• 07.10.2008, 14:09:19
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GLOBAL 2000: Industrie will Klimasünder bleiben

GLOBAL 2000 begrüßt Entscheidung zur Versteigerung von Verschmutzungsrechten für Betriebe - Klimazölle könnte Industrieabwanderung in Staaten ohne Klimaschutz stoppen.

Wien (OTS) - Die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL
2000 begrüßt die Entscheidung des EU-Umweltausschuss, ab 2013
schrittweise bis zu hundert Prozent der Verschmutzungsrechte zu
versteigern. GLOBAL 2000 Klimaschutzsprecherin Silva Herrmann: "Die
Verschmutzung unserer Atmosphäre muss einen Preis haben. Katastrophal
ist es aber, dass es für besonders energieintensive Branchen weiter
bis zu hundert Prozent Gratis-Zertifikate geben soll. Das öffnet dem
Industrielobbyismus Tür und Tor, die Leidtragenden werden die
Haushalte sein. Denn diese müssen für den mangelnden Klimaschutz der
Industrie zahlen. Stattdessen wäre es sinnvoll, über Klimazölle für
Importe aus Staaten mit weniger Klimaschutz nachzudenken."

Die von der Industrie geschürten Ängste vor einer
De-Industrialisierung Europas und Österreichs sind nach Auffassung
von GLOBAL 2000 reine "Politikpoker". "Jahrelang ist es der
österreichischen Industrie gelungen, durch intensives Lobbying bei
der heimischen Politik die Klimaschutzverpflichtungen niedrig zu
halten. Das sieht die Industrie nun gefährdet. Beispiel VOEST: Dies
ist ein hoch profitabler Stahlkonzern, der in Österreich gut
ausgebildete und motivierte Fachkräfte, sozialen Frieden, eine
intakte Infrastruktur und die Nähe zu ihren Absatzmärkten vorfindet.
Wieso sollte sie also hier ihre Zelte abbrechen", fragt Silva
Herrmann.

Bei einem kritischen Blick auf die Fakten erweisen sich die
Lobby-Argumente der energieintensiven Industrie in der EU in jedem
Fall
als nicht stichhaltig genug, um von einer vollständigen Versteigerung
der Emissionshandelszertifikate abzusehen: Der Handel mit Staaten
außerhalb der EU beträgt für die Kalk- und Zementindustrie weniger
als zwei Prozent, für EU-Raffinerien etwa fünf Prozent, für den
Stahlsektor weniger als 20 Prozent. Gleichzeitig gibt es bereits
klimafreundlichere Stahl-, Aluminium- und Zementproduktionen als die
in Österreich und der EU. Und werden neue Werke gebaut, so spricht
angesichts der begrenzter Energieressourcen alles dafür, so effizient
wie möglich zu planen. Die Politik hat die Möglichkeit zu steuern.
Dänemark und Schweden haben es mit der Einführung von Energiesteuern
vorgemacht, obwohl auch dort Industrien dem internationalen
Wettbewerb ausgesetzt waren und sind. Die Verwendung der Mittel für
den Umweltschutz hat einen massiven Innovationsschub ermöglicht.

GLOBAL 2000 betont, dass es für keinen Produktionszweig gut ist,
künstlich unter einem Glassturz geschützt zu werden. Notwendige
Verbesserungsmaßnahmen werden dadurch nur verschleppt, die
Wettbewerbsfähigkeit leidet. Je strenger die Klimaschutzvorgaben
sind, desto zukunftsträchtiger sind die daran angepassten
Unternehmen. "Der Klimawandel ist ein so ernstes Problem, dass es mit
ein wenig Drehen an der Steuerschraube nicht getan sein wird. Wir
werden unsere Lebens- und Wirtschaftsweise radikal umkrempeln müssen.
Das muss aber kein Nachteil für unsere Lebensqualität sein. Es wird
aber Gewinner und Verlierer geben", so Herrmann abschließend.

Rückfragehinweis:
GLOBAL 2000 Presse: Lydia Matzka-Saboi Tel.: 0699/14 2000 26 und
Ruth Schöffl, Tel.: 0699/14 2000 19, E-Mail.: [email protected]

GLOBAL 2000 Klimasprecherin: Silva Herrmann
Tel.: 0699/14 2000 17, E-Mail: [email protected]

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