- 26.09.2008, 11:56:14
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OVS153: Experten erwarten Siegeszug von digitalem Marketing - BILD/VIDEO
Noch herrscht aber Nachholbedarf - Werbebranche hat Thema "sträflich vernachlässigt" - Investitionsbereitschaft der Unternehmen steigt

Wien (OTS) - Der Anteil neuer Medien an den Marketingbudgets ist
nach wie vor eher gering. Egal ob im Internet, am Handy oder bei
anderen digitalen Formaten - über neue Chancen für Unternehmen und
die Kreativwirtschaft wird zwar viel geredet, die Umsetzung lässt
aber auf sich warten. Zu Unrecht, wie Experten bei einer
Podiumsdiskussion der APA-E-Business-Community gestern,
Donnerstagabend, in Wien meinten.
Denn das digitale Zeitalter habe die Konsumlandschaft massiv
verändert, erklärte Jörg Spreitzer, Präsidiumsmitglied des Dialog
Marketing Verband Österreich (DMVÖ) und Geschäftsführer der JWT
Werbeagentur. Dieser "neue Konsument" sei weiblicher - "Frauen sind
ein stärkerer Konsumfaktor geworden", kritischer, ironischer,
gestresster, gebildeter und lustbetonter. "Und er bestimmt den
Informationsfluss. Deshalb wird die Qualität der Interaktion immer
wichtiger", so Spreitzer.
Als positives Beispiel für eine erfolgreiche Zielgruppenansprache
sieht er Motorola. Zwei Jugendliche, die quasi über Nacht zu
Berühmtheit gelangten, seien von dem US-amerikanischen Unternehmen
vom Fleck weg engagiert worden. Sie hatten ein selbstgedrehtes Video,
in dem eine skurrile Playback-Vorstellung zu sehen war, auf die
Plattform YouTube gestellt. Ein ähnlich produziertes Video, in dem
Motorola prominent vorkam, wurde daraufhin mehr als eine Milliarde
Mal aufgerufen, sagte Spreitzer.
"Es ist nicht leicht, die Kunden zu involvieren. Manche wollen das
gar nicht, sondern lassen sich lieber von klassischer Werbung
berieseln. Deshalb bewegt sich die Branche eher langsam. Trotzdem
darf das Thema nicht außer acht gelassen werden", relativierte Peter
Hofbauer von der Direct Mobile Communications GmbH (DIMOCO). Nach wie
vor würde ein Großteil der Budgets in klassische Medien fließen,
"aber es geht in Richtung neue Medien".
Als Grund dafür sieht er, dass von den Marketingleitern vermehrt
Messbarkeit und Effizienz eingefordert würden. Die Breitenwirksamkeit
klassischer Werbung könne man aber auch in Zukunft nicht ersetzen. Zu
beobachten sei dennoch ein Verschwimmen der verschiedenen Medien,
beispielsweise wenn Codes auf Plakaten mit dem Handy fotografiert
würden und dadurch auf Produktinformationen im Internet zugegriffen
werden könnte.
Innovative Kampagnen dürften dabei aber nie über das Knie
gebrochen werden: "Nichts ist schlimmer als eine schlecht realisierte
Kampagne, die dem neuen Thema mehr schadet als nützt", so Hofbauer.
Auf die mangelnde Kontrolle von Meinungen in sozialen Netzen
angesprochen, gab sich der Experte gelassen. "Ein schlechtes Produkt
gegen die Einschätzung der Konsumenten in den Markt zu drücken hat
vor 50 Jahren funktioniert, weil es damals die Informationen nicht
gab. Aber das ist jetzt anders."
Viele Unternehmen hätten rund um ihre Marken bereits digitale
soziale Netzwerke aufgezogen, in denen ihre Kunden andere Konsumenten
treffen, Erfahrungen austauschen und das Produkt diskutieren,
ergänzte Alexis Johann, Ressortleiter Digitale Medien beim
WirtschaftsBlatt, der einen anhaltenden Trend ortet. "Erstens sind
Firmen bereit in soziale Netzwerke zu investieren, zweitens besteht
die Bereitschaft zu experimentieren - die Unternehmen machen Fehler
und haben die Geduld, das durchzustehen - allerdings wird es nicht
einfacher", sagte Johann. Dennoch biete Internetwerbung viele
Vorteile. "Das müssen die Agenturen ihren Kunden auch sagen."
Die Werbebranche habe das Thema lange Zeit "sträflich
vernachlässigt", kritisierte Christian Czaak von economyaustria. "Ich
hätte mir eine ordentliche, fundierte Auseinandersetzung damit schon
viel früher gewünscht." Allerdings sei in den vergangenen drei Jahren
viel geschehen. "Zu Recht, denn es gibt kein ökonomischer und
zielgruppengenauer bzw. messbarer einsetzbares Marketingmedium als
das Internet. Marketingleute, die sich mit den neuen Möglichkeiten
nicht auseinandersetzen, wird es - plakativ gesagt - mittelfristig
nicht mehr geben", gab sich Czaak überzeugt.
"Man muss in diesem Bereich behutsam vorgehen und die Sache ernst
nehmen. Denn sonst kann die Sache auch nach hinten losgehen",
erklärte Robert Schweinzer von APA-MultiMedia. Er verwies auf starke
Veränderungen in der Mediennutzung, das Entstehen neuer Plattformen
und die Etablierung neuer Player in den Bereichen Werbung und
Vermarktung. Einen Trend ortet Schweinzer auch in Hinblick auf
"Digital Signage": Österreich sei europaweit schon auf Platz sieben
bei öffentlichen Info-Bildschirmen. Diese neue Werbeform werde dem
klassischen Plakat aber auch anderen Plattformen Konkurrenz machen.
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