- 23.09.2008, 19:30:46
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"Kleine Zeitung" Kommentar: "LIF-Affaire: Warum die "Guten" meistens böse erwischt werden" (Von Frido Hütter)
Ausgabe vom 24.09.2008
Graz (OTS) - Er hat keine silbernen Löffel gestohlen, nicht im
Supermarkt geklaut, er ist nicht betrunken Auto gefahren. Dennoch hat
Alexander Zach einer dynamischen Kleinpartei möglicherweise den
Einzug ins Parlament verpfuscht.
Der bisher gegen ihn vorliegende Tatbestand: Seine Firma hat gegen
Geld für ein Produkt Stimmung gemacht, das aus der Sicht mancher ein
sauteurer Unfug ist, aus der Sicht der damaligen schwarz-blauen
Regierung indes eine staatswichtige Anschaffung: der Eurofighter.
In seiner Zweitexistenz als Sprecher des Liberalen Forums hat
Alexander Zach stets gegen die dubiosen Donnervögel votiert. Diese
Bigotterie ist nun ihm und dem LIF zum Stolperstein geworden. Denn:
So sehr in der Politik auch gelogen wird, erwischen darf man sich
dabei nicht lassen.
Und, was noch wichtiger ist: Schon gar nicht dann, wenn Sauberkeit,
Offenheit, Fairness, Gerechtigkeit etc. wesentliche Übertitel des
Parteiprogramms sind.
Hier kommen wir zu einem scheinbaren Paradoxon: Mit Ausnahme der
Grünen verfügen sämtliche Parlamentsfraktionen über ein beachtliches
Skandalarchiv: Schwarze Koffer und pralle Geldkuverts, betrügerische
Mandatare, Kampf-"Sportler", verzockte Milliarden, prügelnde
Leibwächter, etc. bilden ein gruseliges Panoptikum. - Und dennoch
hatte all dies kaum realen Machtverlust zur Folge.
Auch wurde nie enträtselt, warum für die Homepage eines flotten
Finanzministers das etwa Zehnfache des nötigen Betrages gespendet
wurde. Und über den Verbleib von rund fünf Millionen Euro, die das
Eurofighter-Konsortium einer BZÖ/FP-nahen Kleinfirma für nicht ganz
nachvollziehbare Dienste gezahlt hat, wurde bisher keine Klarheit
erzielt. Und dann dieser Herr Zach, dessen Skandal-Potenzial sich
dagegen fast putzig ausnimmt.
Aber so ist es eben. Und nicht nur bei uns. Wer unter dem Motto "Wir
sind die Guten" segelt, erleidet schon bei leichten Böen Schiffbruch.
Während die zwielichtigen Verbindungen der Bush-Regierung mit dem
Kriegs-Nahversorger Halliburton nie breiter diskutiert wurden, hatte
bei Bill Clinton ein bisschen illegitimer Sex gereicht, um ihn fast
sein Amt zu kosten. Das Land hechelte mit.
Heide Schmidt, allem Anschein nach integer, verzichtete gestern auf
Mutmaßungen, woher die Enthüllungen kommen. Ist auch egal, der
Tatbestand ist eindeutig, die Strafe verdient. Denn es macht immer
noch einen Unterschied, ob man Schwindler enttarnt oder ob man selbst
schwindelt. - Das gilt glücklicherweise auch in der Politik.****
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