- 25.09.2008, 18:27:04
- /
- OTS0383 OTW0383
Millenniumsziele: Kardinal Rodriguez nimmt Staatschefs in die Pflicht
Präsident von "Caritas Internationalis" forderte beim UN-Gipfel in New York "mutigere Entscheidungen" - "Der Tod von jährlich zehn Millionen Kindern ist eine Abscheulichkeit, die nicht länger toleriert werden kann"
New York, 25.9.08 (KAP) Der Präsident von "Caritas Internationalis",
Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga, hat die Staats- und
Regierungschefs zu mutigeren Entscheidungen im Kampf gegen die
weltweite Armut aufgerufen. Beim UN-Forum zu den
Millenniums-Entwicklungszielen in New York erinnerte der Kardinal aus
Honduras die Politiker an ihre Versprechungen zur Halbierung der
weltweiten Armut bis zum Jahr 2015.
Die UN-Millenniumsziele seien eine ständige Mahnung an das Leiden von
Millionen Menschen, die in der Welt in extremer Armut leben und
gleichzeitig ein "wunderbares Instrument", um die Worte der
Regierungen an ihren Taten zu messen, sagte Rodriguez Maradiaga.
Bisher sei der Weg zur Umsetzung der Millenniumsziele von vielen
politischen Misserfolgen und Fehlern gekennzeichnet, stellte der
Kardinal fest.
Den globalen Klimawandel griff Rodriguez Maradiaga in seiner Rede als
besonders großes Problem heraus, weil es wesentliche Auswirkungen auf
die Armutsbekämpfung gebe. "Der Klimawandel macht viel vom
Fortschritt in den Entwicklungsländern zunichte", sagte der Kardinal
aus Honduras. 1998 habe der Hurrikan "Mitch" Zentralamerika verwüstet
und dabei in seinem Heimatland 50 Jahre Entwicklung zunichte gemacht,
führte Rodriguez Maradiaga aus. Damals sei "Mitch" als ein
Jahrhundertsturm bezeichnet worden. Mittlerweile hätten sich die
Warnungen von Wissenschaftlern bestätigt, dass solche von extremen
Wetterverhältnissen verursachten Katastrophen zunehmen. Die
katastrophalen Stürme über Haiti oder Indien in den vergangenen
Wochen seien dafür "tödliche Beispiele".
Der Buchstabe "M" in der englischen Abkürzung "MDG" ("Millennium
Develpoment Goals") für die Millenniumsziele stehe daher für ihn nur
für die "Minimalziele", die erreicht werden müssten, so Rodriguez
Maradiaga. Er forderte die Regierungen auf, insbesondere im Bereich
Umweltverträglichkeit über die Millenniumsziele hinaus aktiv zu
werden.
Viele Arme bezahlen für Habsucht weniger Reicher
Der Klimawandel betreffe alle Menschen, allerdings würden die Armen
von den Auswirkungen ungleich härter getroffen als die Reichen,
betonte der internationale Caritas-Präsident: "Es ist paradox, dass
gerade die Ärmsten für die von den anderen verursachte
Umweltverschmutzung bezahlen müssen". Man sei Zeuge einer Welt, in
der die Habsucht einiger weniger die Mehrheit der Menschen am Rand
der Geschichte zurück lasse, sagte der Kardinal bei dem UN-Forum. Der
Kardinal erinnerte an die Situation in seinem Heimatland Honduras, wo
internationale Bergbaukonzerne die Bodenschätze ausbeuten, die Umwelt
vergiften und die Lebensbedingungen der Bevölkerung drastisch
verschlechtern.
Rodriguez Maradiaga rief die Industriestaaten dazu auf, sich zu ihren
Millenniums-Verpflichtungen zu bekennen, "um eine Katastrophe zu
vermeiden". Im Umweltbereich hatte sich die internationale
Gemeinschaft im Jahr 2000 dazu bekannt, gemessen am Jahr 1990 den
Ausstoß von Treibhausgasen (vor allem Kohlendioxid) bis 2020 um 25
bis 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu senken.
Wenn es nicht gelinge, die Millenniumsziele zu erreichen, dann habe
das nicht mit einem Mangel an Finanzmitteln oder Fehlern in der
Entwicklungszusammenarbeit, den Mechanismen des Schuldenerlasses oder
der Errichtung eines gerechteren Welthandelssystems zu tun. Vor allem
gehe es um einen akuten Mangel an Vorstellungskraft, kritisierte der
Kardinal in New York. Man sollte aufhören, die Erde in eine "Dritte
Welt" und eine "Erste Welt" einzuteilen. "Wir leben in einer Welt, in
der wir alle Verantwortung für die Ärmsten haben", sagte Rodriguez
Maradiaga: "Wir müssen uns eine Welt vorstellen, in der der Tod von
fast zehn Millionen Kindern pro Jahr eine Abscheulichkeit ist, die
nicht länger toleriert werden kann".(forts.mgl.)
K200808572
nnnn
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | KAT