären ins Spiel gebrachte
Mitte-Rechts-Regierung ist nun mangels Zukunft beim BZÖ hinfällig.
Und den Weg in die Opposition hat sich die ÖVP außerhalb der
Steiermark ohnehin nie ernsthaft überlegt.

Vom Duo Faymann/Pröll wird es dann abhängen, wie sehr Jörg Haider
nachwirkt. Vermasseln sie es, könnte nach den nächsten
Nationalsratswahlen etwas geschehen, was beinahe schon vor zwei
Wochen passiert wäre: Dass die wiedervereinigte Gruppe FPÖ/BZÖ zur
stimmenstärksten Partei im Lande wird. FP-Chef H.C. Strache ist
natürlich nicht Jörg Haider. Aber die Österreicher haben die
SP/VP-Regierungsvariante grundlegend satt. Das ist vielleicht das
nachhaltigste Erbe Haiders. Erstmals in der Zweiten Republik schuf er
für das enorme Protestwählerpotential eine Alternative zur
rot-schwarzen Demokratur. Dass diese Alternative stets fragwürdig
war, war den Wählern egal. Den Teufel, heißt es, muss man mit dem
Beelzebub austreiben.

Nur wenn die neuen Machthaber aus dieser Geschichte lernen, werden
Haider und seine Erben politisch bald Geschichte sein. Wenn nicht,
wird die Geschichte sie einholen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel