- 28.09.2008, 19:33:57
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Rechtsruck reißt Schüssel mit
"Oberösterreichische Nachrichten"-Leitartikel vom 29. 9., von Gerald Mandlbauer
Wien (OTS) - Alle seine Verdienste als Politiker (und die gibt es)
werden verblassen gegen jene strategische Fehlleistung, die in seinem
Satz "Es reicht!" ihren Ausdruck gefunden hat. Wilhelm Molterer hat
mit seinem Absprung zu einem Zeitpunkt, als die Große Koalition außer
Streit nichts vorzuweisen hatte, ein historisches Ereignis in
Österreich möglich gemacht: Das rechte politische Lager, Stimmen für
FPÖ und BZÖ zusammengezählt, ist zur stärksten politischen Kraft
geworden.
Alles andere tritt dagegen an diesem Wahltag zurück: dass die SPÖ mit
Werner Faymann den Anspruch auf den Kanzler stellen wird, was helfen
wird, die schweren Stimmeneinbußen zu verkraften.
Faymann hat ein zweites Wahlziel erreicht. Der ihm verhasste Kreis um
Wolfgang Schüssel wird vom Absturz der Volkspartei mitgerissen.
Verdientermaßen. Schüssel, besessen vom Gefühl eigener Größe, kühler
Macht-Mechaniker, hat die Partei mit seinen Getreuesten übernommen
und sie jetzt auf ihren Tiefpunkt geführt. Er und sein Freundeskreis
(Bartenstein, Neugebauer, Molterer, Missethon u.a.) werden einer
Erneuerung Platz machen müssen. Morgen im Parteivorstand wird
erstmals abgerechnet. Zu viele hat Schüssel verprellt. Es wird Josef
Pröll die Spitze übernehmen - womit die Chance lebt, dass Werner
Faymann doch in der Volkspartei einen Koalitionspartner finden
könnte.
Verweigert sich die VP, bliebe Faymann nur die Variante einer
instabilen Minderheitsregierung, getragen von der FPÖ - oder auch von
Jörg Haider? Haider war gestern eigentlicher Wahlsieger, ein
Schlachtross in neuer Rolle, als besonnener, ja altersweiser
Haudegen. Eine solche Zugnummer fehlte der VP - auch den Grünen, bei
denen Van der Bellen als kluger, authentischer, aber auch ermüdeter
Wahlkämpfer nicht massentauglich ist.
Zusammengefasst ergibt das: viel Unruhe und nicht jene Stabilität,
die Österreich gerade jetzt benötigen würde. Dies haben viele
Österreicher so kommen sehen, nur Wilhelm Molterer eben nicht.
Rückfragehinweis:
Oberösterreichische Nachrichten
Chef vom Dienst
Tel.: +43-732-7805-401 od. 434
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