"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Das Ende des Schönredens" (Von ALOIS VAHRNER)

Ausgabe vom 3. Oktober 2008

Innsbruck (OTS) - Die Wirtschaftsflaute wurde von Europa und Österreich so lange einfach negiert, bis sie voll da war.

Die Krise kommt aus den USA und trifft Europa stärker als die USA" und "Der Lehrer macht den Fehler, der Schüler bekommt die Strafe": In den zwei Sagern von Wifo-Chef Karl Aiginger klingt wohl etwas Enttäuschung mit, dass die bisherigen Konjunktur-Einschätzungen seines Instituts viel zu optimistisch waren. Mit nur noch 0,9 Prozent Wachstum (hoffentlich muss nicht noch weiter nach unten revidiert werden) ist auch Österreich nicht mehr weit von einer Rezession (zwei Quartale mit schrumpfender Wirtschaft) entfernt.

Österreichs Verantwortliche haben wie die gesamte EU den sich zusammenbrauenden Gewittersturm aus US-Flaute, Dollarkurs, enormen Öl- und Rohstoffpreisen sowie der Finanzkrise klein- bzw. schöngeredet. Während die USA mit gewaltiger Kraftanstrengung ein Konjunkturpaket auf den Weg schickten und die Leitzinsen massiv senkten. In Europa hingegen wurde gebetsmühlenartig betont, das alles sei nicht nötig. Das Ergebnis liegt jetzt schwarz auf weiß vor: Die US-Wirtschaft wird kräftiger wachsen als die Eurozone - sowohl heuer als auch im nächsten Jahr. Trotz Rezession zu Jahresanfang und dem schwer trudelnden Finanzsystem.

Noch eine bittere Erkenntnis haben die gestrigen Konjunkturprognosen: Vor einer Woche wurden im Parlament noch munter Wahlzuckerl im Wert von 2,8 Milliarden Euro beschlossen. Jetzt wird es im Staatssäckel umso enger. Dreierlei ist nun bei der dringend nötigen Steuerreform zu erwarten: nur ein Mini-Reförmchen oder hohe Defizite oder wieder einmal ein Belastungspaket zur Gegenfinanzierung. Die nächste Wahl ist ja weit.

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